Vonn bei Comeback mit eigenem Rettungsplan

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Lindsey Vonn lud zur Pressekonferenz nach Zauchensee.
Lindsey Vonn lud zur Pressekonferenz nach Zauchensee. - © APA/Robert Jäger
Abfahrts-Olympiasiegerin Lindsey Vonn kehrt mit einem speziellen und internationalen Rettungsplan in den Ski-Weltcup zurück. “Das Risiko ist schon sehr hoch. Deshalb stehen die Ärzte bereit, sollte ich nochmals stürzen”, sagte die Amerikanerin am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Zauchensee (Pongau). Vonn hat sich vor zwei Monaten den Oberarm-Knochen gebrochen.

Nach dem Sturz am 10. November in Copper Mountain in Colorado war der Knochen in Vail u.a. mit einer Metallplatte fixiert worden. “Es besteht das Risiko, dass der Arm oberhalb dieser Platte leichter bricht. Das wäre dann sehr kompliziert zu operieren. Also muss alles sehr gut vorbereitet sein, damit ich möglichst schnell mit dem Hubschrauber ins Spital komme und keine Probleme mit den Nerven bekomme”, erklärte die 32-Jährige.

“Will einfach nur vorsichtig sein”

Womöglich müsse sie dann auch gleich direkt in die USA evakuiert werden, denn die Operation sei sehr kompliziert und es würde weitere sechs Monate dauern bis zu einem neuerlichen Comeback. Die Siegerin in 76 Weltcup-Rennen betonte: “Ich will einfach nur vorsichtig sein.”

Dessen ungeachtet hat Vonn, die zusammen mit Hündchen Lucy zur Pressekonferenz kam, bereits in Zauchensee schon wieder große Ambitionen. “Ich will die Abfahrt gewinnen”, erklärte sie selbstbewusst.

Dabei hatte Vonn den Arm nach der Operation einige Zeit gar nicht bewegen können. “Das war schon sehr Angst machend”, berichtete sie. Vonn will am Sonntag auch in der Kombination starten. Allerdings nur im ersten Durchgang, einem Super-G.

Hündchen Lucy begleitete Vonn ins Salzburger Land./APA/Robert Jäger Hündchen Lucy begleitete Vonn ins Salzburger Land./APA/Robert Jäger ©

Nur Vonns linker Arm bislang unversehrt

Bis auf ihren linken Arm sei nun praktisch jedes Körperteil zumindest ein Mal schwerer verletzt gewesen”, nahm Vonn die Situation aber auch mit Humor. Sie sei sich des Risikos im Skirennsport bewusst. “Aber es ist das, was ich am meisten liebe. Ich brauche das Skifahren und den Speed wie die Luft zum Atmen.”

Nach der Rückkehr in den Ski-Weltcup ist für Vonn die bevorstehende Weltmeisterschaft im Februar in St. Moritz das Hauptziel. Dieser Überzeugung ist Robert Trenkwalder, Athleten-Betreuer bei Vonns österreichischem Privatsponsor. Der langjährige ÖSV-Trainer sieht aber auch ein gewisses Comeback-Risiko.

Comeback “ein ziemlich großes Risiko”

“Das Risiko, das sie jetzt eingeht, hängt auch davon ab, mit wie viel Einsatz sie an die Aufgabe herangeht”, warnte Trenkwalder in dem Wissen, dass Vonn nur zwei Monate nach der schweren Armverletzung wieder Rennen fahren will. “In meinen Augen ist das schon ein ziemlich großes Risiko.”

Aber der Wettkampfkalender warte eben nicht, betonte Trenkwalder. “Man kann das mit normalen Menschen aber ohnehin nicht vergleichen. Ausnahmeathleten heilen schneller und machen auch bis zu fünf Stunden Therapie täglich”, erklärte der Tiroler, der bei Red Bull das “Athletes Special Project” leitet.

Dort ist Trenkwalder speziell für Ski und Klettern verantwortlich. Damit fallen neben Vonn u.a. auch Athleten wie Marcel Hirscher, Aksel Lund Svindal oder Henrik Kristoffersen in seine Zuständigkeit.

Erst zwei Trainingstage in Österreich

Prinzipiell sei Vonn gut drauf, versicherte der 69-Jährige: “Alleine deshalb, weil sie wieder auf Ski stehen kann.” Allerdings habe die Amerikanerin seit ihrer Rückkehr auf Schnee erst zwei halbwegs vernünftige Trainingstage in Österreich in den Beinen, berichtete US-Alpinchef Patrick Riml.

“Sie bräuchte jetzt jeden Abfahrtskilometer”, weiß auch Trenkwalder. “Athleten steigern sich mit der Konkurrenz. Es ist angesichts der Umstände derzeit eher nicht davon auszugehen, dass Lindsey zurückkommt und gleich wieder gewinnt. Das spielt es nicht.”

Wofür Vonn das Risiko auf sich nehme, liegt für Trenkwalder auf der Hand. “Es ist immer die gleiche Antwort. Sie will noch einiges erreichen. Sie hat auch mit 76 Siegen nicht genug und fühlt sich stark genug, um noch das eine oder andere Rennen auf dem obersten Podestplatz zu beenden.”

WM-Sieg in St. Moritz: “Wird schwierig”

Ob die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2010 spätestens bei der WM wieder eine Siegläuferin sein werde, müsse man abwarten. “Es ist ein Zeitfaktor. Wenn Trainings wie in Zauchensee oder sogar Wettkämpfe ausfallen, wird es schwierig. Denn ohne Training und Vergleiche gelingt es auch den Größten nicht, einzusteigen und gleich wieder zu gewinnen.”

Dass Vonn punkto Schmerzen die schlimmste Zeit hinter sich zu bringen hatte, hat auch Trenkwalder mitbekommen. Die Frage, ob sie mittlerweile “schmerzfrei” sei, entlockte ihm ein Lächeln. “Diesen Begriff würde ich bei Spitzenathleten selten anwenden.”

Ob sich an Vonns Karriereplan durch die neuerliche Verletzung etwas geändert habe, bleibe abzuwarten. “Wird ein Athlet aus seinem Rennleben gerissen, hat er plötzlich viel Zeit zum Nachdenken. Das kann auch Veränderungen ergeben.”

Eines sei aber sicherlich unverändert. “Lindsey ist ein Vorbild über viele, viele Jahre. Es gibt nicht viele Athleten, die so konsequent an sich arbeiten und die vor allem die grausamen Zeiten nach Verletzungen so unglaublich meistern.”

Etwas gemächlicher geht es im US-Skiteam Julia Mancuso an. Die 32-Jährige, die wegen ihrer Hüftprobleme ebenfalls lange pausiert hat und in Zauchensee wieder einsteigt, will vorerst nur Trainings bestreiten.

(APA)

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