“Veitstanz” um Fluglärm in Salzburg und im bayerischen Freilassing

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Der Salzburger Flughafen steht immer wieder in der Kritik.
Der Salzburger Flughafen steht immer wieder in der Kritik. - © Salzburg Airport
In der Diskussion um den Fluglärm am Flughafen Salzburg warf Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) am Freitag neue Fakten ein: Laut offiziellen Lärmkarten des Umweltministeriums reicht nämlich die nach deutschem Recht relevante Lärmzone gerade einmal 150 Meter über die Grenze in unbewohntes Waldgebiet von Freilassing.

Der Fluglärm ist wieder Thema in Salzburg und dem benachbarten Bayern. Seit Wochen kursiert das Gerücht, der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wolle mit einer Verordnung Flüge über Freilassing nur mehr in einer Höhe von 7.000 Fuß (2.134 Meter) genehmigen, was im Prinzip einem Aus für den Airport gleichkäme, weil Instrumentenanflüge auf Salzburg nur über diese Route möglich sind.

Ramsauer will Flüge verbieten

Seit Wochen geistert diese Verordnung durch den sommerlichen Blätterwald Salzburgs, Anfang August meldete sich dann auch Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) zu Wort: Ramsauer habe gegenüber dem österreichischen Botschafter in Berlin „in sehr deutlichen Worten” klar gemacht, dass die geplante Durchführungsverordnung bereits in Arbeit sei und er mit Österreich darüber auch gar nicht mehr zu verhandeln gedenke. Ramsauer, der sich mitten im deutschen Wahlkampf befindet und seinen Wohnsitz in Bayern nicht weit von Salzburg hat, hat sich übrigens bisher nicht öffentlich dazu geäußert.

Vorwürfe für Padutsch haltlos

Für Padutsch ist die ganze Diskussion “ein Veitstanz, den jemand aus welchem Grund auch immer aufführt, und der von den wahren Problemen ablenkt” – “ein völlig irrwitziges Wahlkampfnirvana”. Vom Lärm betroffen sei in erster Linie die Bevölkerung Salzburgs. Auf bayerischer Seite reiche die Lärmzone mit einem durchschnittlichen Lärmpegel von 60 bis 65 Dezibel gerade 150 über die Grenze in unbewohntes Gebiet. Und selbst in dieser Zone sei der Flughafen nach deutschem Recht noch gar nicht zur Finanzierung von Lärmschutzeinrichtungen an Wohnhäusern verpflichtet, lediglich in der Raumordnung gebe es Einschränkungen. Die Berechnungen basieren auf den Lärmbelastungen in den sechs verkehrsreichsten Monaten eines Jahres.

Lärmbelastung auf deutscher Seite gering

Noch klarer wurde Fluglärm-Experte Hermann Jell: Die Lärmbelastung auf deutscher Seite liege bei genau einem Prozent, 99 Prozent hingegen in Salzburg. Und der Dauerschallpegel im bewohnten Freilassing mache gerade einmal 54 Dezibel aus. Wegreden will der Stadtrat den Fluglärm aber damit nicht: “Natürlich gibt es das subjektive Empfinden. Aber Ramsauers ungerechtfertigter Tanz kann bewirken, dass in den Köpfen ein Umdenken passiert: ‘Aha, so stark betroffen sind wir’. Die veröffentlichte Meinung beeinflusst das persönliche Wohlbefinden”, warnte er.

Ramsauer und Bures äußern sich nicht

Padutsch versteht nicht, weshalb sich Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) oder das bayerische Verkehrsministerium nicht zu Wort melden, “denn dort liegen diese Fakten überall auf”. “Alle schweigen und lassen diesen Tanz seit Wochen zu. Wir sollten über die tatsächlichen Probleme reden.” Etwa, dass in jüngster Zeit immer mehr nach Norden startende Maschinen schon über Salzburg abdrehen würden, durch den dafür nötigen Schub seien vor allem die Bewohner in Wals-Siezenheim deutlich stärker belastet.

Padtusch fordert Dialog

Der Stadtrat erinnerte auch an die Ära des früheren Airport-Chefs Günther Auer: Damals hätten Flughafen und Anrainer beispielsweise vereinbart, dass die Airlines in den Tagesrandzeiten nur die leisesten Maschinen in Salzburg einsetzen dürfen, was eine spürbare Entlastung gebracht habe. Diese Lösung gebe es aber heute nicht mehr. “Man kann die Sache in den Griff bekommen”, so Padutsch, “aber es fehlt im Augenblick der Dialog. Ich weiß nicht, ob es an der Flughafen-Führung oder an den Anrainern liegt”.

Verordnung utopisch

Dass die Verordnung Ramsauers kommt, hält der Grün-Politiker für ausgeschlossen, weil sie in einem EU-Konsultationsmechanismus geprüft werden müsste. „Und die EU kann sich dabei ja nur auf die offiziell erhobenen und berechneten Daten stützen, die eine derartige Neuregelung ja wohl kaum rechtfertigen werden.” Außerdem weiß Padutsch noch einen Pfeil im Köcher, den er aber gar nicht ziehen will: Der Flughafen München möchte nämlich offenbar beim Anflug über dem Innviertel und über dem Flachgau die Flughöhe absenken, und das bedürfe einer Änderung des Staatsvertrages. “Wenn es Verhandlungen gibt, dann muss auch mit Salzburg mitverhandelt werden.” (APA)

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