Villazons Inszenierung von “La Rondine” in der Grazer Oper

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Geschmackvolle Umsetzung durch Opernstar Villazon
Geschmackvolle Umsetzung durch Opernstar Villazon - © APA (Hochmuth)
Nicht der Tod, kein böser Vater oder Nebenbuhler und kein herber Schicksalsschlag beenden in Giacomo Puccinis Oper “La Rondine” (“Die Schwalbe”) die Beziehung des Liebespaares. Die Frau erkennt einfach, dass ihre Liebe vorbei ist und beendet die bittersüße Romanze. Die Oper wurde am Donnerstag erstmals in Graz gezeigt, und das Publikum erfreute sich an Rolando Villazons geschmackvoller Umsetzung.

Puccinis Werke sind nur an der Oberfläche romantisch, darunter ist eine gewisse Härte und Kälte spürbar, die die Menschen in seinen Opern auseinander treibt. Bei seinem frühen Werk “La Rondine” ist das noch nicht durch tödliche Krankheit oder böse Kontrahenten verbrämt, hier macht die Frau deutlich, dass für sie die Sache einfach vorbei ist. Während ihr Liebhaber noch von gemeinsamen Kindern und der ewigen Fürsorge seiner Mutter – vermutlich mit ein Grund, warum die Geliebte das Weite sucht – träumt, hat sie sich schon innerlich von ihm entfernt. Und während er noch in der Sommeridylle herumwinselt, ist sie wieder im Kreise ihrer Freundinnen und schwebt gleichsam davon.

Dass sich dieses Werk auf den Opernbühnen nicht durchsetzen konnte, liegt nicht nur an der ironisch gebrochenen Romantik, sondern auch am noch vorsichtigen Herantasten des Komponisten an seine spätere Größe. Einige Teile sind sehr gelungen und wunderschön, so Magdas Lied von Sehnsucht und Liebe, das Ensemble am Ende des zweiten Akts oder Ruggeros Liebesbeteuerungen im dritten Akt. Eher im Operettenstil gehalten ist die Figur der quirlig-nervenden Lisette als Gegenstück zur ernsthafteren, klaren Magda. Das gelang Puccini später bei Mimi und Musette um Klassen besser, auch wenn sich hier manches schon ankündigt.

Rolando Villazon wählte einen großen Bilderrahmen als Hintergrund, wo sich Tizians “Venus von Urbino” rekelte, später ist dort ein Motiv von Magritte (Bühne: Johannes Leiacker) zu sehen. Seine gesichtslosen Männer tauchen auf, und als Magda zuletzt Ruggero auch eine weiße Maske überstülpt, macht sie ihn zu einem der austauschbaren Liebhaber, die noch kommen werden. Angesiedelt ist die Geschichte in den 20er-Jahren, die Kostüme (Brigitte Reiffenstuel) tragen viel zur Atmosphäre bei. Erzählt wird eine klare, einfache Geschichte, und auch das ist einmal schön.

Die musikalische Leitung lag bei Marco Comin, der Puccini stellenweise sehr schön leuchten ließ und sich an die Sänger anpasste. Sophia Brommer war als Magda eine Idealbesetzung, stimmlich und optisch gleichermaßen elegant und sicher. Als ihr Liebhaber Ruggero mühte sich Mickael Spadaccini redlich und bot eine solide Leistung. Die Zofe Lisette war bei Tatjana Miyus in guten Händen, Füßen und Stimmbändern, während Pavel Petrov als Prunier etwas schablonenhaft blieb. Als Magdas ehemaliger – und zukünftiger? – Gönner agierte Wilfried Zelinka mit Noblesse und wohltönender Stimme. Ob die aus der Deutschen Oper Berlin importierte Schwalbe zum Publikumshit wird, bleibt abzuwarten, eine erfreuliche Bereicherung des Spielplans ist sie allemal.

(APA)

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