Verdauungs-Video: Fertignahrung lebt länger

Instant-Nudeln vs. Selbstgemachtes: Fast Food ist langsamer. Instant-Nudeln vs. Selbstgemachtes: Fast Food ist langsamer. - © Screenshot
Ein Projekt des Künstlers Stefani Bardin und des Havard-Gastroenterologen Braden Kuo sorgt derzeit auf YouTube für Furore.

Es gelang ihnen mittels verschluckbarer Minikamera erstmals, den gesamten Verdauungsprozess vom Eintritt der Nahrung im Mund bis zur Ausscheidung zu filmen. Außer der Befriedigung des Ekelbedürfnisses liefern die Initiatoren auch eine gewagte These: Fertignahrung ist schwerer verdaubar als selbstgekochte Nahrung.

Liveübertragung aus dem Darm

Zum Einsatz kam eine Kamerapille, die gerade einmal 26 mal elf Millimeter groß und mit einer Acht-Stunden-Batterie bestückt war. Ein Sensor erhob laufend Druck, Temperatur und Säurewert, ein weiterer filmte mit und schickte die Bilder per Funk nach Außen. Der zwar kaum wissenschaftliche, jedoch aufklärerische Anspruch des Projekts lautete, den Zersetzungsvorgang von Fertignahrung im Darm abzubilden.

Zu diesem Zweck aß die erste Person gemeinsam mit der Kamera koreanische Instant-Nudeln, Gummibärchen und blaue Gatorade-Limo, wobei die Farbe allein zu Demonstrationszwecken gedient haben dürfte. Die zweite Person verzehrte selbstgemachte und -gekochte Nudeln, Gummibärchen aus Granatapfelsaft und sowie Gatorade mit Hibiskusgeschmack. Und tatsächlich: Die Fertiggericht-Nudeln hielten deutlich länger als die selbstgemachten und waren selbst nach zwei Stunden Darmaufenthalt noch immer in ihrer Form zu erkennen.

Bessere Essenswahl

“Anliegen des Projekts war es, das unsichtbare und oft verschleierte Wissen über unsere Ernährung auf unerwartete Weise zu präsentieren. Damit soll die Öffentlichkeit ausreichend Wissen erhalten, um informierte Entscheidungen beim Essen zu treffen”, so Bardin. Ernährungsforscher konnten die Vermutung der unterschiedlichen Zersetzungsdauer im Darm auf pressetext-Anfrage allerdings nicht bestätigen.

Weitaus weniger dramatisch als die Projektinitiatoren sieht ein Berliner Lebensmitteltechnologe das Ergebnis. “Die längere Lebensdauer der Instant-Nudeln dürfte auf die resistente Stärke zurückgehen, die beim Vorkochen und Trocknen der Nudeln entsteht. Sie werden dadurch von Enzymen weniger leicht angreifbar, wirken dadurch jedoch wie Ballaststoffe und reduzieren den Kaloriengehalt, was für den Körper positiv sein kann”, so der Experte gegenüber pressetext. Weitere Faktoren seien die Form und Härte der Nudeln. (pte)



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