11. August 2010 10:17; Akt.: 11.08.2010 10:17

Toilettenrennen soll Darmerkrankungen aus Tabuzone holen

Der Schauspieler und Kabarettist Fritz Egger und Trainer von Red Bull Salzburg, Huub Stevens beim Charity-Toilettenrennen. Der Schauspieler und Kabarettist Fritz Egger und Trainer von Red Bull Salzburg, Huub Stevens beim Charity-Toilettenrennen. - © APA/Barbara Gindl
Salzburg – Stadt – Mit einem Charity-Toilettenrennen versuchten Mediziner und Betroffene am Mittwoch in Salzburg ein Tabu zu brechen: Sie rückten Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

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Prominente wie Snowboard-Ass Doresia Krings, Jedermann-Mammon Sascha Oskar Weis oder Robert Gambill, der den Ägisth in “Elektra” singt, zeigten auf zu Mini-Rennwagen umgebauten Klos ihr sportliches Geschick.

Toilettenrennen auf dem Mozartplatz

Mit Renn-Toiletten absolivierten der Salzburger Schauspieler und Kabarettist Fritz Egger und der Ö3-Chart-Stürmer James Cottriall den Parcours auf dem Mozartplatz und setzten sich für das Anliegen der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) und der Österreichischen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV) ein. Als Schnellste kam schließlich Doresia Krings ins Ziel.

Darmerkrankungen sind noch immer Tabu-Thema

“Es scheint so, als wären die Themen des Stuhlgangs und der Bauchbeschwerden heute noch die letzten großen Tabus in Österreich”, sagte Univ.-Prof. Walter Reinisch, Facharzt für Innere Medizin an der Medizinischen Universität Wien, bei einem Pressegespräch vor dem Rennen. Dabei sind die Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa gar nicht so selten. In Österreich sind rund 80.000 Menschen betroffen, Tendenz steigend.

Die Zahl der Betroffenen steigt an

Laut eines Gesundheitsberichts der Stadt Wien sind in den vergangenen 15 Jahren die Krankenhausaufenthalte aufgrund dieser Darmerkrankungen um 270 Prozent gestiegen, berichtete Reinisch. Die Krankheit tritt immer häufiger bei Kindern und Jugendlichen auf. Man wisse noch viel zu wenig darüber, wie Ernährungsgewohnheiten oder Antibiotikaeinnahmen den Ausbruch dieser unter anderem auch genetisch bedingten Erkrankung beeinflussen, sagte der Mediziner.

Krankheit ist noch nicht heilbar
Ständige Durchfälle, Bauchkrämpfe, Gewichtsabnahme, Darmblutungen und Darmverschlüsse sind nur einige Symptome. Die Betroffenen müssen ständig mit Durchfall auf die Toilette und getrauen sich oft gar nicht mehr, das Haus zu verlassen. Depressive Verstimmungen und eine Abnahme der sozialen Kontakte gehen meist mit der Erkrankung einher, berichtete Reinisch. Der Weg von den ersten Symptomen bis zu einer eindeutigen Diagnose ist lang: Im Durchschnitt dauert es drei Jahre, bis der Patient weiß, woran er eigentlich leidet. Die Erkrankung ist derzeit nicht heilbar, kann aber durch eine frühzeitige Diagnose und den rechtzeitigen Einsatz von Medikamenten in ihrem Verlauf verzögert werden.

Die Betroffenen planen den Weg nach der Verfügbarkeit der Toiletten
“Es hat vier Jahre gedauert, bis meine Frau gewusst hat, was sie hat”, berichtete der Trainer von Red Bull Salzburg, Huub Stevens, dessen Frau und dessen Tochter Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen haben. “Wenn ich mit meiner Frau in ein Lokal gehe, guckt sie immer zuerst, wo die Toilette ist”, erzählte Stevens. Auch gehe sie nie außer Haus, ohne Klopapier eingesteckt zu haben. “Es gibt Menschen, die planen jeden Weg nach der Verfügbarkeit von Toiletten”, schilderte Thomas Haas vom Interdisziplinären Zentrum für Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen in Salzburg ein Problem vieler Betroffener.

Das Bewusstsein für die Krankheit soll gestärkt werden

Die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) und die Österreichische Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV) wollen das Bewusstsein für die Krankheit stärken, die Mediziner besser vernetzen sowie die Forschung in diesem Bereich fördern. Außerdem will die Initiative “Crohn Friendly Places” aufspüren. Es sind dies Organisationen und Gaststätten, die ohne Kaufzwang und sonstige Hindernisse Betroffenen die Möglichkeit geben, eine Toilette zu benutzen. Über die Toilettenfinder-Applikation im Internet unter http://www.crohnhilfe.at sowie Sticker sollen diese “Crohn Friendly Places” auffindbar werden.


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