Volkskrankheit Rheuma: Pinzgauer Reha-Zentrum treibt Forschung voran

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Rund zwei Millionen Österreicher sind von rheumatischen Erkrankungen betroffen. (Symbolbild)
Rund zwei Millionen Österreicher sind von rheumatischen Erkrankungen betroffen. (Symbolbild) - © Bilderbox
Ob Kleinkinder oder Menschen in hohem Alter, ob Gelenke oder Knochen: Die Krankheit Rheuma hat viele Gesichter. Rund zwei Millionen Österreicher sind betroffen, im Jahr 2015 verursachte sie außerdem die häufigsten Krankheitstage. In Saalfelden (Pinzgau) treffen seit über 30 Jahren Rehabilitation und Forschung aufeinander. Wir haben uns mit den Spezialisten aus dem Pinzgau über die Volkskrankheit unterhalten.




Rund 400 verschiedene Krankheitsbilder umfasst der Begriff Rheuma – von chronischer Polyarthritis über Morbus Bechterew und Gicht bis zu Lupus. Frei aus dem Griechischen übersetzt spricht man von “fließenden Schmerzen”. Wie Rheumatologe Markus Arnold anlässlich der 37. Rheuma-Tagung in Saalfelden im Gespräch mit SALZBURG24 erklärt, sind damit “alle Schmerzen und Funktionsstörungen im Bewegungsapparat” gemeint. Die häufigste Form sind mit Arthrosen außergewöhnlich starke Abnutzungen der Gelenke.

Rheuma betrifft im Alter nahezu jeden

In Österreich leiden allein gut zwei Prozent der Gesamtbevölkerung unter schmerzhafter Arthrose. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Klinisch erfasst sind bis zu zehn Prozent der Österreicher über 50 Jahren, die Dunkelziffer dürfte jedoch wesentlich höher sein. Mit 80 leidet so gut wie jeder Mensch an Arthrose. Zwar sei Rheuma in der landläufigen Meinungen oft mit höherem Alter assoziiert, aber es können auch bereits Kleinkinder betroffen sein, klärt der Experte auf.

Eine genetische Disposition spiele bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle, wie Arnold sagt, es handle sich aber nicht um eine Erbkrankheit. Die wesentliche Ursache liegt im Immunsystem. Die Zellen greifen körpereigene Substanzen – wie beispielsweise den Gelenkknorpel – an. Unbehandelt führt dies zu dauerhaften Einschränkungen der Bewegung.

Rauchen fördert Rheuma maßgeblich

Eine maßgebliche Rolle spielt offenbar auch Tabakkonsum. Starke Raucher erkranken laut Studien deutlich häufiger an einer rheumatoiden Arthritis. Besonders gefährdet sind demnach Frauen. Ein Rauchstopp gehöre deshalb zu den wichtigsten Begleitmaßnahmen der Rheumatherapie in Saalfelden, schildert Andreas Salzer, medizinischer Leiter des Rehabilitationszentrums im Pinzgau. Aber auch falsche Ernährung wird als weitere Rheuma-Ursache angesehen. Zu den Hauptübeln gehören zu viel raffinierter Zucker, Weißmehl, Fleisch und Eiweiß.

Etwa 1.800 Patienten werden im Schnitt pro Jahr in Saalfelden therapiert, sagt Salzer, etwa die Hälfte davon komme wegen Erkrankungen des Skelett-Bewegungsapparates. Die Behandlung rheumatischer Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren maßgeblich verändert. So werden inzwischen sogenannte Biologika eingesetzt. Das sind Medikamente, die mit Hilfe von Gentechnik in lebenden Zellen hergestellt werden.

Im Bild (v.li.): Werner Kullich, Andreas Salzer und Markus Arnold./PVA Im Bild (v.li.): Werner Kullich, Andreas Salzer und Markus Arnold./PVA ©

Rheuma als Hauptursache für Krankenstände

Um medizinischen Fortschritt ist man auch im Pinzgau bemüht. Mittlerweile knapp 30 Jahre lang währt bereits die Zusammenarbeit mit dem im Haus ansässigen Ludwig-Boltzmann-Institut für Arthritis und Rehabilitation unter der Leitung von Werner Kullich. Über 500 wissenschaftliche Publikationen wurden seither bereits veröffentlicht. Zudem besteht eine enge Kooperation mit der Universität Innsbruck. Der Nachwuchs in der Rheuma-Sparte ist rar. In Österreich gab es mit Stand November 2017 nur 167 niedergelassene Ärzte mit dem Zusatzfach Rheumatologie ohne Kassenvertrag und 37 mit Gebietskassenvertrag. Regelmäßige Exkursionen nach Saalfelden sollen das Interesse der Studenten für den Fachbereich wecken, um die steigende Nachfrage nach Spezialisten abzudecken.

Rheumatische Erkrankungen gehören mittlerweile zu den häufigsten Ursachen für Krankenstände. 8,5 Millionen Krankenstandstage wurden im Jahr 2015 durch Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes verursacht.

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