Turrinis “Sieben Sekunden Ewigkeit” in Wien bejubelt

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Sandra Cervik als "Hedy Lamarr"
Sandra Cervik als "Hedy Lamarr" - © APA
Mit lang anhaltendem, herzlichem Applaus hat das Publikum die Uraufführung von Peter Turrinis “Sieben Sekunden Ewigkeit” bedacht, das am Donnerstagabend im Theater in der Josefstadt seine Premiere gefeiert hat. Im Anschluss an die 90-minütige Aufführung wurde Hauptdarstellerin Sandra Cervik zur Kammerschauspielerin ernannt.

In der Regie von Stephanie Mohr, die ganz auf Turrinis Text sowie ihre Hauptdarstellerin setzte, überzeugte Cervik als Abbild von Hedy Lamarr, deren Lebensgeschichte Turrini sich annahm. In 90 Minuten ritt Cervik, meist bekleidet mit einem ausgepolsterten Body sowie vereinzelten Roben, durch das von Glanz und Glamour, aber auch Absturz und Einsamkeit geprägte Leben des einstigen Hollywoodstars mit österreichischen Wurzeln.

Jene “Sieben Sekunden Ewigkeit”, die sie ein ganzes Leben lang verfolgten, verdankte Lamarr dem ersten Nacktauftritt in der Filmgeschichte. Weniger beachtet war hingegen eine ihrer Erfindungen geblieben, die die Grundlage für die heutige Mobilfunktechnik bildet. Dieser Diskrepanz widmet sich Turrini in diesem oft rauen, selten wehmütigen und sehr abgeklärten Monolog, der im Laufe des Abends jedoch auch Abnützungserscheinungen zeigte.

Im Anschluss an die Premiere wurde Sandra Cervik schließlich durch Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) zur Kammerschauspielerin ernannt. Zuvor würdigte Hausherr Herbert Föttinger Turrini als einen “Meister der Poesie” und bezeichnete “Sieben Sekunden Ewigkeit” als “das beste Theaterstück, das du je geschrieben hast”. Seine Ehefrau Cervik nannte Föttinger “eine außergewöhnliche Schauspielerin”. Laudator Günter Rhomberg würdigte in seiner launigen Rede die überdurchschnittliche Anzahl von Auftritten Cerviks am Haus, verwies mit einem Augenzwinkern jedoch darauf, dass die Häufigkeit seit dem Antritt Föttingers als Direktor zurückgegangen sei.

Kulturminister Drozda lobt die mit Föttinger eingezogene Tradition der Uraufführungen an der Josefstadt und lobte Cervik für ihre Wandlungsfähigkeit, dank derer sie “in so gut wie alle Rollen der Klassik als auch in zahlreichen zeitgenössischen Stücken” überzeuge. Cervik selbst zeigte sich “von Glückshormonen überwältigt” und bedankte sich bei Drozda, ihr diese Auszeichnung “im Rahmen meiner Familie, hier im Haus” zu überreichen. “Ich bin unglaublich stolz, in einem Land zu leben, wo Kunst und Kultur noch so einen Stellenwert haben, dass es eine solche Auszeichnung wie diese hier gibt”, so Cervik. Und in Richtung Drozda: “Bitte achten Sie darauf, dass es so bleibt!”

(APA)

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