Viele Tote bei Armeeangriffen auf Ost-Aleppo

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Zerstörung so weit das Auge reicht
Zerstörung so weit das Auge reicht - © APA (AFP)
Bei Luft- und Artillerieangriffen der syrischen Armee auf Rebellengebiete in der Stadt Aleppo sind am Donnerstag nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 25 Zivilisten getötet worden. Demnach wurden mindestens sechs von bewaffneten Aufständischen gehaltene Viertel in der zweitgrößten syrischen Stadt getroffen.

Die einstige Wirtschaftsmetropole im Norden des Landes ist seit dem Sommer 2012 zwischen Rebellen und Regierungstruppen geteilt und schwer umkämpft. Ein AFP-Reporter berichtete aus dem östlichen Stadtteil Bab al-Nayrab, dort sei eine Zivilschutzeinrichtung bombardiert worden, ohne dass es Opfer gegeben habe.

Seit Mitte Juli sind die bewaffneten Gruppen im Ostteil der Stadt eingekesselt. Dort leben schätzungsweise 250.000 Menschen, die mittlerweile kaum noch etwas zu Essen und zu Trinken haben. Auch die medizinische Versorgung ist in weiten Teilen zusammengebrochen.

Die in Großbritannien ansässige, oppositionsnahe Beobachtungsstelle, die ihre Informationen von Aktivisten in Syrien bezieht und deren Angaben von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind, gab die Zahl der seit Dienstag in Ost-Aleppo getöteten Zivilisten mit insgesamt 65 an.

Im September hatten die Regierungstruppen eine Offensive gestartet, um Aleppo wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei wurden sie von russischen Luftangriffen unterstützt. Die Rebellen hatten Ende Oktober ihrerseits mit einer Offensive mit Raketen und Mörsergeschoßen versucht, den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen.

Zu dem Rebellenbündnis gehören unter anderem die Jihadisten der Fateh-al-Sham-Front (Armee der Eroberung), die bis zu ihrer selbsterklärten Abspaltung vom Al-Kaida-Netzwerk Al-Nusra-Front hieß. In dem von Regierungssoldaten gehaltenen Westteil von Aleppo lebt geschätzt mehr als eine Million Menschen.

Bei den Luftangriffen auf den Osten Aleppos war am Mittwoch nach übereinstimmenden Angaben auch ein Kinderkrankenhaus getroffen worden. Der Malteser Hilfsdienst, der das Kinderkrankenhaus seit Juli 2015 unterstützt, erklärte dazu am Donnerstag, das Untergeschoß der Klinik, wo sich die Patienten seit Wochen aus Sicherheitsgründen aufhalten, sei “erheblich beschädigt” worden. Die Vorräte und Medikamente reichten “nur noch für kurze Zeit”. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen wurde auch ein chirurgisches Krankenhaus getroffen.

Die in Aleppo tätige Hilfsorganisation Oxfam warnte vor einer humanitären Katastrophe in der Stadt. Sie lieferte nach eigenen Angaben einen zweiten leistungsfähigen Generator in den Ostteil, der die Versorgung mit Wasser “deutlich verbessern” soll.

Der Bürgermeister der von Regierungstruppen belagerten Stadtteile warnte, vor dem herannahenden Winter würden Treibstoff und Lebensmittel knapp. Nach Informationen der Vereinten Nationen leben noch 250.000 Menschen in den Rebellengebieten Aleppos. Ost-Aleppo ist seit der Anfang Juli von der Regierung mit russischer und iranischer Hilfe gestarteten Offensive weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Lage im syrischen Aleppo wird für die Bewohner immer unerträglicher, schrieb auch Franziskanerpater Firas Lufti, der als Projektpartner des deutschen katholischen Hilfswerks Misereor in Aleppo tätig ist, am Donnerstag laut Kathpress in seinem Blog. “Sie sind völlig am Boden zerstört und können eine weitere Zeit des Tötens unschuldiger Menschen einfach nicht mehr ertragen”.

Moskau hatte im September 2015 auf Ersuchen des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad in den Bürgerkrieg eingegriffen. In dem Konflikt, der im März 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen den autoritär regierenden Assad begonnen hatte, wurden Schätzungen zufolge mehr als 300.000 Menschen getötet und Millionen in die Flucht getrieben.

(APA/ag.)

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