Verdis “Rigoletto” in Salzburg bejubelt

Akt.:
Kleine Mädchen mit heruntergelassenen Höschen, der Herzog und seine “Damen” in eindeutig-knienden Posen und eine (auf)reizende “Maddalena” mit definitiv nackten Pobacken und mehr. Diese an einen Softporno erinnernden Accessoires stammen aus dem “Rigoletto”, der Samstagabend im Salzburger Haus für Mozart Premiere hatte und bejubelt wurde. Und zwar aus gutem Grund.


Die eindeutig sexistischen Szenen in der Regie von Amelie Niermeyer sind nicht reißerischer Selbstzweck zum provokativen Anpatzen bürgerlicher Zurückhaltung, sondern verdeutlichten einen Charakter. Nämlich jenen des Herzogs von Mantua, der – fesch und geil und mächtig – seine Position ausnützt und Frauen einfach “nimmt”. Ein testosterongesteuerter Egomane, der Ehemänner, die aufbegehren, foltern und hinrichten lässt.

Davor will der Hofnarr “Rigoletto” seine Tochter “Gilda” beschützen – wer will es ihm verdenken? Aber er sperrt sie bloß ein und macht die Rechnung ohne deren uneinsichtig-blinde Liebe. Das eindrucksvollste Vater-Tochter-Drama der Musikgeschichte nimmt seinen Lauf.

Niermeyer und ihr Team “färben” einen nüchternen, simplen Raum mehrmals um und verzichten weitgehend auf Requisiten. Eine Art Lift im Hintergrund fährt rauf und runter, davor ist viel leere Bühne für eine Geschichte, die sich selbst genügt. Verdis Italianita ist kühl in Salzburg und vielleicht gerade deswegen so wirkungsvoll.

Denn die Gast-Solisten des Salzburger Landestheaters füllen diesen Leerraum. “Rigoletto” Ivan Inverardi spielt den liebevoll-ängstlichen Hofnarren mit schwerem, fülligem Leib und einer Plumpheit, die greifbar-schmerzlich zur Opferrolle nach Victor Hugos Textvorlage passt. Zudem singt der Bariton mit kräftiger, klarer Stimme. Zwar intonationstechnisch nicht perfekt, aber sympathisch und reif im Timbre und – besonders in den genialen Ensembles – auch mannschaftsdienlich. Das gilt auch für “Gilda” Eri Nakamura aus Japan. Ihr metallisch harter Klang ist nicht immer so lyrisch-warm wie er sein könnte, aber akkurat und kontrolliert in allen Lagen. Nakamuras kindlich-eingeschüchtertes Spiel der fanatisch Liebenden ist gewöhnungsbedürftig, der Riesenapplaus am Ende aber belegte: Stimme zählt mehr als Darstellung – zumindest wenn es um eine der bedeutendsten Rollen für lyrischen Koloratursopran geht.

Gut besetzt ist zudem die Rolle des Herzogs von Mantua. Der Albaner Rame Lahaj ist ein Feschak mit herrlich tenoreskem Schmelz und strahlendem Klang, der auf der Bühne einfach gut wirkt. Man ist sogar geneigt, ihm die sehr oft viel zu hoch gesetzten Töne zu verzeihen – sein Glück. Gut ins Solisten-Team integriert präsentierten sich auch die Ensemble-Sänger Alexey Birkus als Mörder Sparafucile, die mutige Tamara Gura als Maddalena, Frances Pappas als korrupte Haushälterin Giovanna und vor allem Einar Gudmundsson als Graf Monterone. Althea Pappas, Simon Schnorr und Franz Supper komplettierten ein insgesamt gutes Sängerensemble.

Nur die Musik hat ein wenig ausgelassen. Adrian Kelly hat die Tempi nie wirklich im Griff gehabt. Von rhythmischer Feinabstimmung kann weder im Mozarteumorchester in sich, noch zwischen Orchester und Bühne gesprochen werden. Besonders schmerzlich in den Chorszenen, die besondere “Fürsorge” nötig gehabt hätten. Schade. Sonst aber ist dieser nüchtern-kraftvolle “Rigoletto” ein voller Erfolg. Das hat auch das Publikum so gesehen und wird – so ist zu wünschen – auch die kommenden sechs Vorstellungen im Haus für Mozart füllen und bejubeln

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