Bauernbundobmann Rupert Quehenberger im Sonntags-Talk: “Haben nichts von sprechenden Schweinderln oder Idyllen”

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Rupert Quehenberger will Salzburgs Bauern fit für die Zukunft machen.
Rupert Quehenberger will Salzburgs Bauern fit für die Zukunft machen. - © APA/BARBARA GINDL/BILDERBOX/SALZBURG24/Winkler
An der Spitze des Salzburger Bauernbundes steht ab 14. Oktober ein neues Team. Der Tennengauer Rupert Quehenberger wird neuer Landesobmann und übernimmt das Amt von Franz Eßl. Wir haben den designierten Obmann zum Sonntags-Talk gebeten und mit ihm über seine Pläne für den Bauernbund, die aktuelle Situation der Salzburger Landwirte und seine Leidenschaft für die Landwirtschaft gesprochen.




Beim Landesbauerntag wird das neue Team offiziell gewählt. Rupert Quehenberger freut sich bereits auf die anstehenden Aufgaben, auch, “wenn es Tage des Kopfschmerzes geben wird.” Besonders stolz ist der 47-Jährige darauf, dass man mit Elisabeth Hölzl und Nicole Leitner auch zwei Frauen im Vorstand mit an Bord holen konnte.

SALZBURG24: Herr Quehenberger, Sie engagieren sich bereits seit mehr als zehn Jahren im Bauernbund. Wie ist es dazu gekommen?

RUPERT QUEHENBERGER: Einer der Beweggründe war, dass ich mitgestalten und mitreden wollte, bei Entscheidungen, die uns Bauern betreffen. Nach mehrmaligem Nein-Sagen habe ich mir gedacht, ist wurscht, probiere ich es halt und damit bin nicht ganz unglücklich (lacht).

Gibt es Dinge im Bauernbund, die Sie als Obmann verändern wollen?

Es wäre Wahnsinn, wenn ich sagen würde, in den letzten Jahren ist viel falsch gelaufen. Ich glaube aber auch, gerade mit neuen Leuten kommt wieder ein neuer Zugang, neue Gesichter, neue Aspekte. Ideen habe ich sehr wohl, aber die müssen im Vorstand erst eine Mehrheit bekommen.

Können Sie zu ein paar dieser Ideen schon konkret werden?

Gern. In Salzburg haben wir einen der höchsten Standards, wenn es um Lebensmittel geht. Eine der wichtigsten Sachen wird sein, das in Zukunft mehr aufzuzeigen und das tatsächliche Bild der Landwirtschaft darzustellen. Wir haben nichts von sprechenden Schweinderln oder sonstigen Idyllen, sind aber auch weit weg von industrialisierter Landwirtschaft.

Rupert Quehenberger ist selbst Bauer in Annaberg-Lungötz. Foto: Neumayr Rupert Quehenberger ist selbst Bauer in Annaberg-Lungötz. Foto: Neumayr ©

Von der Zukunft zurück in die Gegenwart: Wie geht es den Salzburger Bauern aktuell?

Aktuell haben wir gebietsweise eine schwierige Phase aufgrund der Dürre im Sommer. Da stehen Entscheidungen an: Kaufen die Bauern teures Futter zu oder reduzieren sie den Viehbestand? Aufgrund dieser Ausnahmesituation, wir sprechen von Ausfällen zwischen 20 und 30 Prozent, greift auch die Politik unterstützend ein. Es geht den Bauern nicht übermäßig gut, aber zum Totjammern sind wir auch nicht.

Kann man die Ausfälle schon beziffern?

Das ist schwierig, weil jeder Betrieb so individuell ist. Entscheidend ist: Wie schaut es aus, wenn der Winter losgeht? Jetzt haben wir wieder eine gute Vegetationsphase, gewisse Bestände erholen sich. Die letzten Schnitte fallen teilweise sehr gut aus, es gibt Regionen in allen Gauen, die überdurchschnittlich versorgt sind. Im November wissen wir haargenau, was Sache ist und dann können wir reagieren. Abgerechnet wird immer am Schluss, auch bei der Ernte.

Die Prognosen für die nächsten Jahre deuten auf häufigere Dürreperioden hin. Wie bereiten sich die Bauern darauf vor?

Die Wetterextreme werden sicher mehr, nicht nur die Dürreperioden, sondern auch Überschwemmungen oder Hagelschauer. Die einfachste Vorkehrung ist sich zu versichern. Gegen Hagel kann man sich schon sehr lange versichern, das ist jetzt ausgeweitet worden auf Dürre und Überschwemmungen. Aber auch der Landwirt selber kann Vorkehrungen treffen. Ich kann meinen Grasbestand lenken und auf trockenheitsresistentere Pflanzen setzen. Es gibt genug Regionen in Europa, von denen ich etwas lernen kann.

Reagieren die Salzburger Bauern bereits auf die Veränderungen?

Die Bauern machen sich sehr wohl Gedanken. Es gibt erste Pioniere, auch die Saatguthersteller haben reagiert. Den Klimawandel können wir nicht aufhalten und wir müssen die Wetterextremen nehmen, wie sie kommen und lernen, damit umzugehen.

Die Dürre hat den Bauern zugesetzt. Im Herbst ist die Situation besser. Foto: Neumayr Die Dürre hat den Bauern zugesetzt. Im Herbst ist die Situation besser. Foto: Neumayr

Welche anderen Herausforderungen werden auf die Bauern in Zukunft noch zukommen?

Ganz entscheidend wird für uns werden, wie die Verhandlungen für die gemeinsame Agrarpolitik der EU verlaufen. Eine wesentliche Entscheidung wird sein: Will man in Zukunft weiter solche Betriebe, wie wir sie haben, also bäuerliche Familienbetriebe mit überschaubaren Größen? Oder sind das nur Lippenbekenntnisse? Wesentlich werden auch gewisse Trends werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Bauern hier schon sehr gut vorbereitet sind und nachhaltig produzieren.

Stichwort Trends: Was tut sich im technologischen Bereich in dieser Hinsicht?

Da gibt es massive Veränderungen. Wir befinden uns in einem Zeitalter der Digitalisierung, auch in der Landwirtschaft. Ein Melkroboter ist nichts Außergewöhnliches mehr, es ist technisch möglich Ställe vollautomatisch zu machen. Ob das sinn-, zweck- und zielführend ist, das ist eine der großen Herausforderungen. Trotzdem dürfen wir uns gegen diese Technik nicht verschließen, weil sie viel Gutes bringen kann. Das kann für den einen oder anderen Betrieb sinnvoll sein, wird aber nicht das Patentrezept für alle Bauern werden.

Wie offen sind Salzburgs Landwirte für solche Innovationen?

Man ist offen, es wird auch viel probiert, aber natürlich ist vieles mit unseren Größenstrukturen oftmals nicht wirtschaftlich einsetzbar. Es gibt sehr wenige, denen das gelingt. Wichtig ist, offen zu sein, Dinge aber auch kritisch zu hinterfragen.

Die Bio-Bauern-Dichte in Salzburg ist hoch, sie selbst sind Bio-Bauer in Annaberg-Lungötz. Wird es in Zukunft in Salzburg nur mehr Bio-Bauern geben?

Das wird der Markt regeln. Wir sind in Salzburg in der glücklichen Lage, für jeden Konsumenten das Produkt anbieten zu können, das er haben möchte. Im Moment läuft es sehr gut, wir haben Verarbeiter, die Bio-Produkte zu entsprechenden Preisen verkaufen und einen Teil davon an den Bauern zurückgeben. Ich mache Bio sehr wohl aus Überzeugung, aber es ist für mich keine Glaubensfrage, weil ich unter dem Strich auch davon leben können muss.

Gibt es bestimmte Rahmenbedingungen, die Sie sich von der Politik wünschen würden, damit man weniger abhängig ist vom Markt?

Wünschenswert wäre – aber das ist eine Träumerei – dass wir bei den Zuschüssen für die Landwirtschaft von Ermessensausgaben zu verpflichtenden Ausgaben kämen. Es ist unkalkulierbar und schwierig für einen Landwirt, nie zu wissen, was passiert, wenn eine neue Regierung kommt. Es ist sehr kurzfristig, wenn Bauern nur für fünf Jahre planen können. In gewissen Bereichen fallen Entscheidungen über Generationen hinweg. Grundsätzlich dürfen wir uns nicht beschweren, aber es wäre schön, wenn manches einfacher und berechenbarer geht.

Sie führen den familieneigenen Bauernhof bereits in der vierten Generation. Was macht für Sie den Reiz der Landwirtschaft aus?

Der Reiz in der Landwirtschaft ist, sein eigener Chef zu sein, mit der Natur arbeiten zu können und was mir ganz wichtig ist und was so wertvoll ist: Die Ernte in den Händen halten zu können. Und das macht einen stolz. Wenn man damit noch seine Familie ernähren kann und man die Arbeit gern tut, dann ist das ein ganz wunderbares Gefühl.

Herr Quehenberger, vielen Dank für das Gespräch!

 

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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