Warum die Patientenverfügung eine Zwickmühle für Ärzte ist

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Ein zweischneidiges Schwert für Ärzte: Die Patientenverfügung.
Ein zweischneidiges Schwert für Ärzte: Die Patientenverfügung. - © Bilderbox/Archivbild
Die bundesweite Novellierung der Patientenverfügung soll kommen. Während sie Angehörigen schwerwiegende Entscheidungen abnehmen kann, stecken Ärzte wegen der Patientenverfügung oftmals in einem Dilemma.




Das Gesetz zur Patientenverfügung soll erneuert werden. Ihre Laufzeit soll dabei von fünf auf acht Jahre angehoben werden und in die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) aufgenommen werden. In Salzburg ist der Andrang bereits groß. Die Patientenvertretung vermeldet, dass für das Jahr 2017 insgesamt 266 Verfügungen verfasst wurden.

Künstlich lebensverlängernde Maßnahmen unerwünscht

Mittels Patientenverfügung besitzen Bürger die Möglichkeit, eine schriftliche Willenserklärung abzugeben, mit der im Vorfeld medizinische Maßnahmen oder Behandlungen abgelehnt werden können. “Meiner Erfahrung nach verfügen die meisten darin, dass auf künstlich lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet werden soll, sofern keine Aussicht auf Besserung besteht“, erzählt Allgemeinmediziner Guido Lehner im Gespräch mit SALZBURG24.

Patientenverfügung als Dilemma für Ärzte

Für Ärzte ist die Patientenverfügung allerdings oftmals ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wird der Wunsch des Patienten dokumentiert, andererseits kann sie einen Arzt in Schwierigkeiten bringen. “Vor allem bei der verbindlichen Patientenverfügung ist es schwierig zu beurteilen, ab welchem Zeitpunkt sie Gültigkeit besitzt“, berichtet Lehner. Wie schätzt der Mediziner den Zustand des Patienten ein? Seit wann ist dieser beispielsweise nicht mehr ansprechbar? Je besser der Arzt seinen Patienten kennt, umso besser könne er auch die Situation einschätzen, so Lehner.

Zusätze sind sinnvoll

Lehner nennt das Beispiel eines Patienten, der an Demenz erkrankt, aber ansonsten körperlich fit ist. Vor seiner Erkrankung hat der Patient eine Verfügung ausfertigen lassen, in der er die Behandlung mit Antibiotika ablehnt. Nun ist der Arzt aber in diesem Fall überzeugt, dass der Patient mittels Antibiotika wieder schnell genesen würde – die Patientenverfügung verbietet ihm die Verabreichung jedoch. “Es ist daher ratsam, möglichst genau in der Patientenverfügung festzuhalten, was man möchte und was nicht“, empfiehlt der Mediziner. So könnte man in dem konkreten Beispiel den Zusatz anfügen, der den Einsatz von Antibiotika bei marginalen Erkrankungen erlaubt.

Patientenverfügung nimmt Entscheidungen ab

Die Patientenverfügung soll auch Angehörigen schwerwiegende Entscheidungen abnehmen, wie mit einem Patienten verfahren werden soll, wenn dieser selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist. Dennoch kann es vorkommen, dass die Meinungen auseinandergehen. “Natürlich kommt es auch vor, dass die Angehörigen nicht mit der Verfügung des Patienten einverstanden sind“, erklärt Matthias Hohla von der Erzdiözese Salzburg, der im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder als Ethikberater tätig ist. Was in dieser Situation zu tun ist? “Letztlich wird dem Willen des Patienten entsprochen“, so Hohla. Seine Rolle sei es dann die Familie von der Richtigkeit der Entscheidung zu überzeugen.

Was noch zu beachten ist

Im aktuellen Gesetz von 2006 ist noch zwischen beachtlicher und verbindlicher Patientenverfügung zu unterscheiden. Die beachtliche Verfügung lässt dem Arzt einen gewissen Handlungsspielraum, die verbindliche nicht. Wünscht man die Ausfertigung einer verbindlichen Patientenverfügung durch einen Notar oder Anwalt, so muss man sich zunächst ärztlich beraten lassen.

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