VÖZ hebt den Stellenwert der Presse hervor

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Kralinger blickt mit Sorge in die Türkei
Kralinger blickt mit Sorge in die Türkei - © APA
Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) hat am Donnerstag anlässlich der Präsentation seines heurigen “Public Value-Berichts” den Stellenwert der Presselandschaft für eine offene Demokratie beschworen. Präsident Thomas Kralinger ging in seinem Statement auf die aktuelle Debatte über “Fake News” ein: “Eine funktionierende Öffentlichkeit ist der Sauerstoff einer freien Gesellschaft.”

“Wir dürfen den öffentlichen Diskurs nicht den gefälschten Nachrichten überlassen”, warnte der “Kurier”-Geschäftsführer. Vertrauen sei ein menschliches Grundbedürfnis, und Medienmarken, die es schafften, dem Publikum dies auch in Zukunft zu bieten, würden erfolgreich sein, zeigte er sich überzeugt. Allerdings brauche es dafür auch “zeitgemäße gesetzliche Rahmenbedingungen” und “faire Spielregeln” durch die nationale und europäische Politik. “Wenn wir nicht bald das Tempo erhöhen, dann wird es zu einem demokratiepolitischen Marktversagen kommen.”

“Eine freie Presselandschaft ist ein Garant für die Freiheit des Wortes”, so Kralinger weiter. Daher blicke der VÖZ auch mit Sorge in die Türkei und die dortigen Verstöße gegen die Pressefreiheit. Das “freie Wort” sei schon die “Basis antiker Demokratien” gewesen “und ist auch heute fundamentaler Bestandteil freier Gesellschaften”.

Die “sozialen” Netzwerke hätten eine “bestimmte neue Kommunikationskultur” etabliert, stellte Udo Di Fabio vom Institut für Öffentliches Recht an der Universität Bonn fest. “Eine Fragmentierung von Kommunikationsräumen droht einzutreten oder ist schon eingetreten. Die Verwilderung der Sitten ist eine Gefahrenlage für die offene Demokratie.” Die Medien müssten Angriffen auf ihre Rolle als “Gatekeeper” entgegentreten, indem ihre “Ordnungsleistung” deutlicher hervorgehoben werde: “Unsere Gesellschaft krankt daran, dass sie den Wert von Institutionen insgesamt zu gering schätzt.”

Di Fabio nahm aber auch die journalistische Zunft in die Pflicht. Er erinnerte an die Silvesternacht in Köln und daran, dass die Medien erst nach Tagen über die Übergriffe ausländischer Männer auf Frauen berichtet hätten. “Hier muss sich der journalistische Ethos fragen lassen, ob er wirklich Informationen zurückhalten kann.” Und die Bürger wiederum müssten sich der Frage stellen, ob sie bereit seien, etwas in das Gut der Information zu investieren.

In einer Podiumsdiskussion wurde dann noch erörtert, ob es sich bei Facebook denn nun um ein Medium handle oder um eine technische Plattform. Der Sozialphilosoph Alfred Pfabigan sah ein neues Medium, das sich derzeit “in der Pubertät” befinde. Es brauche einen “Zivilisierungsprozess”, den der Gesetzgeber einleiten müsse. “Jede Medienrevolution hatte eine wilde Zeit, und dann ist das eingeschränkt worden.”

“Falter”-Herausgeber Armin Thurnher dagegen verwies darauf, dass Mark Zuckerbergs Konzern eine redaktionelle Ordnungsfunktion definitiv verweigere. Auch, dass “prominente Journalisten” die Netzwerke zur Eigenpromotion nutzten, ziehe “den traditionellen Medien den Teppich weg”. Rainer Nowak, Chefredakteur der “Presse”, hält aber nichts davon, sich Facebook und Co. zu verweigern. “Das ist jetzt nun mal da, und es geht nicht weg und wird immer stärker.” Man müsse neue Kanäle auch nutzen, schließlich könnten diese Reichweite generieren – “da kommt schon Geld herein”. Regulatorisch müsse aber gelten: “Gleiches Recht für alle.”

(APA)

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