Toter in Badewanne: Anklage eingebracht

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Im Fall eines 30-jährigen Serben, der am 10. Juli 2016 tot in der Badewanne in seiner Wohnung in der Stadt Salzburg aufgefunden worden war, hat die Staatsanwaltschaft Salzburg jetzt Anklage gegen zwei 19-Jährige erhoben. Einer der beiden Syrer wird wegen Mordes und Raubes beschuldigt, der zweite wegen schweren Raubes. Einen Prozesstermin gibt es noch nicht.

Die beiden Burschen sind rund zwei Wochen nach der Tat festgenommen worden. Sie gaben an, dass sie ihren Bekannten nur ausrauben wollten. Der Erstangeklagte, der den Mann erwürgt haben soll, zeigte sich im Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen grundsätzlich geständig. Er habe aber nicht gewusst, dass durch längeres, festes Würgen ein Mensch getötet werden könne, lautete die Rechtfertigung des Asylwerbers. Sein Komplize, ein anerkannter Flüchtling, gestand den Raub ein, bestritt aber, den 30-Jährigen geschlagen oder gewürgt zu haben.

Opfer mit Klebeband gefesselt

Laut Anklage haben die beiden jungen Erwachsenen ihr Opfer geschlagen, gewürgt und an Händen und Füßen mit einem Klebeband gefesselt, wie der Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Robert Holzleitner, der APA am Freitag auf Anfrage erklärte. Die Burschen hätten den Serben gezwungen, ihnen den Code seiner Bankomatkarte zu nennen. Während der Zweitangeklagte versucht habe, mit der Karte Geld zu beheben, habe der Erstangeklagte den 30-Jährigen weiter misshandelt und so lange gewürgt, bis eine Kompression der Halsstruktur und eine massive Verletzung des Kehlkopfes eingetreten sei, sodass der Mann verstorben ist, schilderte der Staatsanwalt.

Täter wollten in Elisabethstraße Spuren verwischen

Polizeilichen Ermittlungen zufolgen ließen die Täter anschließend in der Badewanne Wasser ein, gaben Waschpulver und Shampoo dazu, um Spuren zu verwischen. Dass die Leiche später in der Wanne ohne Wasser entdeckt wurde, liegt an einem undichten Stöpsel: Das Wasser floss langsam von allein ab. Danach plünderten die Täter noch die Wohnung ihres Opfers und nahmen sämtliche Gegenstände mit, davon mindestens 45 Kleidungsstücke, aber auch ein Handy und eine Geldtasche.

Bei Einreise nach Deutschland gestoppt

Nachbarn beobachteten die Burschen beim Verlassen des Hauses. Einer der beiden wurde als auffälliger “Wuschelkopf” beschrieben. Kriminalisten fanden am Tatort dann auch noch eine Asylkarte, auf dessen Foto ein “Wuschelkopf” abgebildet ist. Sie gehörte einem der beiden Verdächtigen. Dieser wurde drei Tage nach der Tat von der bayerischen Polizei bei der Einreise nach Deutschland in Freilassing gestoppt. Er trug Kleidung des getöteten Serben. Außerdem hatte er eine E-Card und eine Bankomatkarte bei sich, wobei die Bankkarte auf den Namen eines anderen 19-jährigen Syrers ausgestellt war. Die Spur zum zweiten Verdächtigen war gefunden. Auch bei der Festnahme trug das Duo Kleidung des Getöteten.

30-Jähriger lernt Täter am Bahnhof kennen

Die Beschuldigten dürften ihr späteres Opfer am Salzburger Hauptbahnhof kennengelernt haben. Dort hatte der 30-Jährige die Toiletten betreut. Dabei hatte er laut den Ermittlern immer wieder Männer kennengelernt, die er dann zu sich nach Hause mitgenommen habe. Der Serbe soll das Duo selbst in die Wohnung gelassen haben. Die Ermittler fanden keine Einbruchsspuren, obwohl die Wohnung stark durchwühlt war.

Anklage gegen Syrer eingebracht

Die Anklage gegen die beiden Syrer wurde am 14. November beim Landesgericht Salzburg eingebracht, ist aber noch nicht rechtswirksam. Sie wurde den Verteidigern bereits zugestellt. Die Einspruchsfrist beträgt 14 Tage.

(APA)

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