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Urban Knitting in Wien: Eine Stadt wird öffentlich umstrickt

Urban Knitting-Fan Katja K. beim Yarn Bombing am Wiener Gürtel Urban Knitting-Fan Katja K. beim Yarn Bombing am Wiener Gürtel - © Richard Pyrker
Stricken ist endgültig salonfähig geworden. Als Urban Knitting erobert es auch in Wien den öffentlichen Raum. Vienna Online hat eine Urban Knitting-Betreibende zu ihrem ungewöhnlichen Hobby und der Message dahinter befragt.

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Stricken ist schon lange aus der Oma-Ecke herausgekommen – auch in Wien. Selbst die Nadeln zu schwingen macht Spaß und die gleichförmige Bewegung wird von vielen als durchwegs entspannend empfunden, frei nach dem Motto “Stricken ist das neue Yoga”. 

Das etwas andere Grafitti

Einigen besonders kreativen Wienerinnen und Wienern ist das Stricken für den Eigenbedarf oder Freunde und Familie jedoch nicht genug. Sie haben größere Visionen: Sie möchten das Stricken mit einer Message verbunden in den öffentlichen Raum hinaustragen. Urban Knitting oder auch Guerilla Knitting heißt das Phänomen,  das inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet ist. Damit wird Stricken zum Statement – als eine Art positive Gegenbewegung zum Graffiti.

Gemeint ist damit, dass Gegenstände und Bauwerke im öffentlichen Raum  mit Strickwerk umhüllt werden. Von den Straßenschildern bis hin zum Denkmal werden die “Stadt-Stricker”  in Wien verschönernd tätig. Ein “Trend”, der die graue Stadt in der düsteren Jahreszeit auf jeden Fall ein wenig bunter macht. Doch was treibt die Urban Knitters an? Worin liegt die Motivation, loszuziehen und Wien mit Strickwerk zu behübschen? Diese und viele andere Fragen hat Vienna Online Katja K., einer Urban Knitterin aus Wien, gestellt.

Freizeit-Aktivität Urban Knitting

Katja stellt gleich einmal klar: Statt Urban Knitting spricht sie lieber vom Überbegriff Yarn Bombing. “Das ist für mich das Verkleiden von Gegenständen mit Wolle – öffentlich oder privat, gestrickt oder gehäkelt. Yarn Bombing ist jegliche Form der Handarbeit mit Garn. Man kann eigentlich immer von Yarn Bombing sprechen, wenn man etwas Ungewöhnliches mit Wolle macht.”

Für die Motivation, im öffentlichen Raum Urban Knitting zu betreiben, sieht Katja zwei Ansätze: “Einerseits: Wenn man in einer Stadt wohnt, sieht man seine Umgebung nicht unbedingt als etwas an, dass man selbst nutzen kann. Darum holt man sich durch Yarn Bombs dieses Gefühl zurück, man macht diesen Raum heimisch.

Andererseits gibt es Leute, die den öffentlichen Raum als etwas ansehen, das sowieso allen gehört, und dann sind Yarn Bombs eben nur Ausdruck dessen, dass es sich um einen erweiterten Lebensraum handelt, mit dem man auf seine ganz eigene Art umgehen kann. Dann versteht man Yarn Bombing nicht als Protest, sondern nur als Gestaltung.” Die Message ist laut Katja (frei nach dem Wiener Linien-Slogan): Die Stadt gehört dir!

Gegen das Grau-in-Grau

Katja liebt es, mit ihren Strickwerken, die übrigens alle bereits zuhause vorgefertigt werden, Straßenlaternen oder Geländer zu verzieren. “Ich fand diese Idee gewinnbringender als das Stricken von Socken und Schals, denn es sehen sehr viel mehr Leute, und das Grau-in-Grau der städtischen Gestaltung ist doch mehr als fad anzusehen.” Also strickt Katja nie für den Hausgebrauch? “Doch, auf Bestellung stricke ich auch Gebrauchswaren, meine Hauptaufgabe bleibt es aber, Wien zu verschönern.”

Katja zieht nach eigenen Angaben jedes Mal los, wenn sie eine Yarn Bomb fertig hat – ob zwei Mal in der Woche oder einmal in zwei Monaten, je nach Zeit und geplantem Projekt. Grundsätzlich kommt oft zuerst das Strickwerk und dann die Suche nach dem passenden Ort. “Es kommt aber auch vor, dass man vorher weiß, was man verschönern will – dann misst man eventuell sogar das Objekt ab. Ich mag es aber lieber spontan. Deswegen wandere ich oft mit einem Wollstück den Gürtel ab und halte es an Bäume, Geländer, Schilder, whatever – ziehe und strecke und drehe das Wollstück, bis es irgendwo passt, und dann wird es festgenäht.”

Genuss durch Wiederholung

Wirklich zum Stricken gefunden hat Katja übrigens (nach den ersten unbegeisterten Versuchen als Kind) erst vor Kurzem: Im Sommer 2011 bei einem Workshop von Janis Meißner beim Deja Vu in Linz hat sie Stricken als Tätigkeit wiederentdeckt und liebt es seitdem heiß: “Für notorisch nervöse Menschen wie mich ist Handarbeit eine unglaubliche Entspannung – so meditativ und beruhigend. Ich liebe das Repetitive daran.”

Für Katja ist Urban Knitting eher eine Solo-Aktivität, obwohl sie auch andere Leute kennt, die es betreiben. Wie eben Janis, die “Knitting against terrorism” betreibt. Als “Strickistin”, wie sich die politisch motivierten Betreiberinnen des Strick-Kults selbst nennen, sieht sie sich jedoch nicht. “Für mich gehört Vernetzung nicht unbedingt zum Yarn Bombing-Phänomen.”

Großprojekte der Strickistinnen

Große internationale Aktivitäten, wie der International Yarn Bombing Day am 11. Juni, der es 2011 auch nach Wien geschafft hat, gefallen ihr dennoch. “Hoffentlich passiert das ab jetzt jedes Jahr. Natürlich ist es beeindruckender, wenn sich viele Leute zusammentun und z. B. den Ring in seiner Gänze mit Wolle eindecken.”

So geschehen etwa beim Projekt “Knit Her Story”, das anlässlich des 100. Weltfrauentages am 19. März 2011 am Wiener Ring stattfand. Dies wurde von den “Strickistinnen” organisiert – das Ergebnis ist in obiger Diashow zu bewundern. Eine weitere große Aktion war ein Public Knitting Event, das am 17. September 2011 im Burggarten von der Künstlerin Kate Just veranstaltet wurde. Diese und ähnliche Urban Knitting-Aktivitäten werden auf dem Knit Vienna Blog ausführlich dokumentiert.

Stricken als soziale Aktivität

Für alle, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind und in Sachen Stricken noch ein bisschen Nachhilfe brauchen können: In Wien gibt es inzwischen mehrere Lokale, in denen man sich mit Gleichgesinnten zum gemeinsamen Nadelschwingen treffen kann. Beispielsweise das Laniato, Wiens erstes Wollcafé in der Landstraße. Dort kann man selbst als blutiger Anfänger das Strickhandwerk erlernen und Unikate von Trachtenstutzen bis Babydecken herstellen.

In ähnlicher Form wird auch am Yppenmarkt in Ottakring dem professionellen Strick-Kult gefrönt – beim dienstäglichen Gruppenstricken im Lokal Muskat. Und wer weiß: Vielleicht bekommt der eine oder andere ja auch Lust, demnächst Wien mit seinen dort entstandenen Kunstwerken à la Urban Knitting zu schmücken …

         

Die größeren Aktionen in Wien waren das Projekt KNIT HER STORY, anlässlich des 100. Weltfrauentages am Ring am 19.März diesen Jahres. Dies wurde von den “Strickistinnen” organisiert.

 

Eine weitere Aktion war ein Public Knitting Event im Burggarten am 17.September veranstaltet von der Künstlerin Kate Just (aktuelle Ausstellung der Stücke Kunsthalle Krems)

 

Ich stehe dir gerne für ein Interview zur Verfügung und Fotos kann ich auch beisteuern. Die auf meinen Blog www.knitvienna.com (außer die vom Eintrag 14.jul) kannst du gerne Verwenden. Sag bescheid wenn du sie in einer größeren Auflösung benötigst.



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