voestalpine von US-Strafzöllen betroffen

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Vorwurf des Dumpings bei bestimmten Exportprodukten
Vorwurf des Dumpings bei bestimmten Exportprodukten - © APA
Das US-Handelsministerium wirft Stahlfirmen aus Europa und Asien Dumping bei bestimmten Exportprodukten vor. Gegen sie wurden vorläufige Importzölle verhängt, wie das Ministerium am Montag mitteilte. Geringfügig betroffen ist auch die Linzer voestalpine. Voest-Chef Wolfgang Eder sieht das jedoch “gelassen”. Konkret geht es um zugeschnittene Bleche aus Kohlenstoff- und Legierungsstahl.

Wolfgang Eder sagte am Dienstag in Brüssel, da geht es um einige tausend Tonnen, nicht um Hunderttausende oder gar Millionen, sondern sehr geringe Mengen. “Das ganze kommt für uns nicht ganz erwartet und wir werden das ordentlich abarbeiten”. Außerdem gehe es “nicht um einen massiven wirtschaftlichen Ertrag oder um ergebnismäßige Bedrohungen. Das ist ein Randaspekt im großen Spiel, das derzeit abläuft”.

Der Vorstandsvorsitzende der voestalpine sieht angesichts der Überproduktion und des Billigimports aus China Strafzölle nicht als probates Mittel an. Angesprochen auf die jüngsten Aussagen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, dass die USA zehnmal so hohe Schutzzölle verhängten als Europa, zeigte sich Eder zurückhaltend. “Ich mache kein Hehl daraus, dass ich kein Freund von Antidumping-Maßnahmen bin.” So angebracht sie im Einzelfall auch sein mögen, stellten sie “niemals eine dauerhafte Lösung dar”.

Der voestalpine-Chef konzedierte, dass solche Maßnahmen helfen, “gewisse Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten vorübergehend zu bereinigen. Aber das Problem, das wir heute haben, sind Überkapazitäten”. Eder meinte, “wir brauchen nicht Antidumping-Maßnahmen und damit mehr oder weniger Mauern rund um einzelne Länder oder Regionen. In einer globalisierten Welt kann man das nicht zurückdrehen, das ist der falsche Ansatz. Sondern man muss die Probleme an der Wurzel lösen und die Kapazitäten dem Bedarf anpassen”.

Amerika sei außerdem “wesentlich rigider, wenn sie die eigenen Grenzen dicht machen. Das hat aber nicht nur Vorteile. Es klingt komfortabel, führt aber dazu, dass der Druck in Richtung Kostenoptimierung, technologischer Aufrüstung oder permanenter Innovation nicht sehr groß ist. Das wiederum kann dazu führen, dass mit dem Schutz und den Antidumping-Maßnahmen ganze Industriebereiche im globalen Kontext nicht mehr wettbewerbsfähig sind”.

Die von den Zöllen betroffenen Bleche werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt: unter anderem im Haus- und Brückenbau, als Maschinenteile und im Schiffsbau. Betroffen sind neben der voestalpine weitere Firmen aus Deutschland, Frankreich, Belgien, China, Italien, Japan, Südkorea und Taiwan. Die Ermittlungen erfolgen auf Antrag des US-Stahlkonzerns Nucor sowie der amerikanischen Töchter von ArcelorMittal und SSAB.

Die voestalpine hatte erst am Nationalfeiertag ein in knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit errichtetes Roheisenwerk im US-Staat Texas eröffnet. Die Investition belief sich auf 550 Millionen Euro. Man wolle in Amerika kräftig expandieren, sagte CEO Wolfgang Eder bei dieser Gelegenheit.

(APA/ag.)

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