Vienna Biennale: Wechselwirkung von Robotik und Arbeit

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MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein
MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein - © APA (Archiv)
Die zweite Vienna Biennale, die am Dienstag eröffnet wird, hat sich dem digitalen Wandel verschrieben. Konkret dreht sich der vielseitige Reigen aus Ausstellungen, Diskussionsrunden und Forschungsprojekten um die Wechselwirkung von Robotik und Arbeit. “Wir steuern auf eine totale digitale Transformation in weiten Teilen der Welt zu”, unterstrich MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein.

Der Initiator und Leiter der Biennale hob bei der Presseführung durch die diversen Programmpunkte – neben seinem eigenen Haus sind auch das Architekturzentrum Wien, die Universität für Angewandte Kunst, die Kunsthalle Wien, die Wirtschaftsagentur Wien sowie das Austrian Institute of Technology beteiligt – besonders die Gegensätzlichkeit der derzeitigen Entwicklung hervor. Einerseits ergeben sich durch neue Anwendungsmöglichkeiten, durch eine Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge viele Fortschritte, die beispielsweise im medizinischen Bereich sichtbar werden.

“Es gibt aber auch viele Gefahren”, so Thun-Hohenstein. Wenn Systeme und Algorithmen so extrem weiterentwickelt werden, dass eine Superintelligenz entsteht (auch Singularität genannt), wie kann man der noch Paroli bieten? “Wir haben keine Ahnung, in welchem Forschungslabor derzeit daran gebastelt wird. Und ich dramatisiere das gar nicht.” Anders als die Nuklearindustrie gebe es in diesem Bereich keine wirkliche Kontrollinstanz. “In vielleicht fünf, vielleicht auch 30 Jahren wird es soweit sein. Wir aber haben eine relaxte Haltung, als ob uns das alles nichts anginge.”

Wohin nun die digitale Transformation führt, welche Auswüchse sie bereits heute angenommen und was sie für das Leben der Menschen, insbesondere aber die Arbeitswelt bedeutet, das wird bei der Vienna Biennale bis Anfang Oktober anhand von zehn Ausstellungen vor Augen geführt. Im MAK selbst ist es etwa “Hello, Robot”, gemeinsam mit dem Vitra Design Museum sowie dem Design museum Gent entwickelt: Anhand von 14 Fragen werden die Besucher mit Robotern konfrontiert – von den menschenähnlichen Figuren, die man aus Comics oder Sci-Fi-Abenteuern kennt, bis zu jenen, die schon jetzt in der Krankenpflege oder Industrie eingesetzt werden.

Nur wenige Schritte weiter, ebenfalls im MAK, ist die Stadtfabrik eingezogen: Die Kooperation von MAK und departure hat weniger die technologischen Auswüchse im Blickfeld, als jene der Arbeitswelt. Hier wird allen voran ein gemeinschaftlicher Ansatz verfolgt, wenn die Objekte und Vorhaben in “kreative, soziale und nachhaltige Arbeit” unterteilt werden. Eher popkulturell, vor allem aber emotional zeigt sich “ARTIFICIAL TEARS”: 13 künstlerische Positionen arbeiten sich hier an Trauer, Wut, Freude oder anderen, den Menschen bestimmenden Eigenschaften ab. Was geben wir aber her, wenn wir uns der Technologie aussetzen?

Ähnlich der Ansatz der Kunsthalle am Karlsplatz: In “Work it, feel it” begegnet man der Selbstoptimierung, die von der Arbeitswelt schon längst auf das Private übergesprungen ist und den eigenen Körper in Besitz genommen hat. Besser, schneller, fitter will man demnach werden. Die Angewandte zeigt in ihrem Innovation Lab sich drehende Bürosessel, den letzten Skipper im Mittelmeer oder Tongefäße, hergestellt von einer Maschine. Der Mensch ist hier nur noch Beobachter. Gleichzeitig sollen in einem “Research”-Bereich alle dazu aufgerufen sein, sich über wegbrechende Jobs Gedanken zu machen. Mittels Formulare werden hier gefasste Ideen auch an das Wissenschaftsministerium übermittelt.

Komplettiert wird das Programm durch “Care + Repair” am Nordbahnhof, wo ein innerstädtischer Entwicklungsraum zur architektonischen Auseinandersetzung genutzt werden soll. Das Az W hat dafür sechs internationale Architektenteams geladen, die unterschiedliche Positionen präsentieren, aber auch vor Ort mit Akteuren aus anderen Bereichen zusammenarbeiten sollen. Letztlich ist ein dreijähriges Forschungsprojekt angesetzt. “Die Koexistenz zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren ist immer ganz konkret im Lokalen zu behandeln”, sagte Elke Krasny vom Az W.

“Wir wollen eine breite öffentliche Diskussion darüber anstoßen und zwar nicht nur in Österreich”, betonte Thun-Hohenstein abschließend über das generelle Thema der Biennale. Gerade die Kreativsparten Kunst, Design und Architektur, die im Zentrum stehen, bieten aus seiner Sicht Möglichkeiten, sich den Herausforderungen zu stellen, sowie neue Lösungsansätze zu entwickeln. Nicht zuletzt in punkto Klimawandel könnte dank technischer Neuerungen bedeutend mehr unternommen werden, als es jetzt der Fall ist. Und die Arbeiten im Rahmen der Ausstellungen zeigen: Der eigenen Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt.

(APA)

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