voestalpine-Gewinn im ersten Halbjahr 2016/17 fast halbiert

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Der Umsatz ging um 6,5 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro zurück
Der Umsatz ging um 6,5 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro zurück - © APA
Der börsennotierte Stahlkonzern voestalpine hat heuer im ersten Halbjahr 2016/17 einen Gewinneinbruch erlitten. Das Ergebnis nach Steuern sank um 44,5 Prozent auf 233,7 Mio. Euro, wie das Unternehmen heute, Mittwoch, mitteilte. Grund dafür seien “signifikant positive Einmaleffekte” im Vergleichszeitraum des Vorjahres bzw. Konsolidierungsumstellungen. Die Ergebnisse seien nur bedingt vergleichbar.

Rückläufig war allerdings auch der Umsatz, der sich gegenüber der Vorjahresperiode wegen des “deutlichen Abschwungs der Öl und Gasindustrie” um 6,5 Prozent von 5,79 auf 5,41 Mrd. Euro verringerte. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ging um 21 Prozent auf 704,9 Mio. Euro zurück, die Marge verschlechterte sich von 15,4 auf 13 Prozent. Der Betriebsgewinn (EBIT) schmolz um 35,9 Prozent auf 368,9 Mio. Euro, die EBIT-Marge verminderte sich von 9,9 auf 6,8 Prozent. Der Gewinn je Aktie (EPS) brach um 44,1 Prozent von 2,29 auf 1,28 Euro ein.

Die um die Sondereffekte bereinigten Werte zeigen laut voestalpine die tatsächliche operative Entwicklung, “die im Jahresvergleich dennoch negativ bleibt”. Der Abschwung der Öl- und Gasindustrie habe besonders tiefe Spuren im Unternehmensbereich Metal Engineering Division (Nahtlosrohre zur Öl- und Gasexploration) und in etwas moderaterer Form auch in der Steel Division (Grobbleche für Pipelines) sowie in der Special Steel Division (Spezialwerkstoffe für die Öl-und Gasexploration) hinterlassen.

Die Metal Forming Division hingegen habe dank der “hervorragenden Automobilkonjunktur bei gleichzeitig erfolgreicher Umsetzung ihrer Internationalisierungsstrategie” im Jahresvergleich sowohl beim Umsatz als auch den Ergebnissen deutlich zugelegt.

Im Verlauf des ersten Halbjahres ging es bei der voestalpine erkennbar bergauf: “Das zweite Quartal ist im Vergleich zum ersten Quartal durch einen deutlichen Aufwärtstrend gekennzeichnet”, betonte Konzernchef Wolfgang Eder. Das EBITDA habe sich im zweiten Quartal 2016/17 gegenüber dem Vorquartal um 11,1 Prozent “spürbar verbessert”, das EBIT um 20,1 Prozent. Dazu trug vor allem die Steel Division bei.

Die bereinigten Ergebnisse des Vorjahres will die voestalpine heuer im Gesamtjahr 2016/17 (per Ende März) zumindest erreichen: das Betriebsergebnis (EBIT) sollte “unverändert annähernd auf Höhe des (bereinigten) Wertes des vergangenen Geschäftsjahres zu liegen kommen”. Beim operativen Ergebnis (EBITDA) erscheine auf Basis der Halbjahresziffern eine Wiederholung des (bereinigten) Vorjahresergebnisses möglich, hieß es.

Von der gesamten Stromaufbringung des Verbund-Konzerns von 45.072 GWh (+8,1 Prozent) in den ersten neun Monaten entfielen 25.089 GWh (+0,5 Prozent) auf die Eigenerzeugung. Dabei stieg die Stromproduktion aus Wasserkraft (samt Bezugsrechten) um 4,6 Prozent auf 23.798 GWh.

Die Wasserführung lag heuer bis September mit einem Erzeugungskoeffizienten von 1,01 um 7 Prozent über dem Niveau der ersten drei Quartale 2015 und um ein Prozent über dem langjährigen Durchschnitt, erklärte der Verbund am Mittwoch.

Die Stromerzeugung aus Wind/Sonne sank – wegen geringeren Windaufkommens in Rumänien und Betriebseinschränkungen in Deutschland – um 11,7 Prozent auf 585 GWh, und jene aus Wärmekraft schrumpfte um 54,8 Prozent auf 707 GWh, vor allem wegen der vorjährigen Stilllegung des Kraftwerks Dürnrohr (um 667 GWh weniger Erzeugung im Jahresabstand). Die Gas-Kombi-Anlage Mellach erzeugte wegen geringeren Einsatzes für das Engpassmanagement um 80 GWh weniger Strom, und das benachbarte Kohlekraftwerk Mellach hatte eine um 111 GWh geringere Erzeugung.

Der Stromabsatz (ohne Eigenbedarf) wuchs um 9,6 Prozent auf 42.533 GWh. Dabei kletterte die Abgabe an Endkunden um 27,2 Prozent auf 8.448 GWh. Im Privatkundenbereich belief sich der Kundenstock Ende September auf rund 374.000 Strom- und Gaskunden. Der Stromabsatz an Weiterverteiler erhöhte sich im Jahresabstand wegen höherer Nachfrage in Österreich und Frankreich um 7,6 Prozent auf 19.710 GWh und jener an Händler um 3,8 Prozent auf 14.375 GWh.

Die Stromerlöse des Verbund wuchsen bis September um 42,7 Mio. auf 1,719 Mrd. Euro, wobei die Absatzpreise im Schnitt marktbedingt sanken – Termin- und Spotmarktpreise für 2016 waren rückläufig. Die Netzerlöse sanken bis September um 46,7 Mio. auf 287,0 Mio. Euro. Die sonstigen Erlöse stiegen um 20,4 Mio. auf 116,5 Mio. Euro – primär wegen höherer Erlöse aus Gaslieferungen für Dritte. Die sonstigen betrieblichen Erträge wuchsen um 107,7 Mio. auf 154,8 Mio. Euro. Die Bereinigung offener Mellach-Themen zwischen Verbund und EconGas brachten dem Verbund 118,0 Mio. Euro Ertrag, gegenläufig wirkte der Wegfall des 2015 erzielten Windpark-Veräußerungsgewinns in Bulgarien.

Die Aufwendungen für den Strom-, Netz-, Gas- und Zertifikate-Bezug stiegen um 82,7 Mio. auf 1,028 Mrd. Euro. Die Brennstoff-Aufwendungen sanken wegen geringerer thermischer Erzeugung um 29,7 Mio. auf 57,4 Mio. Euro.

Der Personalaufwand sank um 2,7 Mio. auf 233,7 Mio. Euro. Der durchschnittliche betriebswirtschaftliche Personalstand lag heuer in den ersten drei Quartal mit 2.934 um 5,5 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert (3.107).

Die Wertminderungen blieben in den neun Monaten mit 90,3 Mio. Euro (nach 63,6 Mio. Euro im gleichen Vorjahreszeitraum) praktisch unverändert gegenüber jenen des ersten Halbjahres (90,4 Mio. Euro). Wie schon damals erklärt wurde, resultierten die Wertminderungen im wesentlichen aus dem Rumänien-Windpark (57,2 Mio. Euro), den Laufwasserkraftwerken Gössendorf und Kalsdorf (16,5 Mio. Euro) und dem Gas-Kombikraftwerk Mellach (15,5 Mio. Euro).

Für sein steirisches Gaskraftwerk Mellach prüft der Verbund ja “alle Optionen” und hofft, dazu bis Jahresende eine Richtungsentscheidung treffen zu können. Der Bogen reicht von Stilllegen, Einmotten, Verkauf von Komponenten bis zum kompletten Verkauf. In den Bau wurden rund 550 Mio. Euro investiert, das Kraftwerk wurde bis auf 17 Mio. Euro abgeschrieben.

Das Eigenkapital des Verbund erhöhte sich bis September gegenüber Ende 2015 leicht um 2,0 Prozent auf 5,545 Mrd. Euro. Die Nettoverschuldung verringerte sich in diesen neun Monaten um 10,6 Prozent auf 3,295 Mrd. Euro, und der Nettoverschuldungsgrad verbesserte sich auf 59,4 (67,8) Prozent.

(APA)

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