Trump und die Furcht vor dem dunklen Amerika

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Die USA stehen vor schwierigen Tagen
Die USA stehen vor schwierigen Tagen - © APA (Symbolbild/AFP)
In den Tagen nach der Wahl zeigt sich in den USA offener Rassismus. Regenbogenflaggen brennen, an Wänden prangen Hakenkreuze. Und manche fürchten, dass das erst der Anfang ist. Während rechte Nationalisten in sozialen Netzwerken den Sieg von Donald Trump feierten, beließen es andere nicht mehr nur bei Worten. In den Tagen nach der Wahl häuften sich in den USA Meldungen über Hasskriminalität.

Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen berichteten von mehr Angriffen auf Muslime und Einwanderer. “Hate”, Hass, prangerten Trump-Gegner auf Plakaten an. Schwarze, Schwule und Lesben schrieben auf Twitter und Facebook von Drohungen und Übergriffen. In Philadelphia tauchten zwei Hakenkreuze an einem Geschäft auf. In Rochester in New Hampshire brannten Regenbogenflaggen. In einem Dorf im Staat New York fanden Anrainer ein Graffiti mit der Aufschrift “Macht Amerika wieder weiß”, auch dort prangte ein Hakenkreuz.

Unter all das mischt sich die Furcht, dass da noch mehr kommen könnte. “Wir sehen, dass die Rhetorik gegen Mitglieder der LGBT-Community schlimmer wird”, sagt Erica Lachowitz, eine Transfrau aus Charlotte in North Carolina. “Ich bin nervös.” LGBT steht für die englischen Begriffe Lesbian (lesbisch), Gay (schwul), Bi (bisexuell) und Trans.

Harry Reid, der scheidende demokratische Fraktionschef, beschrieb diese Furcht in Teilen der Gesellschaft mit deutlichen Worten. “Ich habe in den vergangenen 48 Stunden mehr Geschichten von Amerikanern gehört, die Angst vor ihrer eigenen Regierung und ihren Mitbürgern haben, als das in fünf Jahrzehnten in der Politik der Fall war.”

Es seien Geschichten von hispanischen Familien, die Angst hätten, auseinandergerissen zu werden. Von muslimischen Frauen, die sich nicht trauten, Kopftuch zu tragen, Schwulen und lesbischen Paaren, die auf der Straße beschimpft würden. Von Kindern, die mitten in der Nacht aufwachten, aus Sorge, ihre Eltern könnten abgeschoben werden. “Ihre Angst ist total rational, weil Trump offen darüber gesprochen hat, schlimme Dinge mit ihnen zu machen”, sagt Reid.

Die Worte des Senators stechen auch deshalb heraus, weil in den politischen Reihen derzeit viele Vertreter um Schadensbegrenzung bemüht sind. Trumps Kritiker sind leiser geworden. Es macht sich der Tenor breit, man müsse erst einmal abwarten, ob der Republikaner als Präsident das tun werde, was er als Kandidat versprochen hat. Die Führungsfiguren seiner Partei stellten sich demonstrativ hinter ihn. Der Linke Bernie Sanders bot ihm seine Zusammenarbeit an, um für die Arbeiterschaft und gegen Handelsabkommen zu kämpfen.

Aber es gibt auch Stimmen, die mahnen, man dürfe nicht vergessen, was Trump während des Wahlkampfes alles von sich gegeben habe. “Der Punkt ist, dass wir uns plötzlich mit einem Präsidenten wiederfinden, der sich in einer Kloake von Hass und Extremismus gesuhlt hat”, meint Richard Cohen, Präsident der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center. “Weiße Nationalisten, die seine Kandidatur unterstützt haben, überschlagen sich vor Begeisterung. Sie glauben, dass sie jetzt ihren Mann im Weißen Haus haben.”

Der Ex-Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke rief in den Tagen nach der Wahl bei Twitter dazu auf, die Medien zu vernichten. Andersdenkende bezeichnete er als Parasiten. Der Neonazi Andrew Anglin forderte seine Anhänger offen dazu auf, Ausländer zu beschimpfen und zu beleidigen. Der Ku-Klux-Klan will in Raleigh (North Carolina) demonstrieren, um Trumps Sieg zu feiern.

“Aber es sind nicht nur Sieg Heil brüllende Nazis oder Kreuze verbrennende Klanmänner, über welche die Amerikaner besorgt sein sollten”, meint Cohen. “Es sind auch die höflichen, Anzug tragenden Extremisten, die sich in Kreisen des politischen Mainstream bewegen und mit Trump unter einer Decke stecken.” Der Republikaner habe versprochen, ein Präsident für alle Bürger zu sein, so Cohen. “Wenn er das wirklich ernst meint, sollte er den Extremisten unmissverständlich klar machen, dass sie keine Stimme und keinen Platz haben in seiner Administration.”

(APA/dpa)

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