3. Oktober 2012 10:31; Akt.: 3.10.2012 12:32

Tatortreiniger putzen nach Bluttaten: Ein ungewöhnlicher Beruf im Porträt

Die Tatortreiniger haben rund 100 Einsätze im Jahr. Die Tatortreiniger haben rund 100 Einsätze im Jahr. - © APA
Sie sind nicht die ersten, sondern die letzten am Tatort: Die Tatortreiniger. Und wenn sie gerufen werden, handelt es sich meistens um besonders schlimme Fälle. In Österreich gibt es nur eine Firma, die diesen Service anbietet und entsprechend viele Einsätze haben die Mitarbeiter.

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Was den meisten nur als Schlagzeile begegnet, ist für die Tatortreiniger Alltag: Selbstmorde, blutige Verbrechen und halbverweste Leichen, die wochenlang in einer Wohnung gelegen sind. Rund 100 Einsätze absolviert die Firma Astra Services, die laut eigenen Angaben der einzige derartige Anbieter in Österreich ist, pro Jahr. Wie fordernd dieser ungewöhnliche Job ist, schilderte Prokuristin Rosalia Zelenka im Gespräch mit der APA.

Tatortreiniger haben keinen leichten Job

Einen Tatort zu dekontaminieren kann bis zu einer Woche dauern. Oft müssen zuerst Gehirnmasse, Blut und andere Körperflüssigkeiten beseitigt werden, dann beginnt die Desinfektion. Wenn das erledigt ist, folgt die Sanierung. Die Hauptgefahren, die von Verbrechensschauplätzen oder Leichenfundorten ausgehen, sind Keime und Toxine, die sich manchmal wochenlang halten oder auch erst nach dem Tod eines Menschen entwickeln. “Da entsteht ein eigener Mikrokosmos”, erklärt Zelenka. Werde er nicht beseitigt oder vertragen, stelle er eine Bedrohung für die künftigen Nutzer dar.

Nicht nur nach Verbrechen im Einsatz

Neben den Schauplätzen von Verbrechen und Suiziden zählen auch Messie-Behausungen zu den Einsatzgebieten der Tatortreiniger. Die Bewohner sind dann meist schon delogiert oder gar tot. Zurück bleibt oft jahrelang angesammeltes Gerümpel. Zelenka erinnert sich an einen Auftrag, bei dem sich ihre Leute durch einen Berg aus Bierdosen und Zigarettenstummeln sowie jede Menge private Besitztümer durcharbeiten mussten. Als die dahinterliegende Wand endlich frei war, stand darauf in Kinderschrift gekritzelt zu lesen: “Papa ist doof”.

Kernteam von vier Personen

Fordernd für die Psyche sei der Job schon, so die oberste Tatortreinigerin. “Am Anfang habe ich gedacht, es belastet mich nicht, aber man kann das nicht ausschalten.” Manche Schauplätze seien sehr “intensiv”, deshalb gebe es nachher mit den Mitarbeitern immer Gespräche, um sich die Last des Erlebten von der Seele zu reden. Zelenka leitet und koordiniert mit einer Hauptcrew von vier Personen die Arbeit an den Tatorten, weitere 100 bis 120 Mitarbeiter aus dem Reinigungsbereich stehen dem Kernteam unterstützend zur Seite. Künftig will das Unternehmen verstärkt auf Gemeinden zugehen, die vor allem im ländlichen Bereich oft hilflos einem Problem wie einer kontaminierten Wohnung gegenüberstehen würden, erklärt sie. (APA)



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