Ungewisse ÖFB-Zukunft: Wie stehen Salzburgs Trainer dazu?

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Marcel Koller ist bald Geschichte, doch wer ist sein geeigneter Nachfolger am Posten des Nationaltrainers?
Marcel Koller ist bald Geschichte, doch wer ist sein geeigneter Nachfolger am Posten des Nationaltrainers? - © APA/HERBERT NEUBAUER
Nachdem der Vertrag von Teamchef Marcel Koller nicht verlängert wurde, entbrannte öffentlich die Diskussion um den neuen starken Mann. Wir haben uns mit einigen Westliga-Trainern aus Salzburg über die Nachfolge unterhalten. Auch Sportdirektor Willi Ruttensteiner und das Mitspracherecht der Landespräsidenten bekommen ihr Fett ab. Ein Kandidat kristallisiert sich heraus.




So glanzvoll die sechsjährige Amtszeit von Koller über weite Strecken für den österreichischen Fußball war, so umstritten endete sie am Freitag in Gmunden beim Hois’n Wirt. Der Schweizer soll nach seinen letzten beiden WM-Quali-Spielen gegen Serbien (6. Oktober) und in Moldawien (9. Oktober) im November den geplanten Lehrgang abhalten. Traditionell beschließt der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) das Länderspiel-Jahr in diesem Rahmen am 14. November mit einem Testspiel.

Trainer-Lehrgang ohne Nachfolger sinnlos

“Die zwei Spiele im Oktober soll er leiten, das hat er sich verdient. Jedoch verstehe ich die Sinnhaftigkeit des Lehrgang ohne Nachfolger nicht. Entweder dieser wird abgesagt oder mit einem Neuen abgehalten”, sagte Ernst Lottermoser, Trainer bei Westligist St. Johann, der die Meinung vertritt, dass der ÖFB keine Einflüsterer á la Herbert Prohaska benötigt. Grünau-Coach Franz Aigner und Seekirchen-Trainer Alexander Schriebl fordern sogar im Gespräch mit SALZBURG24 einen sofortigen Wechsel: “Der neue Trainer soll sofort bestellt werden. Damit hätte er mehr Zeit, um die Spieler kennen zu lernen und seine Philosophie vorzustellen.” Eine sogenannte “Abschiedstournee” halten beide für sinnlos. Schriebl fügt etwas sarkastisch an: “Was sollen sie da machen, sich gegenseitig die Taschentücher bei der Verabschiedung reichen?” Sollte die Frage nach dem Nachfolger bis dahin nicht beantwortet sein, stellt sich ohnehin die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lehrgangs. Ist der neue Teamchef hingegen bereits fixiert, könnte er womöglich schon dann erstmals das Team zusammenführen und betreuen.

Sportdirektor: “Neustart gehört her”

Auch ÖFB-Sportdirektor Ruttensteiner steht zur Diskussion. Dem Oberösterreicher weht ÖFB-intern offenbar rauer Wind vonseiten der Landeschefs und des Präsidenten entgegen. Den Teamchef suchen – wie Ruttensteiner das vor sechs Jahren gemacht hat – darf er allem Anschein nach nicht. “Wenn nach einer sportlich enttäuschenden Phase eine Zäsur erfolgt, ist es normal, dass auch die Rolle des Sportdirektors analysiert und evaluiert wird. Doch das ist mit der notwendigen Fairness und dem notwendigen Respekt zu machen”, bestätigt ÖFB-Präsident Leo Windtner gegenüber der APA die von Präsidiumskollegen vorgebrachte Kritik an Ruttensteiner. Aigner bläst ins selbe Rohr und fordert prompt einen neuen Sportdirektor: “Der Zug ist abgefahren, die Leistungen zeigten zuletzt rapide nach unten – ein Neustart gehört auch auf dieser Position her.”

Sportdirektor Willi Ruttensteiner (re.) erhält von Präsident Leo Widtner (li.) keine bedingungslose Rückendeckung./APA/HELMUT FOHRINGER Sportdirektor Willi Ruttensteiner (re.) erhält von Präsident Leo Widtner (li.) keine bedingungslose Rückendeckung./APA/HELMUT FOHRINGER ©

Mitspracherecht der “Landesfürsten” stößt sauer auf

Weil es die Verbandsstruktur des ÖFB so vorsieht, mischen der Präsident, neun Landespräsidenten – die bei Koller nicht eingebunden wurden – und drei Vertreter der Bundesliga bei der Bestellung des neuen Teamchefs gehörig mit. “Sportliche Entscheidungen sollen jene treffen, die den Geruch der Kabine und den Duft des grünen Rasens kennen. Fußball wird gespielt und nicht am Schreibtisch abgehalten”, fordert Lottermoser. Für Fötschl sei die Kompetenzverteilung auf die “Landesfürsten” eine typisch österreichische Lösung: “Sie sind zu weit weg vom Geschehen und sollten damit nichts zu tun haben.” Pinzagau-Trainer Markus Fürstaller glaubt, dass zu “viele Köche den Brei verderben.” Anifs Meistercoach Thomas Hofer fordert hingegen die Gründung eines dafür zuständigen Gremiums aus Ex-Spielern und Fußball-Experten. “Die Landespräsidenten oder auch ein Sportdirektor alleine kann die wichtigste aller Fragen nicht lösen. Dafür braucht es definitiv mehr.”

Österreichische Lösung wird präferiert

Auf die Frage nach einem geeigneten starken Mann fällt bei den Salzburger Trainern beim ersten Reflex sofort Andreas Herzog. Dass er nicht viel Erfahrung als Cheftrainer hat, ändert nichts an seiner Pole-Position. “Er kennt die Strukturen und die Verantwortlichen beim ÖFB. Außerdem weiß er, wie die Maschinerie läuft”, lautet der Tenor. Eine österreichische Lösung sei laut Aigner wünschenswert: “Wir haben so viele gute, warum geben wir ihnen nicht die Chance?” Fötschl glaubt, dass dies der richtige Zeitpunkt für Österreichs Nationalhelden wäre: “Wenn er nicht jetzt die Gelegenheit bekommt, wird er es nie werden.” Lottermoser sieht die Nationalmannschaft auf dem richtigen Weg und präferiert ebenso Herzog als perfekte Lösung für die Entwicklung des Teams. Hofer hingegen hat Peter Stöger auf seiner Wunschliste ganz oben: “Ich habe ihn kennengelernt. Menschlich wie fachlich wäre er sicherlich die beste Wahl.” Der Kölner Spielleiter hat jedoch unlängst abgesagt.

Welche Teamchef-“Kandidaten” machen Sinn?

In der Medienlandschaft kursieren derzeit viele Namen, in der Gerüchteküche wurde viel spekuliert. Neben Herzog werden die Chancen von Werner Gregoritsch (U21-Trainer) gut eingeschätzt. Herzog kann sich eine Tätigkeit als Österreichs Fußball-Teamchef und Nachfolger von Marcel Koller gut vorstellen. “Interessant wäre es sicher, alles andere wird die Zukunft zeigen”, sagte der 49-Jährige am Samstag im TV-Sender Sky. Kandidaten wie Stöger (Schriebls zweite Wahl), Franco Foda oder gar Matthias Sammer scheinen mehr als unwahrscheinlich. “Auch wenn der ÖFB genug Geld hat, für Sammer müsste er das Ernst-Happel-Stadion verkaufen. Und ohne Spielstätte hätten wir die nächste Baustelle”, scherzt Aigner.

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