7. August 2012 16:34; Akt.: 7.08.2012 16:34

Tochter von Vater in Wien-Donaustadt jahrelang terrorisiert: Mutter nun auch verurteilt

Die Tochter erlitt zehn Jahre lang Misshandlungen durch den Vater - die Mutter sah weg Die Tochter erlitt zehn Jahre lang Misshandlungen durch den Vater - die Mutter sah weg - © APA
Zu 14 Monaten bedingt wurde am Dienstagnachmittag in Wien eine ausgebildete Kindergärtnerin verurteilt, die jahrelang zugesehen hatte, wie ihr Mann die gemeinsame Tochter massiv quälte und terrorisierte. Der Vater, ein Pfarrgemeinderat, war bereits im April deshalb vor Gericht gestanden.

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Wegen Vernachlässigung der Obsorge (§ 92 Strafgesetzbuch) wurde die Mutter der von ihrem Vater misshandelten Tochter im  Wiener Straflandesgericht zu 14 Monaten bedingter Haft verurteilt. Sie hatte zehn Jahre lang weggesehen, in denen ihr Ehemann – ein 56-jähriger Pfarrgemeinderat aus Wien-Donaustadt – die gemeinsame Tochter regelmäßig schlug, demütigte und terrorisierte.

Mutter suchte das Weite, anstatt zu helfen

Der Mann wurde bereits im vergangenen April zu 20 Monaten unbedingt verurteilt. Dieses Urteil ist ebenso wenig rechtskräftig wie das nunmehrige gegen seine Ehefrau. Die 58-Jährige – eine ausgebildete Kindergärtnerin – soll das Haus verlassen haben, in den Keller gegangen sein oder sich Kopfhörer aufgesetzt haben, um das Weinen der Kleinen nicht zu hören, wenn ihr Mann auf das Kind losging.

Nach Angaben der im Februar 1993 Geborenen bekam sie häusliche Gewalt zum ersten Mal im Alter von sieben Jahren mit, als der Mutter ein Messer mit der Spitze nach unten auf den Parkettboden fiel. Der Vater soll seine Frau daraufhin an der Gurgel gepackt und gewürgt haben, bis sie rot wurde und keine Luft mehr bekam.

Vater wurde gegen Tochter handgreiflich

Alsbald sollen sich die Aggressionen des Technikers primär gegen seine Tochter gerichtet haben. Wenn sie kein “Sehr Gut” von der Schule heimbrachte, setzte es laut Anklage Strafaktionen. Fußtritte, verbale Demütigungen und bis zu dreiviertelstündiges Knien standen auf der Tagesordnung.

“Sie hätten einschreiten müssen”, meinte nun Richterin Gerda Krausam zur Mutter, die – offenbar aus Angst vor ihrem Mann – ihrer Tochter nicht zur Seite stand. Das Mädchen hatte mehrfach versucht, sich dem Elternhaus zu entziehen. Sie übernachtete bei Freundinnen, mit 15 begab sie sich freiwillig für sechs Wochen ins Kriseninterventionszentrum.

Mädchen kam vorübergehend zu den Großeltern

Als sich das Jugendamt und Sozialarbeiter einschalteten, kam das Mädchen für die Dauer von vier Monaten bei den Großeltern unter. Nach Ansicht der Behörden war danach die Situation zu Hause “bereinigt”, so dass die Tochter wieder zu den Eltern zurückgeschickt wurde.

Der Vater setzte nach Darstellung der Tochter dort sein unerträgliches, von Gewalt geprägtes Verhalten ungerührt fort. Mit 17 zog sie endgültig aus. Seit Februar 2010 will sie explizit keinen Kontakt mehr zu den Eltern, was sie mit Einstweiligen Verfügungen erzwingen muss. Ihr Vater soll ihr nachstellen und den Studienort der mittlerweile 19-Jährigen herausbekommen haben, so dass inzwischen auch Anzeigen wegen Stalkings anhängig sind.

(apa/red)



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