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Unheilig Heilig: The Cursed Crusade

Unheilig Heilig: The Cursed Crusade. Unheilig Heilig: The Cursed Crusade.
Man könnte meinen, das Mittelalter wäre beliebt: Ungeachtet etwaiger Nebensächlichkeiten wie Pest, Armut und Hunger würde wohl so mancher Wohlstandsmensch gerne zwei Wochen Urlaub im Dunklen Zeitalter machen, wenn man die Absatzzahlen von Romanen, Filmen aber auch Games dokumentiert. Als Ritter ohne Furcht und Adel mit Namen Denz de Bayle durchlebt man die Schrecken und Sünden der Kreuzzüge nicht ohne Folgen für die eigene Seele.

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Mit Kylotonn Games wagt sich ein bisher eher wenig bekannter Entwickler an die Versoftung der blutigen Historie im Namen des Kreuzes. Und macht dabei Vieles richtig, wenn auch im Endeffekt nicht ganz vollendet.

Denz de Bayle ist ein junger Templer, dem übel mitgespielt wurde. Nicht nur, dass ihm sein Onkel Erbe und Mutter wegnimmt, noch dazu vermisst er seinen Vater, der nie aus dem dritten Kreuzzug zurückkehrte. Das Spiel beginnt mit dem Beitritt des jungen Denz zum Vierten Kreuzzug. Denz muss sich erst in Kämpfen beweisen, was als lockeres Tutorial umgesetzt wurde. Sein Ziel steht jedoch fest: Mit Vater aus dem Kreuzzug heimkehren, um die Dinge wieder ins Lot zu rücken. Aber vor der Aufnahmeprüfung nimmt Denz als gemeiner Söldner an einer Belagerung teil, in welcher er nicht nur Belagerungsgeräte bedient, sondern auch mit der Armbrust feindliche Bogenschützen von der Brüstung holt und mittels gut geschliffenem Zweihänder den einen oder anderen Gegner in zum Teil grandiosen Finishing Moves erledigt. Bereits angesichts dieser Bilder wird klar, warum The Cursed Crusade eine ab 18-Freigabe erhalten hat.

Nebst einigen knackigen Bosskämpfen prügelt sich Denz fortan mit dem Glücksritter Esteban Noviembre zusammen durch schlauchartige, relativ eintönig gestaltete Level. Dabei kann Denz auch herumliegende Gegenstände und neue Waffen aufnehmen und gegen die Opponenten einsetzen. Das verbindende zwischen den beiden Recken ist der Templerfluch, von dem beide betroffen ist. In den Kämpfen unterscheiden sich die beiden erheblich und ergänzen sich andererseits auch: Während Denz der Panzer ist, der sich am liebsten mitten ins Getümmel stürzt, führt Noviembre die sprichwörtlich feine Klinge und fällt dem Gegner gerne in den Rücken.

Die Kämpfe sind fantastisch inszeniert, jedoch unterscheiden sie sich in Bezug auf die Präsentation von Assassins Creed. Während Ubisofts Assassinenlegende auf flotte, zugängliche Gefechte setzt, spielt sich The Cursed Crusade behäbiger – und auch komplizierter. Doch Profis können sich richtig ins Kampfsystem reinfuchsen, das ähnlich komplexer Beat-em-Up Titel in Kombos aufgebaut ist. Die nötige Prise Rollenspiel bietet das ebenfalls sehr komplexe Skillsystem, in das man sich erst einmal  eingewöhnen muss.

Was den Titel ebenfalls von Assassins Creed abhebt, ist der Wechsel zwischen realer und Dämonenwelt. Manche besonders starken Gegner müssen zuerst in der Realwelt entleibt werden, anschließend geht es daran, in der Dämonenwelt ihre Seelen zu läutern. Dieses Feature läuft insbesonders im sehr gut gemachten Koop-Modus zur Höchstform auf. Während der eine Streiter den Gegner mit Stahl bearbeitet, setzt der andere ihm in der Dämonenwelt auf der Seelen-Ebene zu. Was sich verständlicherweise als sehr effizient beweist. 

Während die Gesamtinszenierung schöne Momente garantiert, ist der Feinschliff allerdings gehörig auf der Strecke geblieben: Hölzerne Mimik, polygonarme Gesichter, verwaschene Texturen und nicht einmal ansatzweise lippensynchrone Vertonung der ansonsten durchaus gelungenen Zwischensequenzen. Hier drängt sich der Verdacht des verfrühten Releases auf. Schade eigentlich, denn die Framerates sind immer auf einem guten Niveau, und auch die Synchro und auch die musikalische Untermalung lassen erahnen, wie viel Potential hier verschenkt wurde.

Die Storyline hat ihre interessanten Bezüge zur realen Zeitgeschichte mit Kreuzzügen oder bekannten Persönlichkeiten der Vergangenheit. Allerdings gewinnt die Story mit dem Fortgang des Spiels nicht an Tiefgang, sondern gleitet zuweilen ins paradoxe ab. Auch hier wurde ein toller Ansatz nicht konsequent weiter verfolgt. 

Was die Steuerung anbelangt, so sei den Nutzern der PC-Version ans Herz gelegt, sich spätestens zu diesem Titel ein Gamepad anzuschaffen. Denn die Steuerung der Protagonisten mittels Maus und Tastatur artet zum fingerverkrampfenden Geduldsspiel aus.

Fazit:

The Cursed Crusade ist kein durchgängig schlechtes Game. Allerdings spürt man in jeder Minute, welch guter Titel hätte daraus werden können, hätten die Entwickler die Gelegenheit und den Willen gehabt, im Feinschliff Geduld zu investieren. Beides lässt The Cursed Crusade missen. Was nützt die ganze Hochglanzoptik, wenn es an Details wie Lippensynchronität, an verwaschenen Texturen oder an polygonarmen Gesichtern, die in anderen Titeln bestenfalls als Platzhalter in der Beta fungieren, krankt? Was nützt der schönste historische Hintergrund, wenn die Story mit dem Fortgang des Titels ins Lächerliche abgleitet? Was nützt das ausgefuchsteste Kampfsystem, wenn es unnötig kompliziert und träge wirkt? Haken wir Cursed Crusade einfach einmal mehr unter „verpasste Chancen“ ab – ein Game, das letztendlich lieblos zusammengeflickt wurde, unter Zeitdruck und unausgegoren auf die zahlende Käuferschaft losgelassen wurde. Ein Game, das wohl nur Hardcore-Gamern gefallen mag, die sich intensiv mit der durchaus gelungenen Kampfmechanik und dem ausgefuchsten Skillsystem auseinandersetzen wollen. Dem nach Brot- und Spiele rufenden breiten Masse-Publikum und den meisten Casual-Gamern dürfte dieser schwere Happen leider nicht munden. Schade drum!

(Alf Waibel)



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