Terezia Mora eröffnete die “Buch Wien”

“Tatsache ist: Sobald ein Satz in der Welt ist, wird er migrieren.” Die ungarisch-deutsche Schriftstellerin Terezia Mora hat am Mittwochabend die Eröffnungsrede der “Buch Wien” gehalten und eine Parallele zwischen der Migration von Menschen und literarischen Texten gezogen. Bei der Buch Wien haben rund 350 Aussteller aus 18 Nationen in der Messe ihre Stände aufgebaut.

Mora, die in Sopron geboren ist, zweisprachig aufwuchs und seit langem in Berlin lebt, sprach in ihrer Rede eigentlich über Sätze, über Zitate, über das Ein- und Auswandern von Texten in andere Texte – auch über neue, digitale Kanäle und über die Versuche zur Reglementierung dessen durch das Urheberrecht. Dass sie dabei aber gleichzeitig über die Globalisierung der Menschen und deren erwünschte oder unerwünschte Aus- und Einwanderung sprach, daran ließ sie keinen Zweifel aufkommen. “Einen öffentlich gemachten Satz am Migrieren zu hindern ist unmöglich, noch viel unmöglicher, als einen lebendigen Menschen daran zu hindern.”

In beiden Fällen hat die Medaille zwei Seiten – abhängig nicht zuletzt von “der Qualität des Aufnahmetextes” – und der Idealfall ist, dass die “intellektuelle Produktivität” durch das Migrieren von Sätzen erhöht wird. Im Urheberrecht – und, in der Parallele weiter gedacht, wohl auch in der rechtlichen Auseinandersetzung mit menschlicher Wanderung – plädiert Mora jedenfalls für “weniger Angst und mehr Pragmatismus”.

Menschenrechte seien “eines unserer Hauptthemen auf der diesjährigen Buch Wien”, betonte auch Hauptverbands-Chef Benedikt Föger in seinen Eröffnungsworten. “Nie waren Buchmenschen und Kulturschaffende wichtiger als heute.”

Die Buch Wien, die neben den 8.000 Quadratmetern Messefläche auch Wiener Buchhandlungen, Literaturhäuser, Museen, Kinos, aber auch das Amtshaus Wieden oder die Diplomatische Akademie in insgesamt 430 Veranstaltungen erfasst, nimmt ihren Auftakt heute mit der “Langen Nacht der Bücher”. Dabei sind Autoren wie Andre Heller, Arne Dahl oder Stefanie Sargnagel bei Florian Scheuba zu Gast, Performances gibt es beim internationalen Poetry Slam sowie auf der Kochbuchbühne. Auch ein Auftritt der frisch mit dem ersten Österreichischen Buchpreis bedachten Friederike Mayröcker ist geplant.

Neben deutschsprachigen Autoren von Philip Blom bis Sabine Gruber, Doris Knecht bis Dirk Stermann, Reinhard Kaiser-Mühlecker bis Marlene Streeruwitz, sind auch viel beachtete internationale Gäste zu Lesungen da: etwa Bachtyar Ali, die wichtigste Stimme der kurdischen Gegenwartsliteratur, der Israeli Nir Baram, der Doron Rabinovici im Jüdischen Museum zum Gespräch trifft, oder US-Shootingstar Cynthia D’Aprix Sweeney.

Im Sachbuchsegment wird ein Religions-Schwerpunkt gesetzt, zum einen mit dem 500-jährigen Reformationsjubiläum: Der Luther-Biograf Willi Winkler diskutiert dabei mit Ex-Bischöfin Margot Käßmann und der ehemaligen Pfarrerin und Politikerin Gertraud Knoll. Zu Gast ist aber auch Jan Assmann mit seinem neuen Buch über die Ursprünge von Gewalt in monotheistischen Religionen unter dem Titel “Totale Religion”.

Kurz nach Ende der Buch Wien steht bereits die nächste Bücheraktion in Wien an: “Eine Stadt. Ein Buch” feiert 15-Jahr-Jubiläum und zeigt dazu eine Ausstellung mit Porträts aller bisher “verteilter” Autoren im ORF Funkhaus. Ab dem 15. November wird auch heuer wieder ausgeteilt: Diesmal “Katzentisch” von Michael Ondaatje, der “eine lange Reise in eine ungewisse Zukunft mit multikulturellen Passagieren” beschreibt. Ondaatje wird zur Aktion auch nach Wien kommen.

(S E R V I C E – “Buch Wien”, von 10. bis 13. November, Messe Wien, Lange Nacht der Bücher: 9. November, 19.30 bis 24 Uhr, )

(APA)

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