28. April 2009 11:36; Akt.: 28.04.2009 11:36

Vorzeitiger Samenerguss - Vom Tabuthema zur Behandlung

Vorzeitiger Samenerguss – Vom Tabuthema zur Behandlung © Bilderbox/Symbolbild
Häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes als Partnerschaftsproblem. Erstmals erfolgversprechende Therapie möglich.

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Tabuthema und Beziehungskiller: der vorzeitige Samenerguss des Mannes beim Geschlechtsverkehr (Ejaculatio praecox):

Doch nun gibt es dafür eine effektive Behandlungsmöglichkeit. Das könnte auch dazu beitragen, viele Krisen in der Partnerschaft der betroffenen Männer und Frauen zu vermeiden oder zumindest zu mindern, hieß es am Dienstag in Wien bei einer Pressekonferenz aus Anlass der bevorstehenden Jahrestagung der österreichischen Urologen (1. bis 3. Mai, Waidhofen/Ybbs in NÖ).

„Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Lift. Darin stehen fünf Herren, die schweigend mit ihnen fahren. Wahrscheinlich hat zumindest einer von diesen Herren ein Problem mit vorzeitigem Samenerguss. Und obwohl er vielleicht sehr darunter leidet, spricht er nicht darüber. Er spricht mit niemandem”, sagte Dr. Karl Dorfinger, Präsident des Berufsverbandes der österreichischen Urologen.

Tabuthema

Möglicherweise gibt es für Männer – wohl auch für Paare – kaum ein größeres Tabuthema, als die Ejaculatio praecox, der vorzeitige Samenerguss des Mannes beim Geschlechtsverkehr. Über die erektile Dysfunktion wurde schon immer in „geselliger Runde” gewitzelt, spätestens jedoch, seit es dagegen Tabletten gibt. Doch über die häufigste sexuelle Störung des Mannes, die für beide Partner gleichermaßen frustrierend ist, wird geschwiegen.

Prof. Dr. Gerti Senger, Klinische Psychologin, Verhaltens- und Paartherapeutin in Wien: „Es handelt sich um einen Kontrollverlust im intimsten Bereich des Einzelnen und der Sexualpartner. Die ersten Reaktionen auf einen solchen Kontrollverlust sind Angst und ‚Reaktanz’. Letzteres ist das heftige Bemühen, die Kontrolle doch herzustellen. Anhaltender Misserfolg aber wird schließlich zu ,gelernter Hilflosigkeit’. Es kommt zum Selbstwertverlust, die subjektive Befindlichkeit und das Beziehungsklima verschlechtern sich.”

Häufige Störung

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen – quer über alle Altersgruppen hinweg – dass 18 bis 25 Prozent der Männer unter vorzeitigem Samenerguss beim Sex leiden.

Die Definition:

- Ejakulation schon vor oder innerhalb einer Minute nach der vaginalen Penetration.
- Der Mann hat keine Kontrolle über seinen Samenerguss.
- Zumindest einer der beiden Partner empfindet die Störung als belastend und frustrierend.

Die Psychologin: „Es kommt zur Frustration des elementaren Verlangens der Frau, den Partner ausreichend in sich zu spüren bzw. umgekehrt des männlichen Bedürfnisses, in ihr zu sein.” Schuldgefühle des Mannes („Ich kann meine Partnerin nicht ‚richtig’ befriedigen”), lang anhaltende Scham und Handlungsunfähigkeit können unter anderem Minderwertigkeitskomplexe, beiderseitige Enttäuschung, Libidoverlust, Depressionen und Kontaktprobleme auslösen.

Vorgänge erkannt – Folgen behandelbar

Mittlerweile sind die physiologischen Vorgänge bei der Ejaculatio praecox weitgehend bekannt. Bei den betroffenen Männern kommt es im Rahmen der

sexuellen Erregung zu einer verkürzten „Plateaubildung”, bevor der Orgasmus erfolgt. Dorfinger: „Der zentrale ‚Schaltknopf’ für den Ablauf der männlichen Sexualität im Nervensystem ist der Botenstoff Serotonin,” so Dr. Anton Ponholzer, Oberarzt am Wiener Donauspital und Vizepräsident des Arbeitskreises für Andrologie.

Die moderne Forschung hat hier eine Antwort in Form der einer neuen, erfolgversprechenden medikamentösen Therapie des vorzeitigen Samenergusses gefunden. Der Urologe: „Es gibt ein neues Medikament, das jetzt auch in Österreich verfügbar ist und bei unserer Jahrestagung vorgestellt und diskutiert wird. Männer mit Ejaculatio praecox haben offenbar zu wenig Serotonin im Nervensystem. Das neue Medikament Dapoxetin aus der Gruppe der sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs, Anm.) erhöht die Wirksamkeit des im Nervensystem vorhandenen Serotonins und verzögert dadurch den Samenerguss beim Sex.”

Das Gespräch suchen

Das Arzneimittel wird eine bis drei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Es wirkt nur kurz. Das Medikament wurde in klinischen Studien bei rund 6.000 Probanden getestet. Das Ergebnis: In der Gruppe der Betroffenen, die Dapoxetin erhielten, verdreifachte sich die Zeitspanne, bis die Männer beim vaginalen Sex zum Höhepunkt kamen. Es wurden, bis auf einige Fälle von leichter Übelkeit, kaum Nebenwirkungen registriert.

Doch selbst die beste vorhandene Therapie hilft nichts, wenn die Krankheit, für deren Behandlung sie gedacht ist, ein Tabuthema ist und bleibt. Daher, so Urologe Dorfinger: „Mit dieser Therapie bietet sich für betroffene Männer eine gute Chance auf Hilfe. Sie sollten jetzt den ersten Schritt zum Urologen oder Andrologen leichter wagen können.” Das steht am Beginn der Hilfe, nicht ein Tabuthema.

Quelle: Milestones in Communication im Auftrag des BVU



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