Britische Premierministerin Theresa May zeigt erstmals Nerven

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So hat sich das May nicht vorgestellt
So hat sich das May nicht vorgestellt - © APA (AFP)
Auf den letzten Metern vor der britischen Parlamentswahl zeigte Theresa May doch noch Nerven. Nachdem der riesige Vorsprung ihrer Konservativen auf die Labour-Partei drastisch geschmolzen war, griff die Premierministerin am Freitag zu Kraftausdrücken: Sie habe die “Eier” in der Hose gehabt, eine vorgezogene Parlamentswahl anzusetzen, schmetterte die 60-Jährige den Vorwurf des Wortbruchs ab.

Die ehemalige, eher als kühl geltende Innenministerin hätte noch bis 2020 regieren können, nachdem sie Mitte Juli 2016 nach David Camerons Rücktritt in die berühmte Downing Street Number 10 eingezogen war. Obwohl sie Neuwahlen zunächst explizit ausgeschlossen hatte, veranlassten offenbar die zunächst hervorragenden Umfrageergebnisse die Konservative dazu, sich ein starkes Mandat für die Mitte Juni formell beginnenden Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens zu holen.

London Attacks: Theresa May ‘Enough is enough’ – BBC News

Prime Minister Theresa May has said it is time to say “enough is enough” when it comes to tackling terrorism. “We cannot and must not pretend that things can continue as they are,” she said. She said the general election will go ahead as planned on Thursday.

Vorsprung der Konservativen schmilzt

Dies könnte sich nun als Fehlentscheidung erweisen. Der Vorsprung der Konservativen vor der oppositionellen Labour-Partei, kürzlich noch bei 20 Prozentpunkten, ist in manchen Umfragen auf drei geschrumpft. May, die bisher mit einer – wenn auch knappen – absoluten Mehrheit regieren konnte, dürfte sich nun allmählich Sorgen machen.

Ob der jüngste Anschlag in London der Premierministerin eher hilft oder schadet, war am Wochenende noch ungewiss. Nach dem Anschlag von Manchester mit 22 Toten vor zwei Wochen musste sie sich mehrfach dafür rechtfertigen, dass sie als Innenministerin seit 2010 für drastische Stellenstreichungen bei der Polizei verantwortlich war. Ihre Antwort, sie habe dafür sorgen müssen, dass Großbritannien “nicht über seine Verhältnisse lebt”, sorgte bei vielen für Empörung.

May setzt im Wahlkampf auf Regierungserfahrung

Bevor der Wahlkampf nun wegen des Anschlags auf der London Bridge erneut unterbrochen wurde, setzte May auf ihre Regierungserfahrung. Sie sei die Einzige, die den Brexit erfolgreich verhandeln könne, wiederholte sie gebetsmühlenartig. Dabei war sie genauso wie ihr 68-jähriger Kontrahent Jeremy Corbyn von der Labour-Partei vor dem Brexit-Referendum noch eine Gegnerin des Austritts aus der Europäischen Union.

Aus der aufgeheizten Kampagne vor dem Referendum hatte sich May aber weitgehend herausgehalten. Nach dem knappen Sieg der Befürworter eines Austritts versprach die als kompetent und zielstrebig geltende Politikerin, das Ergebnis des Volksentscheids umzusetzen und den Brexit zu einem “Erfolg” für Großbritannien zu machen.

May startete politische Karriere als Gemeinderätin

Geboren wurde May am 1. Oktober 1956 in einer Pfarrersfamilie in Eastbourne, einer Stadt an Englands Südküste. Dort verbrachte sie auch ihre Kindheit. Anders als viele andere Spitzenpolitiker der Tories besuchte sie eher unbekannte öffentliche und private Schulen. Nach einem Geografie-Studium an der Elite-Universität Oxford arbeitete sie kurz bei der Bank of England.

Ihre politische Karriere startete May 1986 als Gemeinderätin im vornehmen Londoner Stadtbezirk Merton. Nach zwei gescheiterten Anläufen zog sie 1997 als Abgeordnete ins britische Unterhaus ein – für den wohlhabenden Wahlbezirk Maidenhead im südenglischen Berkshire.

Von 2002 bis 2003 war May die erste Generalsekretärin der Konservativen Partei. Legendär wurde ihr Ausspruch auf einem Parteitag, dass die Tories das Image der “fiesen Partei” loswerden müssten. Doch das scheint schwerer als gedacht: Die Konservativen machen ihrem Ruf als Partei der sozialen Kälte gerade wieder alle Ehre, weil sie ältere Menschen maßgeblich an den Kosten für ihre Pflege beteiligen wollen.

Vergleiche mit “Eiserner Lady” Margaret Thatcher

Nicht nur ihr nüchterner Politikstil, sondern auch modische Akzente brachten May Vergleiche mit der “Eisernen Lady” Margaret Thatcher ein, der lange Jahre einzigen britischen Premierministerin. Was bei Thatcher die diversen Handtaschen waren, sind bei May die extravaganten Schuhe – unter anderem Stöckelschuhe in Leopardenmuster.

Neben Schuhen sammelt die Ministerin, die seit 1980 mit dem Banker Philip May verheiratet ist, auch Kochbücher: Mittlerweile besitze sie mehr als hundert davon, verriet May in einem Fernsehinterview. Ob sie demnächst wieder mehr Zeit haben wird, ihren Mann zu bekochen, entscheiden die Wähler am Donnerstag.

(APA/ag.)

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