19. April 2011 04:58; Akt.: 12.04.2012 18:15

Testamentsaffäre: Willis gefälschter letzter Wille

Nach dem Auffliegen der Affäre forderte Ratz per E-Mail Geld zurück. Nach dem Auffliegen der Affäre forderte Ratz per E-Mail Geld zurück. - © VN-Grafik
Lustenau (VN) -  Das Mutschler-Testament aus der Nazi-Zeit hätte Mutter und Tante von Kornelia Ratz bevorzugt.

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Als der 89-jährige Wilhelm Mutschler 2004 im Lustenauer Altersheim starb, kam es für viele Außenstehende überraschend, dass der ledige und besachwalterte Mann ohne direkte Nachkommen ein stattliches Vermögen zu vererben hatte. Mutschler hinterließ ein umfangreiches Erbe im Wert von 560.000 Euro. Darunter befanden sich mehrere Grundstücke und eine Barschaft in Höhe von 15.200 Euro. Mutschler stammte zwar aus einer kinderreichen Familie und hatte vier Geschwister, doch die blieben wie er alle kinderlos. Direkte Nachkommen gab es also nicht, sehr wohl aber eine beachtliche Zahl an Gesetzeserben, nämlich 24 an der Zahl.

Die Sachwalter

Diese hätten vom Nachlass des Willi Mutschler profitieren sollen. Bis im Februar 2005 am Bezirksgericht Dornbirn plötzlich und überraschend ein Testament auftauchte. Ein maschinengeschriebenes Dokument, das mit „Wilhelm Mutschler“ handschriftlich unterfertigt war und angeblich aus dem Jahr 1944 datierte - also aus der Zeit der Nazi-Diktatur. Darin sind Willi Mutschlers Schwestern Rosa und Luise als Erben eingesetzt.

Als Ersatzerbe ist Gottfried Holzer, der Großvater von Kornelia Ratz, vorgesehen. Holzers Ersatzerben sind dessen Töchter Mathilde und Marlene. Je 25 Prozent des gesamten Vermögens sollten an Anna Ida Grabher und an Marie Jureschke, die beide als Legatare im Testament auftauchten, gehen. Gottfried Holzer fungierte von 1984 bis 1993 als Sachwalter für Aloisia Rosa und Wilhelm Mutschler. Kurz darauf übernahm Mathilde Holzer die Sachwalterschaft für die beiden Geschwister, bis Wilhelm Mutschler als letzter der Familie 2004 verstarb.

Kornelia Ratz wird aktiv

Am 28. April 2005 wird Kornelia Ratz von ihrer Mutter und ihrer Tante schriftlich mit der Abhandlung der Verlassenschaft betraut. Die Erbinnen tun kund, dass die Einsetzung der Legatare nicht dem Willen des Erblassers entsprächen. Und werden massiv tätig.

Nachdem nur zwei der Erben nach Anna Ida Grabher verzichten, übt Kornelia Ratz Druck aus. Unter anderem in einem Schreiben an den damaligen Lustenauer Bürgermeister Hans-Dieter Grabher, den sie zum Verzicht auf seinen Anteil am Mutschler-Erbe auffordert. Schließlich verzichten zwei der Erben, die drei anderen bleiben passiv.

23.000 Euro

Der Erbe nach der anderen 25 Prozent-Legatarin Marie Juretschke stattet Markus H., den Bruder des hauptbeschuldigten Jürgen H., mit einer Vollmacht aus. Gegenüber Kornelia Ratz verzichtet Markus H. auf das Legat und erhält dafür von der Landesgerichtspräsidentin 23.000 Euro. Als die Testamentsfälschung schließlich auffliegt, fordert Kornelia Ratz im Dezember 2009 den Betrag von Markus H. zurück.

Auftraggeberin?

Immer wieder behauptet der Hauptbeschuldigte Jürgen H., dass die Landesgerichtsvizepräsidentin als Auftraggeberin des gefälschten Mutschler-Testaments agierte, was diese freilich in Abrede stellt. Fakt ist: Als zwei der 24 Gesetzeserben stehen der Mutter und der Tante von Ratz „nur“ je 7800 Euro des Mutschler-Erbes zu. (VN-HK)



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