Vertrauenskrise gegenüber Europa erfasst Welt der Normen

Die Vertrauenskrise gegenüber Europa hat auch europäische Normungen erfasst. Normierungen befinden sich im Spannungsfeld zwischen Internationalisierung und nationalem Protektionismus. Das Austrian Standards Institute, das Sitze in entsprechenden internationalen Instituten hat, will sich rechtzeitig mit solchen Sachlagen beschäftigen, sagte Direktorin Elisabeth Stampfl-Blaha Dienstagabend in Wien.

Die Skepsis gegenüber internationalen Harmonisierungen steige, so Stampfl-Blaha. Bis vor Kurzem sei es unbestritten gewesen, den Weg europäischer Standardisierungen zu gehen. Präsident Walter Barfuß hob die Bedeutungen von Standardisierungen für Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft hervor. Um, wie er sagte, über den heimischen und europäischen Tellerrand hinaus zu blicken, berät sich die Spitze von Austrian Standards mit Mitgliedern seines sogenannten und prominent besetzten Honorary-Bords (Ehrenrats), dessen Mitglieder beim Pressegespräch auch anwesend waren.

Der Vorsitzende des Beirats, der frühere ÖVP-Politiker und EU-Kommissar Franz Fischler, sagte unter Verweis auf TTIP und bezogen auf Lebensmittelsicherheit, dass sich die Systeme in Europa und den USA so massiv unterscheiden würden – Stichwort Vorsorgeprinzip hierzulande -, dass bezogen auf Lebensmittel praktisch kein Kompromiss zwischen den beiden Philosophien möglich sei. Prinzipiell warnte Fischler vor einer protektionistischen Wirtschaftsweise, die gerade für Exportnationen wie Österreich fatal wäre. Am besten wäre, man könnte den internationalen Handel über die WTO vorantreiben. Leider sei dies seit dem Scheitern in Doha aber nicht mehr möglich. Bezogen auf die EU-Handelsabkommen müsse die Union künftig offener kommunizieren. Teile würden ohnehin geleakt, “meist aber dann auch nur Sachen, die einem bestimmten Interesse dienen”.

Claus Raidl, auch Mitglied des Beirats, betonte den wirtschaftlichen Nutzen, den Normungen bringen könnten. Als Beispiel zog er die Traktorsitznormung heran, die von der EU eingeführt wurde. Das sei zwar belächelt worden, schlussendlich sei aber erst dadurch ein europaweiter Markt für alle Firmen der Branche hergestellt worden. “Gerade für ein kleines Land wie Österreich können solche Normungen einen Motor darstellen”, so der Notenbank-Präsident. Selbes gelte für Handelsabkommen à la CETA.

Grundsätzlich gehöre aber auch hinterfragt, was man nicht normen soll oder braucht. Darüber war sich die gesamte Austrian-Standards-Spitze einig.

(APA)

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