Verwirrung um Notarztstützpunkt in Straßwalchen

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Elf Bürgermeister aus dem Innviertel kämpfen um eine bessere medizinische Versorgung in der Region (Symbolbild).
Elf Bürgermeister aus dem Innviertel kämpfen um eine bessere medizinische Versorgung in der Region (Symbolbild). - © Bilderbox
Bis zu 45 Minuten müssen Patienten im Flachgau und im angrenzenden Innviertel im Notfall auf einen Notarzt warten. Bürgermeister der Region wünschen und fordern einen Stützpunkt in Straßwalchen (Flachgau), um den Bedarf zu decken. Der zuständige Salzburger Landesrat Christian Stöckl (ÖVP) behält Stillschweigen, Oberösterreich stellt sich quer – würde aber eine Prüfung durchführen, sollte sich Salzburg dazu entschließen.




„Die notärztliche Versorgung im Flachgau und im angrenzenden Bezirk Braunau ist zwischen 23 und 6 Uhr nicht gegeben“, prangert Michael Perkmann (SPÖ), Vizebürgermeister in Neumarkt am Wallersee (Flachgau) im Gespräch mit SALZBURG24 an. Die nächstegelegenen Notarztstützpunkte sind in der Stadt Salzburg, Vöcklabruck, Ried und Braunau – von dort aus betragen die Fahrtzeiten in das Salzburger Seengebiet und die angrenzenden Gemeinden, wie etwa Lengau und Lochen, bei schlechten Witterungsverhältnissen bis zu 45 Minuten. „45.000 Menschen leben in der Region, die in der Nacht ohne notärztliche Versorgung sind“, weiß Erich Rippl (SPÖ), Bürgermeister von Lengau (Bez. Braunau).

Oberösterreichische Bürgermeister kämpfen für Notarzt

Elf oberösterreichische Bürgermeister, allen voran der Lengauer Ortschef, setzen sich dafür ein, dass im Zuge des Neubaus der Rot-Kreuz-Stelle in Straßwalchen auch ein Notarztstützpunkt eröffnet wird, durch den auch das Mattigtal und das Südinnviertler Seengebiet mitversorgt werden könnte.  “Der Weg von Braunau oder Salzburg nach Lengau ist lang. Vor allem, wenn es um jede Minute geht”, argumentiert Rippl, denn „Feuerwehr und Rettung dürfen ohne Notarzt keine Bergungen durchführen“, weiß Perkmann. Auch der Hubschrauber kann in der Nacht und bei schlechten Wetterverhältnissen nicht starten. Den Einsatzkräften von Rotem Kreuz und Feuerwehr sind die Hände gebunden.

Insgesamt würden für einen Stützpunkt laut Rippl 400.000 Euro jährlich an Betriebskosten anfallen. Er als Bürgermeister wäre auch bereit in seiner Gemeinde einen „Notarzteuro“ einzuführen, erklärt er im Interview. Die restlichen Kosten müssten von Oberösterreich und dem Land Salzburg übernommen werden.

Haberlander sieht keinen Bedarf

Die zuständige oberösterreichische Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) hat einer Anfrage Rippls eine Abfuhr erteilt. Auf Anfrage heißt es aus dem Büro Haberlander „Es geht nicht nur um die Kosten. Die Fallzahlen sind einfach zu gering, um in dieser Region einen eigenen Notarztstützpunkt zu installieren.“ Bei der Ablehnung der Anfrage im oberösterreichischen Landtag erklärte Haberlander, dass es Seitens Salzburgs keine finanzielle Unterstützung gäbe.

Darüber hinaus sei es sehr schwer geeignete Mitarbeiter zu finden und auch die Qualifikation der Notärzte aufrecht zu halten. „Ein Notarzt braucht jährlich über tausend Einsätze, um in Übung zu bleiben. Davon abgesehen, ist durch den hausärztlichen Notdienst (HÄND) und First Responder der Bedarf in der Region abgedeckt“, so Stefanie Stöger aus dem Büro Haberlander.

Erich Rippl

Erich Rippl posted a video to his Timeline.

Geheime Gespräche über Stützpunkt in Straßwalchen

Auch der Straßwalchener Bürgermeister Friedrich Kreil (ÖVP) wünsche sich einen Notarztstützpunkt in seiner Gemeinde, jedoch sei das eine Entscheidung von Landesrat Stöckl. Gegenüber SALZBURG24 bestätigt dieser: „Derzeit werden alle Möglichkeiten betreffend der notfallmedizinischen Versorgung in der Region Straßwalchen sowie in den Grenzgebieten von Oberösterreich abgeklärt. In die laufenden Gespräche sind alle Beteiligten, also Land, Bürgermeister, Rotes Kreuz und Ärzte eingebunden.“ Doch über den Inhalt der Gespräche und deren aktuellen Stand schweigen sowohl Stöckl als auch Kreil.

Keine Lösung in Sicht

Eine länderübergreifende Lösung für einen Notarztstützpunkt gibt es im Moment nicht. Oberösterreich würde, sollte sich das Land Salzburg zu einem Aufbau eines Stützpunktes in Straßwalchen entscheiden, die zuständige Fachabteilung und das Rote Kreuz beauftragen eine Prüfung über die Durchführbarkeit durchzuführen.

Auch für das Rote Kreuz Salzburg spräche nichts dagegen, den Standort auszustatten und zu übernehmen, jedoch „muss das Landesrat Stöckl entscheiden, das ist eine politische Entscheidung“, erklärt RK-Pressesprecher Matthias Leinich.

 

 

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