2. September 2010 14:13; Akt.: 2.09.2010 14:13

USA erleben Invasion der Bettwanzen

Einsatz von Pestiziden umstritten Einsatz von Pestiziden umstritten - © bilderbox.at
In den USA rauben Bettwanzen zahlreichen Hausbesitzern und Wohnungsmietern derzeit den letzten Nerv. Das Land erlebt in diesem Jahr die schlimmste Invasion der kleinen Plagegeister, die unter anderem Matratzen und Vorhänge befallen, seit mehr als 50 Jahren.

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Der Ärger betroffener Menschen geht soweit, dass sie zu gesundheitsschädlichen Pestiziden greifen, um die Unruhestifter loszuwerden. Dabei stoßen sie auf den Protest der US-Umweltbehörde EPA, die warnt, der Einsatz der Giftstoffe im eigenen Zuhause könne Krankheiten wie Krebs hervorrufen.

Bettwanzen sind seit Jahrhunderten eine bekannte Haushaltsplage. Sie beißen Menschen und können dadurch Hautinfektionen auslösen. Dank des verbreiteten Einsatzes des Insektizids Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) waren die Tiere in den 1940er und 1950er Jahren aus Wohnungen und Häusern so gut wie verschwunden. Doch nachdem DDT 1972 aufgrund seiner schädlichen Wirkung auf wildlebende Tiere verboten wurde, kehrten die ungebetenen Hausgäste zurück. Mittlerweile sind sie zunehmend resistent gegen Chemikalien geworden, die statt DDT gegen sie eingesetzt wurden.

Opfer der außergewöhnlichen Bettwanzenplage in diesem Jahr greifen daher zu immer härteren Schädlingsbekämpfungsmitteln, um die Tierinvasion zu stoppen. “Wir müssen etwas anderes ausprobieren”, sagt der Besitzer mehrerer befallener Wohnkomplexe, Darrel Spegal. “Schauen Sie sich um. Die Wanzen gewinnen diesen Krieg.”

Doch der Einsatz von Insektiziden, die eigentlich für den Gebrauch im Freien gedacht sind, stößt auf den Protest der EPA. Einer dieser Giftstoffe ist Propoxur, dessen Einsatz in Wohnräumen verboten ist. EPA zufolge steht das Insektizid unter Verdacht, Krebs auszulösen. Zudem könne Propoxur bei Kindern, die damit zu Hause in Berührung kämen, Übelkeit, Schwindelgefühl und Sehunschärfe hervorrufen.

Dennoch drängen Behörden im US-Bundesstaat Ohio, wo es viele Fälle von Bettwanzenbefall gegeben hat, die Umweltbehörde dazu, den Gebrauch von Propoxur in Häusern und Wohnungen zuzulassen. Dies lehnte die Umweltbehörde im Juni ab.

Kritiker werfen der EPA Überreaktion vor. Propoxur sei ein äußerst effektives Mittel gegen die Bettwanzen, das alle anderen in den Schatten stelle, sagte der Präsident eines Unternehmens für die Schädlingsbekämpfung, Andrew Christman. Andere Insektizide seien nicht so tödlich wie Propoxur, weshalb oft mehrere Anwendungen nötig seien. Der Kostenaufwand für eine Schädlingsbekämpfung könne sich deshalb je nach Größe des befallenen Hauses auf bis zu 1.500 Dollar (knapp 1.200 Euro) belaufen.

Der Einsatz von stärkeren Pestiziden gegen die Bettwanzen in Wohnräumen ruft nicht nur gesundheitliche Bedenken hervor. Landesweit machen Behörden den Gebrauch entzündlicher Garten- und Rasenpestizide für Hausbrände verantwortlich. Gleichzeitig warnen Experten, Produkte wie Insektenbomben, Zedernöl und weitere natürliche Öle würden die Wanzen nicht töten, sondern nur dazu führen, dass sich die Tiere in Risse in Wänden und Böden zurückziehen.

Wenn frustrierte Betroffene der Bettwanzenplage Experten für die Schädlingsbekämpfung darum bitten, den Tieren den Garaus zu machen, bleibt dies nicht immer ohne Folgen. In der Stadt Cincinnati sprühte ein nicht zugelassener Kammerjäger einen ganzen Wohnkomplex mit einem Pestizid ein, das üblicherweise auf Golfanlagen verwendet wird. Sieben Mieter mussten danach im Krankenhaus behandelt werden, der Wohnkomplex wurde unter Quarantäne gestellt.

Wie schlimm der Befall der Bettwanzen in diesem Jahr ist, zeigt sich auch in den Überlegungen der Gesundheitsbehörden, wie sie Bürger am besten auf die Tierplage aufmerksam machen. In New York – neben Philadelphia und Detroit eine der von der Bettwanzenplage am stärksten betroffenen US-Städte – wurde diesen Sommer eine Informationskampagne für 500.000 Dollar (knapp 390.000 Euro) gestartet, nachdem die Bettwanzen in einem Kino am Times Square sowie in teuren Kleiderboutiquen entdeckt worden waren.

Weil die Insekten nicht nur Matratzen oder Kissen befallen, sondern in Hotelzimmern auch auf Kleidung und Gepäck klettern, sehen Experten die Notwendigkeit einer ausgeweiteten Gesundheitskampagne. Unter anderem seien Rundfunkmitteilungen und Reisetipps denkbar. Möglicherweise könnte es auch ein über Steuern finanziertes Programm für die Schädlingsbekämpfung in öffentlichen Wohnräumen geben, wie Experten sagen.

Bis die Bettwanzenplage beseitigt ist, ärgern sich betroffene Hausbesitzer wie Delores Stewart aus der Stadt Columbus über das Ausmaß ihres Befalls. “Es ist schlimm, es ist entmutigend, und es ist eine schreckliche Art zu leben”, sagte die 76-jährige Stewart, deren Haus seit letzem Jahr befallen ist. Sie nehme es ihren Nachbarn und Bekannten nicht übel, dass sie ihr keinen Besuch abstatten. Aber sie fühle sich isoliert.


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