Trump will zwei Frauen in sein Kabinett holen

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Trump appelliert zum Feiertag an die US-Bürger
Trump appelliert zum Feiertag an die US-Bürger - © APA (AFP)
Der künftige US-Präsident Donald Trump hat erstmals zwei Frauen für sein Kabinett benannt. Die bisherige Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, solle UNO-Botschafterin werden, gab Trump am Mittwoch bekannt. Sie habe bewiesen, dass sie Menschen unabhängig von Herkunft und Parteizugehörigkeit zusammenbringen könne, sagte der Republikaner über seine frühere Kritikerin.

Die 44-jährige Tochter indischer Einwanderer nahm das Angebot an. Zudem will Trump die Milliardärin Betsy DeVos für den Posten der Bildungsministerin gewinnen. Die frühere Chefin der Republikaner in Michigan hat sich lange für mehr private und privat initiierte Schulen ausgesprochen.

DeVos solle einen Kurswechsel in der Bildungspolitik einleiten und verkrustete Strukturen im Bildungssektor aufbrechen, erklärte Trump. “Sie wird die Bürokratie brechen, die unsere Kinder zurückhält”, kündigte er an. Ziel sei es, eine “Bildung auf Weltniveau” anzubieten und den Eltern mehr Spielraum bei der Wahl der Schule für ihre Kinder zu geben.

Die 58-jährige DeVos stammt aus einer reichen Unternehmerfamilie und engagiert sich seit langem für eine konservative Bildungsreform. Unter anderem will sie erreichen, Eltern etwa durch Steuererleichterungen einen Anreiz zu geben, Kinder von wenig effizienten staatlichen Schulen auf privat geleitete Einrichtungen umzumelden. Der gegenwärtige Stand des US-Bildungssystems sei “inakzeptabel”, erklärte DeVos nach der Nominierung durch Trump. Nötig sei eine “Transformation” des Bildungssektors, damit jedes Kind “das höchste Potenzial ausschöpfen” könne.

Die Lehrergewerkschaft NEA reagierte mit Empörung auf die Nominierung. DeVos habe es sich zum Ziel gemacht, das staatliche Schulsystem “zu privatisieren, zu entprofessionalisieren und zu unterminieren”, kritisierte die NEA-Vorsitzende Lily Eskelsen Garcia.

Trump hatte im Wahlkampf mit abfälligen Äußerungen über Frauen und Einwanderer auch in der eigenen Partei für scharfe Kritik gesorgt. Bisher hatte der 70-Jährige eine reine Männerriege für sein Kabinett ausgewählt.

Haley hatte ihm vorgeworfen, sich nicht deutlich genug von Rechtsextremisten zu distanzieren. Dass Trump sie nun einbindet, wird als Anzeichen dafür gewertet, dass er nach dem erbittert geführten Wahlkampf auf seine Kritiker zugehen will. Haley bringt für den wichtigen UNO-Posten kaum außenpolitische Erfahrung mit. Die USA sind im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Vetomacht und zahlen so viel ins UNO-Budget ein wie kein anderes Land.

Der frühere Neurochirurg Ben Carson ist unterdessen als Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung im Gespräch. Entschieden sei aber noch nichts, sagte sein Sprecher und nahm damit frühere Angaben zurück, wonach es bereits ein Angebot Trumps gibt. Der 65-jährige Schwarze hatte sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben, die Trump schließlich gewann.

Trump will die Bildung seines Führungsteams in den kommenden Tagen in seinem Golf-Club in Palm Beach in Florida fortsetzen. David Petraeus, Kommandant im Irak- und Afghanistan-Krieg, brachte sich in einem Gespräch mit der BBC für eine Führungsposition ins Gespräch, indem er sagte: “Wenn man gefragt wird, muss man den Dienst antreten.” Weiter ist Trumps Vorwahl-Rivale Mitt Romney als Außenminister im Gespräch.

In außenpolitischen Fragen übt Trump seit Wochen Zurückhaltung. Er verzichtet offenbar auch weitgehend auf die dichte Abfolge geheimdienstlicher Briefings, die ihm seit seiner Wahl zustehen. Nur zwei derartige Unterrichtungen über den Stand geheimdienstlicher Erkenntnisse habe Trump bisher wahrgenommen, berichtete die “Washington Post”. Trumps Übergangsteam habe darauf hingewiesen, dass der 70-Jährige vor allem mit der Zusammenstellung seines Regierungsteams beschäftigt sei.

Der von Trump ausgewählte künftige Vizepräsident Mike Pence hält sich aber dem Zeitungsbericht zufolge regelmäßig auf dem Laufenden. Pence nehme nahezu täglich an Geheimdienst-Briefings teil, schrieb die “Washington Post”.

Am Vorabend des Thanksgiving-Feiertags wandte sich Trump mit einem Aufruf zur Versöhnung an die Bürger. “Wir haben gerade einen langen und verletzenden Wahlkampf hinter uns gebracht”, sagte Trump in einer Videobotschaft. “Die Emotionen gehen hoch, und die Anspannung wird sich nicht über Nacht legen.”

Er bete nun dafür, “dass wir anfangen, unsere Gräben zu überbrücken und bestärkt durch ein gemeinsames Ziel als ein Land voranschreiten”, sagte er. “Das wird leider nicht schnell geschehen, aber wir haben nun die Chance, Geschichte zu schreiben und wirklichen Wandel nach Washington zu bringen.”

(APA/ag.)

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