US-Amerikaner wählen heute neuen Präsidenten

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Wer zieht ins Oval Office im Weißen Haus ein?
Wer zieht ins Oval Office im Weißen Haus ein? - © APA (Archiv/AFP)
In den USA entscheiden die Wähler am heutigen Dienstag, wer Nachfolger von Präsident Barack Obama wird. Umfragen deuten auf ein knappes Rennen zwischen der Demokratin Hillary Clinton und dem Republikaner Donald Trump hin – mit leichten Vorteilen für die Ex-Außenministerin. Letztlich kommt es auf eine Reihe von besonders umkämpften Staaten an.

Denn entscheidend ist am Ende eben nicht die absolute Stimmenzahl, sondern die Zahl der Wahlleute (Wahlmänner), die einem Staat jeweils zugeordnet sind und am Ende den Präsidenten entsprechend der Ergebnisse in den einzelnen Staaten bestimmen. Clinton geht prinzipiell als Favoritin in den Wahltag, die meisten Umfragen sehen sie knapp voran. So erreichte die frühere First Lady in einer letzten Reuters/Ipsos-Umfrage eine Zustimmungsquote von 45 Prozent, während Trump auf 42 Prozent kam. Demzufolge liegt die Siegeswahrscheinlichkeit für Clinton bei 90 Prozent.

Begonnen hat die Wahl bereits im winzigen Dorf Dixville Notch im Nordosten der USA. Kurz nach Mitternacht Ortszeit (06.00 Uhr früh MEZ) fand in dem Ort im Neuenglandstaat New Hampshire die Präsidentenwahl statt. Dabei entfielen vier Stimmen auf Clinton und zwei Stimmen auf Trump. Eine Stimme ging an Gary Johnson. Ein achter Wähler war offenbar mit dem Angebot unzufrieden und schrieb den Namen des früheren republikanischen Kandidaten Mitt Romney auf den Wahlzettel. Dixville Notch in den White Mountains nahe der Grenze zu Kanada gibt seit 1960 traditionell den Auftakt zum Wahltag bei der Präsidentenwahl, wird aber eher als Kuriosum und nicht als Leitwert für den Rest der Nation gesehen

Ihre Wahlkämpfe haben Clinton und Trump mit einem fulminanten Finale zu Ende gebracht – jetzt haben die Wähler das Wort. Beide Kandidaten investierten am Montag noch einmal Millionen in abschließende TV-Werbespots. Bis in den späten Abend schworen die beiden Kontrahenten ihre Anhänger auf den Wahltag ein. Trump tourte noch am Montag durch fünf wichtige Staaten, Clinton durch drei.

“Ihr habt die Wahl zwischen einer verlässlichen und starken Staatsführung und einem unsicheren Kantonisten (unzuverlässige Person, Anm.), der alles aufs Spiel setzt”, sagte Clinton unter dem Jubel Tausender Anhänger in Philadelphia. “Wir stehen vor der größten Prüfung unserer Zeit.” Die Wähler müssten “die Furcht zurückweisen und für die Hoffnung stimmen”, sagte der scheidende Amtsinhaber Barack Obama bei der Abschlusskundgebung. Der Präsident rief eindringlich zur Stimmabgabe für Clinton auf.

Trump beendete seinen Wahlkampf in Pennsylvania, Michigan und New Hampshire. Der Immobilienunternehmer aus New York versprach seinen Anhängern einen großen Sieg. Er bezeichnete das politische System in den Vereinigten Staaten erneut als gezinkt. “Aber das wissen wir längst”, sagte er in Florida. In Manchester (New Hampshire) nannte der Populist Clinton eine “Heuchlerin”. Für die Wähler gebe es nur eine Frage: “Wollt ihr, dass Amerika von einer korrupten politischen Klasse regiert wird, oder wollt ihr, dass Amerika wieder vom Volk regiert wird?” Der Milliardär ergänzte: “Morgen wird die amerikanische Arbeiterklasse zurückschlagen.”

Mit Spannung wird erwartet, ob Trump eine Niederlage anerkennen wird. Zahlreiche Amerikaner befürchten Gewaltausbrüche enttäuschter Trump-Anhänger. Auf sozialen Medien wurde bereits zur Waffengewalt aufgerufen. Trump hatte in dem mehr als ein Jahr lang dauernden Wahlkampf mit Aufsehen erregenden Vorschlägen Schlagzeilen gemacht, darunter der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko als Maßnahme gegen illegale Einwanderung. Ihm wird Fremdenfeindlichkeit und mangelnde politische Erfahrung vorgeworfen.

Aus den Reihen der Demokraten wird Trump auch beschuldigt, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammenzuarbeiten. Das Computersystem der demokratischen Partei wurde gehackt. US-Behörden sehen mögliche Täter in Russland.

Das für Hillary Clinton bereits gewonnen geglaubte Rennen um das Weiße Haus war zwei Wochen vor dem Wahltermin noch einmal spannend geworden. Weitere Untersuchungen des FBI in Clintons E-Mail-Affäre hatten für ein riesiges mediales Aufsehen gesorgt, stellten sich aber als de facto gegenstandslos heraus. Die Bundespolizei änderte ihre Auffassung nicht, dass eine Anklage gegen Clinton nicht vertretbar sei.

Wahlberechtigt sind am Dienstag von den 322 Millionen US-Bürgern theoretisch alle, die mindestens 18 Jahre alt sind. Das sind etwa 219 Millionen. Voraussetzung ist, dass sich ein Wähler registrieren lässt und nicht von der Wahl ausgeschlossen wird – beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit. Über 41 Millionen Amerikaner haben bereits frühzeitig abgestimmt – darunter auch ein Astronaut von der Internationalen Raumstation ISS aus.

Die Wahllokale schließen in der Regel um 18.00 Uhr Ortszeit. Erste Ergebnisse einzelner Staaten werden nicht vor 01.00 Uhr (MEZ) erwartet. Alle Augen sind zunächst auf den Südstaat Florida gerichtet. “Wenn das Ergebnis in Florida schnell feststeht und der Abstand groß ist, dann wird das unglaublich aussagestark sein”, sagte CNN-Chefkorrespondentin Dana Bash am Montag.

(APA/dpa)

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