Vatikan lässt heimische Diözesen warten

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In St. Pölten führt Küng sein Amt bis zu einer Entscheidung weiter
In St. Pölten führt Küng sein Amt bis zu einer Entscheidung weiter - © APA (Archiv)
Mehrere Bischofs-Ernennungen stehen in Österreich bevor – fix ist nach wie vor nichts. In der Diözese Innsbruck dürfte erst im neuen Jahr ein Nachfolger von Manfred Scheuer feststehen. Bald übergeben dürfte seinen Sitz der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Gelassen bleibt man weiterhin in St. Pölten, wo Klaus Küng sein Amt bis zu einer Entscheidung und ohne Frist weiterführen darf.

War man in Innsbruck bis vor kurzem noch davon ausgegangen, dass Rom noch vor Weihnachten einen neuen Bischof ernennt, sieht es nun anders aus. Zwar haben die Befragungen durch den apostolischen Nuntius bereits stattgefunden. Dennoch soll erst 2017 entschieden werden, wer Manfred Scheuer, der als Diözesanbischof nach Linz berufen wurde, folgt. Derzeit leitet der vorherige Generalvikar Jakob Bürgler die Diözese als Diözesanadministrator. Dieses Amt erlischt automatisch mit der Besitzergreifung der Diözese durch einen vom Papst bestellten neuen Diözesanbischof.

Wie so oft gilt Bürgler selbst als möglicher Nachfolger Scheuers. Aber auch der derzeitige Feldkircher Bischof Benno Elbs wird genannt. Zu den weiteren möglichen Kandidaten zählt auch der Bruder des Diözesanadministrators, Bernhard Bürgler. Er ist seit 2014 Provinzial des Jesuitenordens in Österreich. Laut “Tiroler Tageszeitung” werden auch der Leiter des Kardinal-König-Hauses in Wien, Christian Marthe, der Pfarrer von Innsbruck-Allerheiligen, Franz Troyer, und der Generalvikar der Erzdiözese Salzburg, Hansjörg Hofer genannt. Weiters der Abt von Stift Wilten, Raimund Schreier.

In der Erzdiözese Salzburg steht die Ernennung eines neuen Weihbischofs kurz bevor. Schenkt man den jüngst von “Kronen Zeitung” und “Salzburger Nachrichten” kolportierten Gerüchten Glauben, soll der 64-jährige Hansjörg Hofer Nachfolger von Andreas Laun werden, der nächstes Jahr aus dem Amt scheidet. Hofer ist derzeit Generalvikar und Personalreferent der Erzdiözese und zugleich Domdechant.

Der Sprecher der Erzdiözese, Wolfgang Kumpfmüller, wollte sich auf APA-Anfrage nicht zu den Spekulationen äußern. Erzbischof Franz Lackner habe im Vatikan angesucht und seine Wunschkandidaten bekannt gegeben. “Die Entscheidung fällt die päpstliche Bischofskongregation in Rom. Einen Zeitpunkt dafür gibt es nicht. Bischofsernennungen werden von Rom immer sehr kurzfristig bekannt gegeben.”

Allerdings dürfte das Ernennungsdekret nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Weihbischof Andreas Laun vollendet im Oktober 2017 sein 75. Lebensjahr und wird – wie alle seine Amtskollegen – den Rücktritt einreichen. Die Amtsübergabe dürfte laut Kumpfmüller aber schon früher stattfinden. Ein Weihbischof – lateinisch episcopus auxiliaris – ist ein Hilfs- oder Assistenzbischof, der den Diözesanbischof bei seiner Arbeit unterstützt.

Gelassen kann man in der Diözese St. Pölten sein, amtiert der dortige Bischof Küng doch seit der Verlängerung durch den Vatikan “nunc pro tunc”, also bis zur Entscheidung über seine Nachfolge. Namen wurden in letzter Zeit etliche genannt: Etwa Gerhard Reitzinger, Bischofsvikar in St. Pölten und Lehrbeauftragter für Pastoraltheologie sowie der Abt des Stiftes Göttweig, Columban Luser. Er kann sogar auf einen eigenen Fankreis bauen, die anonymen “Freunde von Bischof Luser”. Zuletzt genannt wurde auch der jetzige Gurker Bischof Alois Schwarz.

In der Diözese St. Pölten will man niemanden favorisieren. “Es gibt viele gute Leute, aber nicht den einen logischen Nachfolger”, meinte Sprecher Florian Welzig zur APA. Entscheidende Frage sei eher, wie lange es noch dauert, bis der Nachfolger Küngs feststeht. Der Ball liegt in allen drei Fällen bei der Bischofskongregation im Vatikan, die regelmäßig zusammentritt. Erfahrungsgemäß priorisiert das Gremium jedoch Entscheidungen in Kontinenten, wo die römisch-katholische Kirche mehr Gewicht hat – also in Afrika oder Südamerika.

(APA)

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