Todestag von Hayek: Vordenker der Neoliberalen mit Salzburger Gastspiel

Diesem Mann haben wir den Neoliberalismus zu verdanken.
Diesem Mann haben wir den Neoliberalismus zu verdanken. - © APA/AFP/Archiv
Vor 25 Jahren, am 23. März 1992, ist der bisher einzige österreichische Wirtschafts-Nobelpreisträger, Friedrich August von Hayek, verstorben. Hayek gilt als einer der bedeutendsten Wirtschafts- und Sozialwissenschafter des 20. Jahrhunderts. Auch an der Uni Salzburg hat er unterrichtet, bis er frustriert das Handtuch schmiss. Neben Ludwig von Mises war Hayek einer der wichtigsten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.


Hayek war als glühender Verfechter der freien Markwirtschaft bekannt. Obwohl er selber diesen Begriff nicht verwendete, gilt er als Vordenker der “Neoliberalen”. Seine Theorien und Bücher haben seit den 1980er-Jahren die Wirtschaftspolitik des US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan und der britischen Premierministerin Margaret Thatcher maßgeblich beeinflusst. In Österreich wurde der aus Wien stammende Forscher von der im Februar 2000 angetretenen schwarz-blauen Regierungskoalition neu entdeckt. In der wissenschaftlichen Diskussion hat er als Gegenspieler von John Maynard Keynes weiter seinen Platz. Auch heute noch werden die Theorien von Hayek und Mises vor allem in den USA heftig diskutiert. Eine Vordenkerrolle nimmt dabei der Thinktank “Cato Institute” in Washington DC ein.

Hayek wird einziger österreichischer Wirtschafts-Nobelpreisträger

1974 erhielt Hayek für seine “bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und ihren tiefgründigen Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen” gemeinsam mit dem Schweden Gunnar Myrdal den von der Schwedischen Reichsbank in Erinnerung an Alfred Nobel gestifteten Preis für Wirtschaftswissenschaften.

Der Adels-Sohn und “Österreichischen Schule der Nationalökonomie”

Hayek wurde am 8. Mai 1899 als Sohn einer Industriellenfamilie in Wien geboren, die sich ihren Adelstitel durch Verdienste um die Industrialisierung Österreichs erworben hatte. Nach seinem Studium an der Universität Wien wurde er 1921 zum Doktor des Rechts und 1925 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Sein wichtigster Lehrer und späterer Freund war der Nationalökonom Ludwig von Mises, der die Tradition der “Österreichischen Schule der Nationalökonomie” nach Carl Menger, Eugen Böhm-Bawerk und Friedrich Wieser vertrat.

Nach einem zweijährigen Aufenthalt in den USA leitete Hayek von 1927 bis 1931 das Österreichische Institut für Konjunkturforschung, das heutige Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo), und habilitierte 1929 als Privatdozent für Nationalökonomie und Statistik an der Universität Wien. Erst 32 Jahre war Hayek alt, als er 1931 als Professor an die hoch angesehene “London School of Economics” ging, wo er während der 1930er und 1940er Jahre als bedeutendster Vertreter der Österreichischen Schule und Opponent von John Maynard Keynes galt. Bereits 1938 erwarb Hayek die britische Staatsbürgerschaft.

Hayek erklärt noch heute, wie Konjunktur funktioniert

Der wissenschaftliche Ruf, den Hayek schon in jungen Jahren genoss, gründete sich auf zwei seiner Werke: “Geldtheorie und Konjunkturtheorie” (Wien 1929) und “Prices and Production” (London 1931). Es waren Arbeiten, die vor allem für die Entwicklung der Konjunkturtheorie und der Kapitaltheorie von grundlegender Bedeutung waren.

Auf dem Gedankengut der österreichischen Schule der Nationalökonomie aufbauend, entwickelte Hayek eine Variante der monetären Konjunkturtheorie, die von der einseitig monetären Erklärung der Konjunkturschwankungen, wie sie damals in England gepflegt wurde, abrückte und unter den Konjunkturursachen auch realen güterwirtschaftlichen Faktoren Platz einräumte. Hayek hat damit den Weg zur Lehre zur so genannten synthetischen, polykausalen Schichtenlehre der Konjunkturursachen freigemacht, die heute als einzige Konjunkturerklärung vorherrscht. In den 1930er Jahren war seine Konjunkturtheorie Gegenstand heftiger Diskussionen.

Nach Lehre in Salzburg “enttäuscht von Österreich”

Von 1950 bis 1962 lehrte Hayek an der Universität Chicago, ab 1962 an der Universität Freiburg/Breisgau, wo er 1968 emeritierte. Neben zahlreichen anderen Gastprofessuren wurde Hayek 1970 als Gastprofessor an die Universität Salzburg berufen. “Enttäuscht von Österreich” und klagend über den “wiederholt erlebten Forschungsbürokratismus, Belästigungen und fehlende Unterstützung”, kehrte er 1977 Salzburg den Rücken, um sich wieder in Freiburg niederzulassen. Dort verstarb er am 23. März 1992.

Hayek stellt in seinen mehr als 50 Büchern den Markt als komplexes soziales Phänomen dar und wies auf die Verstreutheit des Wissens in der Welt hin. Er war überzeugt, dass spontane Ordnungen individuelle Freiheit ermöglichten und warnte in seinem 1944 erschienen Werk “The Road to Serfdom” – der Weg zur Knechtschaft – vor den Gefahren wirtschaftlicher und sozialer Planung, die nach seiner Meinung unausweichlich in den Totalitarismus führten.

Neben seinen Beiträgen zur traditionellen Geld-, Preis-, Konjunktur- oder Wettbewerbstheorie befasste sich Hayek unter anderem mit wissenschaftshistorischen, erkenntnistheoretischen, rechtssoziologischen und sozialwissenschaftlichen Fragen, nahm aber auch Stellung zu biologischen und physiologischen Problemen.

(APA)

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