Velazquez-Schau im Kunsthistorischen Museum

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46 Gemälde von Diego Velazquez im KHM
46 Gemälde von Diego Velazquez im KHM
An Superlativen herrscht im Kunsthistorischen Museum (KHM) kein Mangel. Die Ausstellung zu Diego Velazquez ist die erste Schau des Malers im deutschsprachigen Raum und für Generaldirektorin Sabine Haag “ein Höhepunkt der Ausstellungsgeschichte des Museums” sowie “eine Ausstellung, die in dieser Qualität und Zusammenstellung wahrscheinlich in unserer Generation nicht mehr zu sehen sein wird”.


An der Ausstellung, die den “fulminanten Abschluss der spanischen Ausstellungstrilogie” (Haag) bildet, die 2001 mit El Greco begonnen und 2005 mit Goya fortgesetzt wurde, habe man drei Jahre gearbeitet, hieß es bei der Pressekonferenz am Montag. Als “Krönung im wahrsten Sinne des Wortes” (Haag) wird die Schau am Abend von der spanischen Königin und dem österreichischen Bundespräsidenten gemeinsam eröffnet.

46 Gemälde umfasst die Ausstellung, an die 35 davon von Velazquez (1599-1660) selbst. So viele Werke zusammenzutragen sei nur möglich gewesen, weil das KHM nicht nur über hervorragende freundschaftliche und kollegiale Kontakte zum Prado verfüge, wo im Vorjahr auch einige Leihgaben aus Wien gezeigt wurden, sondern das Museum auch “selbst einen substanziellen Bestand dieses spanischen Großmeisters hat”, sagte Haag.

Dieser umfasst zwar nicht mehr 14 Gemälde wie einst, und von dem Dutzend verbliebenen Werken schreibt die strenge kunstgeschichtliche Forschung derzeit die Hälfte seiner Werkstatt zu (Haag: “Es ist auch nicht auszuschließen, dass es wieder dazu kommt, dass sie ihm selbst zugeschrieben werden.”) – doch ergänzt wurde dieser Grundstock durch alleine sieben Werke aus dem Prado (“eines bedeutender als das andere, wirkliche Pfeiler, auf denen wir aufbauen konnten”, so die Kuratorin Sylvia Ferino-Pagden) sowie absolute Hauptwerke wie die berühmte “Venus mit dem Spiegel” (Rokeby Venus) aus der National Gallery in London.

“Diese Ausstellung ist pure Freude”, meinte Haag, räumte aber im Gespräch mit der APA ein, dass es sehr wohl auch einen “kleinen Wermutstropfen” gebe: Man hätte an die zehn Velazquez-Gemälde mehr nach Wien bringen können, hatte die Staatshaftung jedoch schon ausgeschöpft und über keinerlei Mittel verfügt, sich die hohen Versicherungssummen leisten zu können.

Ein weiteres Defizit bringt die Schau ebenso zutage: Durch Fehlen geeigneter Sonderausstellungsräume ist die mit beeindruckenden Kunstwerken aufwartende, gut geleuchtete und zurückhaltend beschriftete Velazquez-Ausstellung kaum angemessen herausgehoben und inszeniert, sondern mit einem eher unübersichtlichen Parcours in die Gemäldegalerie integriert.

Sylvia Ferino-Pagden, die zu Jahresende als Leiterin der Gemäldegalerie in Pension geht (Stefan Weppelmann von der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin übernimmt ab 1. März 2015), beginnt ihre Ausstellung mit einem großen Saal zu Velazquez’ Anfängen in Sevilla, mit religiösen Motiven wie zwei “Maria Immaculata”-Gemälden und der “Anbetung der Könige”, aber auch dem “Wasserverkäufer von Sevilla”, der nicht nur durch feinsten Realismus, sondern auch durch tiefes Interesse am Menschlichen besticht, das später dazu führte, dass seine Porträts von Hofnarren und Hofzwergen genauso eindrucksvoll und ernsthaft ausfielen wie jene der königlichen Familie selbst.

Durch eine schmale Seitengalerie gelangt man in den Zentralraum der Schau, in dem die dynastischen Porträts des spanischen Hofes, mit denen “der Maler der Maler” (Monet über Velazquez) berühmt wurde, dicht gehängt auftrumpfen. Zentrum bildet das großformatige Plakatmotiv “Prinz Baltasar Carlos zu Pferd”, flankiert von einer Serie von gleich sieben Infantinnen-Bildern (eine davon gemalt von Velazquez’ Schüler und Schwiegersohn Juan Bautista Martinez del Mazo, der gleich mehrfach in der Schau vertreten ist). Das wohl berühmteste Velazquez-Gemälde, “Las Meninas” (Die Hoffräulein”), wäre durch keine Versicherungssumme der Welt vom Prado loszueisen gewesen – es ist mit einer Reproduktion in Originalgröße in der Ausstellung vertreten.

Wieder geht es in die Seitengalerie, ehe die Ausstellung mit einigen Großformaten einen imposanten Schlusspunkt setzt, mit dem Hofnarren Don Juan de Austria etwa, der geheimnisvollen “Venus mit dem Spiegel” oder der mythologischen “Schmiede des Vulkan”, die 1630 während Velazquez’ erster Italienreise entstand. “Er macht dieses Bild in Konkurrenz zu den großen italienischen Kollegen”, erläuterte Ferino-Pagden. “Er hat nicht das große Pathos eines Rubens, er bleibt immer eng an der Sache, es ist das Tiefmenschliche, das wir in seinen Werken finden.”

Daneben habe Velazquez aber auch “den offenen, sinnlichen Pinselstrich” perfektioniert und mit seiner raffinierten “Fleckenmalerei und der offenen Kontur” Farben aneinandergefügt, “dass die Impressionisten ihre Malerei in seinem Werk schon vorweggenommen sahen”. Kaum glaublich, dass Malerei zu jener Zeit – anders als etwa in Italien – in Spanien als eigenständige Kunst noch kaum anerkannt war. Gut nachvollziehbar jedoch, dass es der hochbegabte und überaus zielstrebige Diego Velazquez schaffte, die Malerei in seinem Heimatland zu nobilitieren und sie über das reine Handwerk hinauszuheben.

Die Ausstellung ist bis 15. Februar 2015 zu sehen. Am 29. Jänner 2015 findet ein begleitendes wissenschaftliches Symposium statt.

INFO: “Velazquez”, Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien, 28. Oktober bis 15. Februar 2015, tgl. außer Mo. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr, Katalog: 336. S., 39,95 Euro,.

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