UNO-Hilfsmission warnt vor Hungerkatastrophe in Aleppo

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Aleppo droht der große Hunger
Aleppo droht der große Hunger - © APA (AFP)
Die UNO hat in einem dramatischen Appell an die Kriegsparteien vor einer Hungerkatastrophe im belagerten Aleppo gewarnt. Derzeit würden “die letzten Essensrationen” ausgegeben, kommende Woche werde es “nichts mehr zu verteilen geben”, sagte der Chef der UNO-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf. Russland wies Egelands Forderung nach längeren Waffenpausen jedoch zurück.

Angesichts des herannahenden Winters müssten alle Beteiligten endlich humanitären Zugang gewähren, sagte Egeland. “Ich glaube nicht, dass irgendjemand eine Viertelmillion Menschen in Ost-Aleppo verhungern lassen will”, sagte Egeland. Er sei zuversichtlich, dass nach vier Monaten Stillstand ein Zugang möglich sein werde, “weil die Konsequenzen aus keiner Hilfe und keinen Vorräten so katastrophal sein werden, dass ich mir das nicht ausmalen möchte”.

Die UNO brauche jetzt unbedingt die Zusage, sicher Medikamente und Lebensmittel liefern zu können. Zudem müssten medizinisches Personal in die Stadt gebracht werden und Verletzte heraus.

Die einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo ist seit dem Sommer 2012 zwischen Rebellen und Regierungssoldaten geteilt und schwer umkämpft. Die UNO konnte seit Mitte Juli keine Hilfslieferungen in den Ostteil Aleppos bringen. Sie macht hauptsächlich die Truppen von Präsident Bashar al-Assad dafür verantwortlich; aber auch Rebellenkommandeure haben sich geweigert, Sicherheitsgarantien abzugeben.

Mehrere von Russland einseitig ausgerufene zehnstündige Waffenpausen führten nicht weiter. Die von Egeland erhobene Forderung nach längeren Waffenpausen wies Moskau als “kontraproduktiv” zurück. Diese Pausen würden nur dazu dienen, dass die “Terroristen ihre Schlagkraft erhöhen können”, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau.

Unterdessen gaben die US-Streitkräfte bekannt, bei ihren Luftangriffen gegen die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) seit August 2014 insgesamt 119 Zivilisten getötet zu haben. Die vom US-Zentralkommando (Centcom) am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichte Zahl liegt deutlich unter Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen. Die Berechnung beziehe sich auf 24 Luftangriffe, sagte Oberst John Thomas vom Centcom.

Die Nichtregierungsorganisation Airways gibt die Zahl der Zivilisten, die bei Angriffen der Anti-IS-Koalition seit August 2014 getötet wurden, mit 1787 an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nennt die Zahl von mindestens 300 getöteten Zivilisten. Die USA führen rund vier Fünftel aller Luftangriffe der Anti-IS-Koalition aus.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Mittwoch über einen nächtlichen Luftangriff auf Al-Heisha, 40 Kilometer nördlich von Raqqa, bei dem 20 Zivilisten getötet und 32 verletzt worden seien. Unter den Getöteten seien fünf Frauen und zwei Kinder, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdul Rahman. Ein Sprecher der Anti-IS-Koalition bestätigte lediglich, dass in der fraglichen Gegend Luftangriffe verübt wurden.

Die Beobachtungsstelle, die ihren Sitz in Großbritannien hat und sich bei ihren Veröffentlichungen auf ein dichtes Informantennetz in Syrien stützt, veranschlagt die Zahl der zivilen Toten durch Angriffe der Anti-IS-Koalition in Syrien seit September 2014 auf 680, darunter 169 Kinder. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Am Donnerstag starben laut der Beobachtungsstelle zudem mindestens vier Kinder und sieben Erwachsene bei Luftangriffen auf Rebellengebiete nahe der Hauptstadt Damaskus. Acht Menschen, darunter drei Kinder, seien bei einem Angriff auf die belagerte Stadt Duma getötet worden. Bei einem Angriff auf das nahegelegene Sabka seien zwei Frauen und ein Mädchen getötet worden.

(APA/ag.)

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