Wählerstromanalyse zur Nationalratswahl 2017 in Salzburg

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Die ÖVP kann neben der Mobilisierung ihrer Stammwählerschaft Gewinne von fast allen politischen Parteien erzielen.
Die ÖVP kann neben der Mobilisierung ihrer Stammwählerschaft Gewinne von fast allen politischen Parteien erzielen. - © Land Salzburg/Landesstatistik
Die Salzburger ÖVP konnte ihre Stammwählerschaft mobilisieren, die Grünen hingegen verlieren drei Viertel der Wähler aus dem Jahr 2013: Die Wählerstromanalyse der Nationalratswahl 2017 für das Land Salzburg ergibt vor allem auch deutliche Unterschiede beim Grad der Mobilisierung der Stammwähler.

Über die Ergebnisse dieser Analysen informierte am Montag Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik Salzburg.

ÖVP konnte alle Wähler von 2013 mobilisieren

So konnte die ÖVP praktisch alle Wähler, die sich bei der Nationalratswahl im Jahr 2013 für sie entschieden haben, auch bei der Nationalratswahl am Sonntag mobilisieren. Während die Stammwählerquote der FPÖ mit einem Anteil von 86 Prozent und die SPÖ mit rund 72 Prozent ebenfalls noch relativ hoch liegen, konnten die Grünen nur 23 Prozent ihrer Wählerschaft aus dem Jahr 2013 auch bei dieser Wahl wieder überzeugen.

“Diese Wahl hat recht gut gezeigt, wie hoch die Stammwählerquoten zum Teil sind, und wie wichtig es für eine Partei ist, dass sie die Personen, die diese Partei schon bei der vorangehenden Wahl gewählt haben, wieder für diese Partei mobilisieren können”, so Filipp.

Grüne für viele nur zweite Wahl

Politikwissenschafter Reinhard Heinisch von der Universität Salzburg analysierte die deutlichen Verluste bei den Grünen in Salzburg: “Die Grünen hatten wahrscheinlich das Problem, dass sie für viele Wählerinnen und Wähler zweite Wahl waren. So gingen viele Wähler im letzten Moment zur SPÖ, um ihre Stimme nicht wegzuwerfen. Aber es gibt in Salzburg auch viele bürgerliche Grüne, die dann doch zur ÖVP bzw. zu Kurz gingen. Mit der Liste Pilz gab es noch ein weiteres Angebot für Grün-Wähler.”

Wählerstromanalyse zur Nationalratswahl in Salzburg im Detail

Die ÖVP kann neben der Mobilisierung ihrer Stammwählerschaft Gewinne von fast allen politischen Parteien erzielen. Unter Berücksichtigung der Briefwählerstimmen kann die ÖVP rund 43.000 zusätzliche Stimmen für sich gewinnen und damit fast 120.000 Wähler von sich überzeugen. So konnten sie jeweils rund 7.000 ehemalige Wähler der Grünen und des Team (Stronach) überzeugen. Aber auch durch den Zugewinn von jeweils rund 5.000 bis 6.000 ehemaligen Wählern der FPÖ, des BZÖ und des NEOS konnte die ÖVP ihr Stimmenpotenzial ausbauen. Am stärksten konnte die ÖVP allerdings durch die Mobilisierung von Nichtwählern der Nationalratswahl 2013 und der Jungwähler im Ausmaß von insgesamt rund 15.000 Stimmen profitieren. Stimmenverluste musste die ÖVP bei dieser Wahl in nennenswertem Ausmaß keine hinnehmen.

SPÖ legt gegenüber 2013 um 2.000 Stimmen zu

Die Ergebnisse der Wählerstromanalyse der Landesstatistik zeigen weiter, dass die SPÖ bei der aktuellen Wahl gegenüber 2009 per Saldo rund 2.000 Stimmen mehr erhalten hat als im Jahr 2013 und damit von rund 68.000 Wählern das Vertrauen erhielt. Von Wählerinnen und Wählern der Grünen und aus dem “Topf” der Nichtwähler aus dem Jahr 2013 konnte die SPÖ jeweils rund 10.000 neue Wähler für sich gewinnen. Größere Verluste durch Wanderungen an andere Parteien musste die SPÖ zwar nicht hinnehmen, aber etwas mehr als ein Viertel der Gruppe, die bei der vergangenen Wahl noch für die SPÖ votiert hat, ist dieses Mal der Wahl fern geblieben.

FPÖ mit großem Stimmenzuwachs

Die FPÖ, die gegenüber 2013 rund 17.000 Stimmen zulegen konnte, verdankt dies in erster Linie den Stimmen der Wähler, die bei der vergangenen Nationalratswahl nicht zur Wahl gegangen sind (15.000 Stimmen) bzw. 2013 noch das Team Stronach (6.000 Stimmen) haben. Jeweils 2.000 Stimmen kamen von ehemaligen Wählern der SPÖ, der ÖVP und des BZÖ. Neben den erwähnten Zugewinnen musste die FPÖ auch Verluste im Ausmaß von rund 5.000 Stimmen an die ÖVP hinnehmen.

Grüne verlieren 30.000 Stimmen

Bei dem großen Verlierer dieser Wahl, den Grünen, kumulieren sich die Verluste auf insgesamt mehr als 30.000 Stimmen, das sind über 70 Prozent der Wählerschaft aus dem Jahr 2013. Den Grünen kamen Wähler von 2013 vor allem dadurch abhanden, dass diese bei der Wahl am Sonntag ihre Stimme der SPÖ (10.000 Stimmen), der ÖVP (7.000 Stimmen), der Liste PILZ und dem NEOS (jeweils 6.000 Stimmen) gaben. Der Verlust an die Gruppe der Nichtwähler fiel mit rund 2.000 Stimmen dabei noch relativ bescheiden aus. Detail am Rande: Von den GRÜN-Wählern des Jahres 2013 haben sich bei dieser Wahl mehr für die SPÖ entschieden als für die Grünen selbst.

NEOS verliert Wähler an die ÖVP

Das NEOS erreicht mit rund 44 Prozent eine vergleichsweise geringe Wiederwahlquote und kann nur rund 6.000 Wähler aus dem Jahr 2013 dieses Mal wieder für sich überzeugen. In ähnlich hohem Ausmaß verliert sie ehemalige Wähler aus dem Jahr 2013 an die ÖVP. Sie kann aber auch deutliche Zugewinne verbuchen: Allen voran von den Grünen im Ausmaß von rund 6.000 Stimmen und von ehemaligen Nichtwählerinnen und –wählern in der Höhe von rund 4.000 Stimmen.

Grün-Wähler stimmen für Pilz

Die Liste PILZ hat bei der vergangenen Nationalratswahl nicht kandidiert, daher sind Wählerströme nur in eine Richtung möglich, nämlich jene der im Jahr 2013 kandidierenden Parteien an die Liste PILZ. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Wählerschaft der Liste PILZ aus rund 60 Prozent bzw. 6.000 Stimmen von bisherigen Wählern der Grünen, rund 30 Prozent bzw. 3.000 bisherigen Nichtwählern und rund 10 Prozent Wähler, die 2014 noch andere Parteien gewählt haben, zusammensetzt.

Großes internationales Medienecho und viele Interviewanfragen

Heinisch berichtete zudem von einem großen internationalen Medienecho zur österreichischen Nationalratswahl sowie zahlreichen Interviewanfragen aus der ganzen Welt: “Diese Wahl wurde von Kanada bis Bagdhad, von Australien bis hin zu allen europäischen Ländern im Trend der anderen europäischen Wahlen – für oder gegen die EU bzw. die Flüchtlingsfrage – gesehen. Und die Deutschen sehen es in Hinblick auf die AfD durch den Filter des Rechtsrucks”, so der Politikwissenschafter.

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