Umfassende Pettibon-Ausstellung in Salzburg

Das Timing ist perfekt: Wenige Tage nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten läuft ab morgen, Samstag, im Museum der Moderne Salzburg die große Schau “Homo Americanus” mit über 500 Werken des amerikanischen Zeichners Raymond Pettibon. Der setzt sich in seinen Arbeiten stark mit der jüngeren Geschichte seiner Heimat auseinander.

Viele stellten nach der Wahl die Frage, was in den USA los sei, meinte Sabine Breitwieser, Direktorin des Museums der Moderne, am Freitag beim Presserundgang. In den Arbeiten von Pettibon könne man sich mit dieser Frage auseinandersetzen. Pettibon sei “einer der unverwechselbarsten Zeichner der Gegenwart”, sagte Breitwieser. Die Schau in Salzburg ist eine der größten mit Arbeiten des Zeichners, die es bisher gegeben hat. Kuratiert wurde die Ausstellung, die in Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg entstanden ist und dort schon zu sehen war, von Ulrich Loock aus Berlin. “Niemand ist in der Lage, das adäquat zu verdauen. Das ist unmöglich”, sagte er über die Fülle der Bilder.

Pettibons Zeichnungen – sie erinnern zum Teil an Comicbilder – sind mit Texten gespickt. “Bild und Text stehen für sich, sie sind voneinander abgekoppelt”, beschrieb Loock. Der Kurator hat die Arbeiten einerseits nach Themen gruppiert, die bei Pettibon immer wiederkehren, andererseits chronologisch nach Abschnitten, in denen sich Entscheidendes im Werk des Künstlers verändert hat. Themen, mit denen er sich immer wieder befasst, sind beispielsweise Surfen, Baseball, die Bibel, Eisenbahnzüge oder Buchstaben.

Eine Wende in Pettibons Arbeiten ortet Loock um die Jahrtausendwende. “Der Strich ist rauer als zuvor”, beschreibt der Kurator. Pettibon verwende verstärkt den Pinsel, die Arbeiten seien damals größer, aber auch direkter geworden. Die Veränderung falle in die Zeit des Präsidenten George Bush und der Terroranschläge am 11. September. “Der tiefe Einschnitt in der Zeitgeschichte ist in den Arbeiten sichtbar”, sagte Loock. Den künftigen Präsidenten Trump hat Pettibon auch schon gezeichnet: Ganz in der Pose des Staatsmanns mit gelben Haaren, gelber Krawatte und der amerikanischen Flagge im Hintergrund. Ein Bild, das in der Schau allerdings noch nicht zu sehen ist.

Pettibon wurde 1957 in Tucson in Arizona geboren. Er wurde über von ihm gestaltete Plattencovers für Punkrockbands wie Black Flag oder Minutemen bekannt. “Das Werk kommt irgendwie aus dem Comic heraus, hat es aber hinter sich gelassen”, sagte Loock. Pettibon als “kritischen Künstler” zu bezeichnen, stimme nicht. “Er ist ein Poet”, meinte der Kurator.

(APA)

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