VW-Aufsichtsrat Porsche verteidigt Stellenabbau

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Die Einschnitte müssten mit der nötigen Konsequenz umgesetzt werden
Die Einschnitte müssten mit der nötigen Konsequenz umgesetzt werden - © APA (dpa)
Volkswagen-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche hat den Abbau Zehntausender Stellen bei dem Autobauer verteidigt. “Es haben alle gewusst, dass etwas passieren muss”, sagte der VW-Großeigner dem Branchenblatt “Automobilwoche”. “Eine Marke, die kein Geld verdient, ist auf Dauer kein attraktiver Arbeitgeber.” Porsche forderte die Umsetzung der beschlossenen harten Einschnitte mit der nötigen Konsequenz.

Volkswagen hatte am Freitag mitgeteilt, im Rahmen eines “Zukunftspaktes” zwischen Vorstand und Betriebsrat bis 2025 weltweit 30.000 Stellen abzubauen, davon bis zu 23.000 in Deutschland. Da auch 9.000 neue Jobs entstehen sollen, geht es unter dem Strich um 14.000 Arbeitsplätze, die wegfallen.

Auch neue Arbeitszeitmodelle sind Teil des “Zukunftspaktes”. “Um die Entwicklungskapazitäten in definierten Projekten und Bereichen zu erweitern, wurde von den Betriebsparteien die Möglichkeit vereinbart, im Einvernehmen die wöchentliche Arbeitszeit auf 40 Stunden zu erhöhen”, heißt es in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Markenchef Herbert Diess hatte bereits auf einer Betriebsversammlung Ende Oktober angekündigt, die Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden je Woche aufstocken zu wollen. Unbezahlte Mehrarbeit werde es aber nicht geben.

Volkswagen sollte nach Ansicht von Unionsfraktionsvize Michael Fuchs bei für den Abgas-Skandal verantwortlichen Top-Managern Boni zurückfordern. Die Großaktionäre Niedersachsen und Ferdinand Piëch sollten sich dafür starkmachen, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) laut Vorabbericht von Samstag.

Es sei unerträglich, dass Manager zu Unrecht Boni kassiert hätten, weil sie die Verantwortung dafür trügen, dass VW in seinem Kern schwer beschädigt worden sei. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sollte so viel Mut aufbringen wie jetzt die Deutsche Bank. Und Großaktionär Piëch dürfe sich hier auch nicht zurückziehen.

Volkswagen steht unter dem Druck der Abgasaffäre und vor dem größten Stellenabbau seit zehn Jahren. Bei der Deutschen Bank wird laut jüngsten Informationen aus Finanzkrisen weiterhin geprüft, ob sie frühere Vorstände für die Verfehlungen des Geldhauses persönlich zur Kasse bitten kann. Eine Entscheidung dazu sei aber noch nicht gefallen. Die “Süddeutsche Zeitung” hatte von Absichten der Bank berichtet, von sechs Ex-Vorständen Boni in Millionenhöhe einzufordern.

In der Debatte um den Ausbau der E-Mobilität hat VW-Chef Matthias Müller den Autofahrern in Deutschland eine Doppelmoral vorgeworfen. “Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger. So ganz habe ich dieses paradoxe Phänomen noch nicht verstanden”, sagte Müller der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

Er wies zudem Vorwürfe gegen die Branche zurück: “Die Autoindustrie hat da nichts verschlafen. Am Angebot mangelt es nicht, sondern an der Nachfrage.” E-Mobilität spielt auch im VW-“Zukunftspakt”, den Vorstand und Betriebsrat am Freitag vorgestellt hatten, eine zentrale Rolle. Der vom Dieselskandal schwer gebeutelte Autobauer solle “auch im Bereich Elektromobilität zum weltweit führenden Volumenhersteller” werden, hieß es in einem internen Informationsschreiben an die Mitarbeiter.

(APA/dpa/ag.)

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