Türkische Behörden ließen französischen Reporter frei

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Nach zwei Tagen in Gewahrsam der türkischen Polizei ist ein französischer Journalist freigekommen. Der Reporter Olivier Bertrand sei am Sonntagabend aus der Türkei nach Paris zurückgekehrt, teilte die Chefredakteurin der Online-Zeitung “Les Jours”, Isabelle Roberts, mit. Bertrand sei wohlauf. Die Behörden hätten ihm sein Mobiltelefon und seinen Computer bei der Freilassung zurückgegeben.

Bertrand war am Freitag in der Provinz Gaziantep im Südosten der Türkei festgenommen worden, wo er sich für eine Reportage aufhielt. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge warfen ihm die Behörden vor, nicht die erforderlichen Akkreditierungen eingeholt zu haben. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault hatte Bertrands Festnahme am Sonntag kritisiert und seine sofortige Freilassung gefordert.

Die türkischen Behörden gehen seit dem Putschversuch vom 15. Juli massiv gegen Regierungsgegner vor, darunter kritische Medienvertreter. Zahlreiche Journalisten wurden festgenommen. Zugleich haben sich auch die Arbeitsbedingungen für ausländische Journalisten in der Türkei erschwert.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat unterdessen die Schließung Hunderter Vereine in der Türkei kritisiert und vor weiteren Repressionen gegen Regierungskritiker gewarnt. Die Regierung signalisiere damit, dass sie “sämtliche kritische Stimmen im Land zum Schweigen bringen” wolle, sagte die Türkei-Expertin von HRW, Emma Sinclair-Webb, am Montag.

Am Freitag hatten türkische Behörden 370 Vereine wegen Terrorverdacht vorübergehend schließen lassen. Darunter sind zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und Vereine, die sich vor allem im kurdisch geprägten Südosten des Landes für die Rechte von Kindern und Frauen einsetzen. Deren Arbeit sei besonders für Kinder in Konfliktgebieten lebenswichtig, sagte Sinclair-Webb. Sie warnte, dass jetzt eine erneute Repressionswelle gegen die türkische Zivilgesellschaft folgen könnte.

Geschlossen wurde auch der regierungskritische Verein Zeitgenössischer Anwälte (CHD), der unter anderem Foltervorwürfe untersucht und Rechtshilfe leistet. “Sie haben die sehr wichtige Aufgabe übernommen, die Menschenrechte von Häftlingen zu schützen”, sagte Sinclair-Webb. Seit dem Putschversuch vom 15. Juli gehen die türkischen Behörden auch gegen Regierungskritiker vor.

(APA/ag.)

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