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Tron Evolution: Systemabsturz

Tron Evolution: Leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Tron Evolution: Leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben. - © Waibel
Es gibt Machwerke, die möchte man den Verantwortlichen um die Ohren dreschen, bis sie wimmern: Ich werde nie wieder ein so unfertiges Spiel auf den Markt werfen. Aber Disney wird schon wissen, warum sie bereits vor Release von Tron Evolution das Entwicklerstudio dicht machten.

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Wie habe ich diesem Titel entgegengefiebert. Aber man soll sich halt nicht groß auf Sachen freuen, das geht zumeist in die Hose. Ich gebe zu, ich bin Tron-Fan der ersten Stunde, habe den Tron-Kinofilm anno dazumal im Kino gesehen und auch die bisherigen Software-Verwurstungen des Themas genossen. Aber wie auch beim aktuellen Kinofilm scheinen heutzutage nur noch Grafikblender ohne große Innovation Hopp Hopp auf den Markt geworfen zu werden. Schein ist wichtiger denn Sein, vielleicht auch ein Fluch unserer schnelllebigen Zeit. Aber während der Kinofilm wenigstens das, was er macht, gut macht, säuft Tron Evolution auf dem PC und den Spielekonsolen total ab. Was hätte man mit aktueller Technik aus diesem Thema machen können.

Evolution siedelt sich von der Story her zwischen dem ersten und dem zweiten Kinofilm an. 30 Jahre sind ins Land gezogen, seit Flynn sich gegen das MCP erfolgreich zur Wehr gesetzt hat und im aktuellen Streifen gegen das krankhaft perfektionistische Systemadministratorenprogramm Clu steht, das die Macht in der virtuellen Welt an sich reißen will. Diese Grundidee und auch die erzählerische Umsetzung auf hohem technischem Niveau macht Tron Evolution auch sehr gut. Aber kommen wir zum eigentlichen Spiel.

In Tron Evolution kämpft der Spieler in einer typischen Rüstung im Tron-Style in Gestalt eines Wächters über den Raster. Doch es gilt nicht nur den Raster zu verteidigen. In der Neonwelt von Tron bevölkern ISOs, menschenähnliche Wesen aus Bits und Bytes, die Leiterbahnen des Systems. In den Augen von Clu bringt dieses Volk aber nur Chaos in die geliebte Ordnung, und so trachtet er nach deren Ausrottung. Dabei macht Clu nur, was Flynn ihm dereinst aufgetragen hatte - nämlich ein perfektes System aufzubauen und zu verwalten. Alles außerhalb dieser Norm sollte bekämpft werden, ausgerottet werden. So hetzt Clu seine Sicherheitskräfte auf den Spieler, der sich auf die Seite von Flynn und den ISOs schlägt. Zudem droht die Infektion des Systems mit einem Virus.  

Damit wäre ein grober, nicht uninteressanter Rahmen geschaffen, den es mit Spielmechanik auszufüllen galt. Was hätte man aus diesem spannenden Storyansatz schaffen können - bis hin zu einem Rollenspiel. Im Endeffekt ist Tron Evolution jedoch nur ein schwacher Prince of Persia-Abklatsch, der an Bedienungsproblemen krankt, und zwar massiv. Die Spielweise ist sehr repetetiv: Kaum lockern Fahrzeugabschnitte die immer wiederkehrenden gleichen Kampfarenen, die es zu clearen gilt, bevor es weitergeht, auf. Dazwischen nerven unfaire und unpräzise Jump- and Run-Einlagen, einzig die häufig gesetzten Speicherpunkte verhindern, dass das Gamepad oder die Tastatur früher oder später aus dem Fenster fliegt.

Rollenspiel-Ansätze zeigen sich in den Erfahrungspunkten, die man in Upgrades des Wächterprogramms, das der Spieler verkörpert, investieren kann. Kommen wir zu den Fahrzeug-Abschnitten im Spiel. Natürlich dürfen nämlich Light-Bike Races nicht fehlen, auch an das Steuer von Cyberpanzern darf man sich setzen. Beides wirkt aber sehr bemüht. Auch hier gilt: Potential verschenkt, die Steuerung der Boliden ist anspruchslos, die KI der Gegner praktisch nicht vorhanden. Zudem sind diese Abschnitte meist zu schnell vorüber, zu rasch findet man sich wieder in der Tretmühle aus öde wiederkehrenden Arenen, die es zu clearen gilt, um neue Arenen zu betreten, die es zu clearen gilt. Gewürzt mit frustigen Geschicklichkeitspassagen.

Technisch ist das Game gut gemacht, und glänzt mit dem Tron-Look auf der Höhe der Zeit. Dem einen oder anderen mag die schwarz-blaue Neon Optik mit der Zeit auf den Zeiger gehen, die nur selten durch die gelben virenverseuchten Areale oder die orangen Farben der Sicherheitskräfte aufgelockert wird. Aber die Optik weiß zu gefallen und ist eines der Highlights des Spiels.

Wer sich durch den frustig öden Soloplayermodus gekämpft hat, kann sich über einen durchaus gelungenen Mehspielermodus freuen. Doch auch hier währt die Freude nicht ungetrübt lange: Denn hier hapert es am Balancing. Es kann nämlich durchaus passieren, dass man im Multiplayer auf im Level höhere Spielercharaktere trifft, die einen gnadenlos und ohne jede Chance auf Gegenwehr wegmetzeln. Alternativ liefert man sich mit bis zu 9 menschlichen Opponenten auf dem Raster Adrenalin-treibende Rennen mit den Lightbikes. Leider bieten die vorhandenen vier Karten nicht viel Abwechslung.

Fazit:

Ein Verbrechen, was hier verbockt wurde. Nicht nur, dass wieder einmal eine Filmlizenz voll gegen die Wand gefahren wurde, das Spiel bleibt auch maßlos hinter seinen Möglichkeiten zurück. Was hätte man aus dem coolen Cybersetting, aus der interessanten Geschichte, aus den aus dem Film entliehenen Charakteren für ein spannendes Game machen können - vor allem mit der heute zur Verfügung stehenden Technik. So präsentiert sich Tron Evolution aber leider nur als halbgar zusammengeschusterter Mix aus öden allwiederkehrenden Metzelorgien, frustigen Geschicklichkeitspassagen und dank praktisch nicht vorhandener Gegner-KI anspruchslosen Fahrzeugabschnitten. Einzig der Tron-Faktor bewahrt diesen Titel vor dem Total-Absturz. Pikantes Detail am Rande: Einen Tag vor dem Start des Titels in Europa gab Disney Interactive die Schließung des Entwicklerstudio Propaganda Games bekannt. Ob da die interne Qualitätssicherung den Braten bereits gerochen hat?



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