Fortschritte des syrischen Regimes bei Eroberung Aleppos

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Die Armee nahm das Viertel Masaken Hanano am Samstag ein
Die Armee nahm das Viertel Masaken Hanano am Samstag ein - © APA (AFP)
Das syrische Regime macht große Fortschritte bei der Eroberung der von Rebellen kontrollierten Teile von Ost-Aleppo. Nachdem die Soldaten von Präsident Bashar al-Assad am Samstagabend den Bezirk Hanano im Norden der belagerten Gebiete eingenommen hatten, entbrannten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge auch Kämpfe in benachbarten Stadtteilen.

Bereiche in den Bezirken Jabal Badro und Sakhur seien von den Regierungseinheiten eingenommen worden. Die staatliche Nachrichtenagentur berichtete, Jabal Badro sei bereits erobert. Offensichtlich versucht das syrische Regime, eine Schneise in die Rebellengebiete im Osten Aleppos zu schlagen. Damit wäre die Enklave der Aufständischen geteilt und könnte anschließend leichter eingenommen werden.

Die frühere Handelsmetropole Aleppo ist zweigeteilt. Die Truppen von Präsident Bashar al-Assad versuchen mit Hilfe der russischen Luftwaffe, auch den Ostteil einzunehmen. Dies wäre für Assad nach jahrelangen Kämpfen ein wichtiger Sieg. Hanano war im Jahr 2012 das erste Viertel Aleppos, das in die Hände der Aufständischen fiel. Im Osten der Stadt halten sich nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen noch 250.000 Menschen auf. Nach Angaben von Rebellen leben in Hanano aber bereits seit Monaten keine Menschen mehr.

Nach der Rückeroberung des größten Rebellenviertels in Aleppo durch die syrische Armee sind nach Angaben von Aktivisten Hunderte Zivilisten in den von Regierungstruppen kontrollierten Westteil der Stadt geflohen. Mehr als 400 Einwohner seien in der Nacht auf Sonntag aus dem von den Aufständischen gehaltenen Osten der Stadt geflüchtet, teilte die Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Aleppo gilt als eines der wichtigsten Schlachtfelder in Syrien und Symbol für das Bürgerkriegsland. Wenn das Regime den Ostteil der Stadt einnimmt, kontrolliert es wieder alle größeren Städte im Land. Dies könnte auch ein Wendepunkt für den seit mehr als fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg sein.

Die russische Armee als Verbündeter bestätigte das Vordringen der syrischen Regierungstruppen. In den vergangenen zwei Tagen seien im Osten Aleppos fünf Straßenzüge mit etwa 2.000 Gebäuden zurückerobert worden, teilte ein Sprecher der russischen Armee mit. Nach seinen Angaben verließen seit Samstag mehr als 900 Zivilisten die umkämpften Stadtteile, wie die Agentur Interfax meldete.

Die Zustände im Osten Aleppos sind verheerend. Nach heftigen Bombardierungen in den vergangenen Wochen durch das syrische Regime und seine Verbündeten, zu denen auch Russland zählt, sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) acht von neun Krankenhäusern außer Betrieb. Das internationale Rote Kreuz hatte zuletzt berichtet, dass in dem eingekesselten Gebiet die Nahrungsmittel zur Neige gehen. Dort sollen sich noch mehr als 250.00 Menschen aufhalten.

Zudem sind viele Flüchtlinge nach dem Vordringen der Armee im Osten der Stadt unterwegs: Während Hunderte vor den Soldaten Assads in andere Rebellenteile ziehen, seien 400 Menschen in den von der Armee eroberten Bezirk geflohen, teilte die Beobachtungsstelle mit. Viele der Menschen, die mit den Aufständischen sympathisieren, haben keine Hoffnung mehr, den Ostteil der Stadt halten zu können. “Es ist alles vorbei”, sagte ein Bewohner Aleppos der Deutschen Presse-Agentur.

(APA/dpa/ag.)

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