Tempo 80 auf Stadtautobahn in Salzburg erneut politisches Streitthema

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Bei Tempo 80 komme es laut Gutachter wegen der Verdichtung des Verkehrs zu gefährlicheren Situationen.
Bei Tempo 80 komme es laut Gutachter wegen der Verdichtung des Verkehrs zu gefährlicheren Situationen. - © Neumayr/MMV/Archiv
Der Ausschuss des Salzburger Landtages hat sich am Mittwoch erneut mit dem umstrittenen “Luft-80er” auf der Stadtautobahn (A1) in Salzburg befasst. Die FPS von Karl Schnell forderte in einem Antrag, dass es ausschließlich für Lkw eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 km/h geben soll, um das Unfallrisiko durch den Tempounterschied zwischen Pkw und Lkw zu reduzieren. Der Antrag wurde abgelehnt.

ÖVP und Grüne sowie LAbg. Otto Konrad stimmten am Abend laut Landes-Medienzentrum mehrheitlich gegen den Antrag, die SPÖ und die FPS dafür. Die FPÖ-Abgeordnete Marlies Steiner-Wieser sprach sich ebenfalls für den Antrag aus. Die FPS berief sich mit ihrer Forderung auf Angaben des Verkehrsgutachters Gerhard Kronreif, der die Auswertung der Unfalldaten der Autobahnpolizeiinspektion Anif seitens der Landesstatistik vom Juli 2016 unter die Lupe genommen und mit seinen Aufzeichnungen aus der Statistik der API-Anif verglichen hat.

Unfälle bei Fahrstreifenwechsel fast verdoppelt

Bereits im Herbst 2015 hat der Gerichtssachverständige darauf hingewiesen, dass Tempo 80 für alle Fahrzeuge auf dem rund zehn Kilometer langen Abschnitt zwischen Salzburg Nord und dem Knoten Salzburg zulasten der Verkehrssicherheit wegen der Verdichtung des Verkehrs vor allem durch die zu knapp auffahrenden Lkw am rechten Fahrstreifen gehe, und dass sich die Unfallzahlen insbesondere bei Fahrstreifenwechseln seit Einführung des “Luft-80er” mit 4. März 2015 etwa verdoppelt haben.

Geschwindigkeitsunterschied von 20 km/h notwendig

“Dies bestätigt sich nunmehr auch im längeren Beobachtungszeitraum”, sagte Kronreif am Mittwoch. 2014/15 ereigneten sich demnach 33 Fahrstreifenwechselunfälle, 2015/16 sei es mit 66 Fahrstreifenwechselunfällen wiederum zu einer Verdoppelung gekommen. Es sei ein Geschwindigkeitsunterschied von 20 km/h zwischen Pkw und Lkw erforderlich, “um für sichere Verhältnisse in der Form zu sorgen, dass die Kolonne am rechten Fahrstreifen sich streckt”, stellte Kronreif fest.

Zudem haben sich laut Kronreif die Fahrstreifenwechselunfälle und Auffahrunfälle mit Lkw-Beteiligung bei Tempo 80 rechnerisch mehr als verdreifacht. Der Verkehrsgutachter kam auch zu dem Ergebnis, dass “bei Auffahr- und Fahrstreifenwechselunfällen mit Personenschäden und Lkw-Beteiligung bei Tempo 80 rechnerisch zumindest eine Vervierfachung vorliegt”.

Gefährliche Situationen am rechten Fahrstreifen

Auf Basis etlicher Simulationsrechnungen kam auch der Unfallforscher und Sachverständige für Verkehrssicherheit Ernst Pfleger von der BOKU Wien zu dem Ergebnis, dass es bei Tempo 80 für alle Fahrzeuge wegen der Verdichtung des Verkehrs am rechten Fahrstreifen zu gefährlichen Situationen kommen könne. Pfleger sagte im Ausschuss, dass es auf der Stadtautobahn viele Zu- und Abfahrten gebe, was die Verkehrsverdichtung bewirke. Die unterschiedlichen Bremsvorgänge von Lkw und Pkw könne man nur durch einen größeren Tiefenabstand bewerkstelligen. Der Sachverständige Friedrich Nadler erklärte wiederum, dass die Reduktion auf 80 km/h für alle Fahrzeuge die geeignete Lösung sei. Weniger Geschwindigkeit bringe weniger Gefahren mit sich.

Tempo 80 im März 2015 eingeführt

Das Tempolimit auf der Stadtautobahn war im März 2015 aus Luftschutz-Gründen eingeführt worden, initiiert von Umweltreferentin LHStv. Astrid Rössler (Grüne). Die Belastung an Stickstoffdioxid sank ihren Angaben zufolge um fünf bis sechs Prozent. Laut offiziellen Zahlen der Statistik Austria hat der flexible “Luft-80er” im Jahr 2015 zu keinem Anstieg der Unfallzahlen geführt. Erfasst wurden ausschließlich Unfälle mit Personenschäden.

(APA)

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