Thomas Geierspichler streicht Paralympicssegeln

Akt.:
1Kommentar
Thomas Geierspichler muss die Paralympics in Rio abbrechen.
Thomas Geierspichler muss die Paralympics in Rio abbrechen. - © SALZBURG24/Andonov
Die fünften paralympischen Spiele stehen für Thomas Geierspichler unter keinem guten Stern. Der mehrfache Welt- und Europameister im Rennrollstuhlfahren muss die Spiele vorzeitig beenden. Nach einem viralen Harninfekt, den die ÖPC-Ärztin diagnostizierte, laboriert er seit Dienstag auch noch an 39,2 Grad Fieber und muss vorzeitig seine Zelte abbrechen.

Viel hatte sich der Anifer vor seinen letzten Spielen vorgenommen: “Ich kann in Rio als Erster über die Ziellinie fahren”, erklärte Geierspichler gegenüber SALZBURG24.

Enntäuschender letzter Auftritt auf der internationalen Sportbühne

Das Abenteuer Rio ist für den Rennrollstuhlfahrer somit vorbei. “Das 1.500er Rennen darf ich nicht mehr bestreiten. Gestern waren zwei Ärzte – Dr. Michaela Mödlin und Dr. Alexander Keck – bei mir. Nachdem ich über 39 Grad Fieber hatte, bekam ich ein Startverbot. Es sollen keine Langzeitschäden an Herz und Herz-Kreislaufsystem riskiert werden“, erklärte Geierspichler, der neben dem viralen Infekt auch noch von einem leichten Harninfekt gebeutelt ist: “Ich war vom 400er Rennen so kaputt, hatte keinen Appetit, keine Lust auf Papayas, ich war richtig schlapp. Ich dachte, es liegt an der großen Hitze. Am Dienstag nach dem Frühstück habe ich mich noch für das Training tapen lassen, aber dann fing es schon im Intimbereich an zu brennen. Und dann  kam noch das Fieber hinzu”, erläuterte der geknickter Leichtathlet.

“Ausgerechnet vor meiner Lieblingsdisziplin”

Bis 20. September kuriert sich Geierspichler in Rio aus, ehe er danach die Rückreise nach Österreich aufnimmt. “Im Nachhinein gesehen kann es sein, dass sich die Viren schon früher eingeschlichen haben. Vor dem Abflug nach Rio habe ich in Rif meinen zweitbesten Leistungstest der Karriere hingelegt. Bei den ersten beiden Rennen in Rio merkte ich, dass Sand im Getriebe ist. Ich spürte, dass die Bahn hier nicht die schnellste ist, aber ich konnte trotzdem nicht meine normalen Rennen abspulen. Und jetzt ausgerechnet sowas vor dem 1.500-Meter Rennen. Das wäre meine Disziplin gewesen. Für mich selbst ist das am bittersten.“

Geierspichler übt Kritik an Paralympics

Ein Dorn im Auge sei ihm allerdings auch die Zusammenlegung von Behinderungsklassen – etwa in seiner Sportart. “Ich habe alles aus mir rausgeholt. Aber wenn alle, die sich in meiner T52-Kategorie (Querschnittlähmung/Tetraplegie) für das 400er-Finale qualifiziert haben, keine Tetraplegiker sind, dann mache ich mir schon ernsthafte Gedanken und Sorgen über meinen Sport”, sagte Geierspichler. Über 1.500 m sei die Situation noch drastischer. “Dort werden wir T52er mit der Kategorie T51 zusammengelegt. Da ist so eine extreme Bandbreite an Chancenungleichheit, dass man weinen könnte”, machte Geierspichler seinem Ärger Luft. Das sei so, “als ob die Behinderungsklasse von Kira Grünberg plötzlich gegen mich fährt”. Am schlimmsten sei es aber im Rugby. “Es gibt zum Beispiel auch Tetrarugby – nur spielen dort sehr viele Amputierte. Obwohl diese Kategorie extra für Tetrasportler kreiert wurde.” Geierspichler fordert ein Umdenken. “Ich finde, der Sport sollte sich wieder mehr in die soziale Richtung bewegen. Behindertensportler brauchen Ziele und Visionen, nicht genormte Medaillen”, sagte er.

(SALZBURG24/APA)

Leserreporter
Feedback


1Kommentar

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel