Abenteuerliche Einblicke in die Werkstatt des Landesarchivs

Der Restaurator des Salzburger Landesarchivs.
Der Restaurator des Salzburger Landesarchivs. - © Land Salzburg/Melanie Hutter
Zerfleddert. Mit Klebestreifen behelfsmäßig repariert. Es ist das Grundbuch von Bergheim aus dem 19. Jahrhundert – ein Zeitzeuge in Papierform. Was die Restauratoren im Salzburger Landesarchiv auf den Tisch bekommen, ist teils recht abenteuerlich. Am 7. Juni können Interessierte den Profis über die Schultern schauen. Für das Landes-Medienzentrum hat die Werkstatt schon vorab die Türen geöffnet. Sogar Champagner spielte dabei eine Rolle.

Es geht ganz genau um Champagner-Kreide und nicht das edle Sprudelgetränk aus Frankreich. Mit Ethylacetat bildet das weiße Pulver eine Kombination, die Klebestreifen von alten Dokumenten entfernt. “Hier hat es jemand gut gemeint und wollte das Grundbuch reparieren, aber Weichmacher und Kleber setzen dem Papier zu, fressen sich hinein. Um diese zu entfernen, haben wir von einer Kollegin aus der Schweiz eine Rezeptur erhalten, die gut funktioniert”, erklärt Archivrestaurator Roman Kafka und zeigt ein anschauliches Vorher-Nachher-Beispiel. Was viele nicht wissen: Das Landesarchiv ist weitaus mehr als eine Ansammlung alter Dokumente und Bücher, hier wird in Werkstätten von Profis selber restauriert – mit viel Hingabe und Erfahrung.

Zeugen der Vergangenheit

So wird unter anderem das schädliche “Tixo” in Feinstarbeit entfernt. Das “Wunder” wirkt über Nacht, die chemische Kombination, “erfunden” in der Schweiz, “wandert” durch das Papier und entfernt die Klebereste. So werden nicht nur alte Dokumente wie Grundbücher “gerettet”, sondern auch Landkarten, Pläne und Urkunden restauriert. Eine von vielen Aufgaben, die Roman Kafka und seine Kolleginnen und Kollegen in Sisyphusarbeit erledigen. Und es wird weiter geforscht, die Rezeptur optimiert. Einen intensiven Einblick bekommen Besucherinnen und Besucher am “Tag der Archive” am 7. Juni. Geheimnisse, was “Anfasern” bedeutet oder was Japan-Papier ist, auch warum Roman Kafka einen Mixer braucht und Buchbinderin Sabrina Schaller mit Hanf arbeitet – das alles erfahren die Besucherinnen und Besucher im Landesarchiv, wo Salzburgs Geschichte bis ins Mittelalter zurück lebendig wird.

Das “Gedächtnis des Landes”

Das Landesarchiv birgt im wahrsten Sinne des Wortes viele Schätze, was die beeindruckenden Zahlen belegen: “Wir verwalten 30.000 Regal-Laufmeter an Archivgut. 6.000 Urkunden, 10.000 Karten und Pläne sowie 500.000 historische Bilddokumente, Akten und vieles mehr sind Zeugen der Geschichte. 2.300 Besucherinnen und Besucher pro Jahr kommen zu uns, und wir bearbeiten 4.000 schriftliche Anfragen”, rechnet Leiter Oskar Dohle vor. Altes Zeug, das maximal Historikerinnen und Historiker interessiert? Ganz und gar nicht, denn das Archiv hat zwei Schlüsselfunktionen: “Wir sind einerseits das ‘Gedächtnis des Landes’ und andererseits ein Garant für Rechtssicherheit im Land. Die archivierten Schriften und Dokumente reichen bis ins Mittelalter zurück”, so Dohle.

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