Warum Salzburgs Altstadt rutscht

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Rainer Braunstingl und Thomas Leikauf (l.) vom Landesgeologischen Dienst beim ehemaligen Mauthäuschen am Mozartsteg. Hier wird sichtbar, dass ein Teil der Salzburger Altstadt absinkt.
Rainer Braunstingl und Thomas Leikauf (l.) vom Landesgeologischen Dienst beim ehemaligen Mauthäuschen am Mozartsteg. Hier wird sichtbar, dass ein Teil der Salzburger Altstadt absinkt. - © LMZ/Neumayr/SB
Unter der linken Salzburger Altstadt befindet sich eine Abbruchkante zwischen hartem Fels und weichem Seeton. Für die dortigen Gebäude bedeutet das eine Zerreißprobe.

Unterirdisch ist die linke Salzburger Altstadt gespalten: Das harte Felsgestein des Mönchsbergs reicht unter den Gassen, Häusern und Plätzen bis fast zum Salzachufer. Dann beginnt weicher Seeton, überdeckt von einer fünf bis acht Meter dicken Kiesschicht.

Seeton: Salzburger Gebäude sinken ein bis zwei Millimeter pro Jahr

Für Bauwerke an der Kante bedeutet dies eine ständige Zerreißprobe, auch wenn es in der Regel nur ein bis zwei Millimeter pro Jahr sind, um die der Seetonteil absinkt.

Schon seit mehr als fünfzig Jahren werden die Veränderungen überwacht, um bei besonders gefährdeten Gebäuden rechtzeitig gegenzusteuern. “Am stärksten macht sich die Lage an der Abbruchkante beim Haus der Natur bemerkbar. Hier wird immer wieder mit Baumaßnahmen sichergestellt, dass das Museumsgebäude im ehemaligen Ursulinenkloster nicht auseinanderbricht”, erklärt Landesgeologe Rainer Braunstingl. Die zum Komplex gehörende Ursulinenkirche, heute heißt sie Markuskirche, musste 1973 wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt und aufwändig gesichert werden. Entweder wegen Unterspülungen durch die Salzach oder möglicherweise wegen des Erbebens im Mai 1976 in Friaul verstärkten sich die Senkungen für kurze Zeit. Inzwischen sinkt die Seetonseite wieder gering und gleichmäßig. “Mit Gebäudeankern und Messpunkten können wir sehr genau verfolgen, wie sich die Gebäudeteile bewegen. Im Moment sind keine Baumaßnahmen nötig”, teilt Braunstingl in einer Aussendung mit.

Braunstingl bei einem Messpunkt an der ehemaligen Stadtmauer am Rudolfskai./LMZ/Neumayr/SB Braunstingl bei einem Messpunkt an der ehemaligen Stadtmauer am Rudolfskai./LMZ/Neumayr/SB ©

Die Salzach gräbt sich immer weiter nach unten

Der weiche Seeton-Untergrund wird auch bei der sich stetig eingrabenden Salzach sichtbar. In den vergangenen 150 Jahren hat sich das Flussbett der Salzach um bis zu vier Meter im Stadtgebiet eingetieft. Am dramatischsten war es beim Jahrhundert-Hochwasser 1959. Beim Messpunkt an der Staatsbrücke wurden zweieinhalb Meter Höhenunterschied gemessen, der Fluss sackte richtiggehend ab. Beim gleichen Hochwasser wurde ein Pfeiler der Westautobahn-Brücke unterspült, das Tragwerk ist am 18. August 1959 eingebrochen.

Ehemaliges Mauthäuschen am Mozartsteg rutscht langsam ab

Unübersehbares Opfer der geologischen Kante ist das frühere Mauthäuschen beim Mozartsteg. Für den 1903 errichteten Salzachübergang im Jugendstil wurde in den ersten beiden Jahrzehnten Maut eingehoben, heute werden Kaffee und Muffins aus dem schiefen Gebäude gereicht, dessen südliches Fundament an der Bodenbefestigung der 1903 gebauten Brücke “hängt”. Das nördliche ist im Laufe der vergangenen 110 Jahre abgesunken, wie man an der Schiefstellung erkennen kann. Unter der Salzach ist der Seeton mindestens 70 Meter dick. 1984 wurde bei einer Bohrung im Bereich der heutigen Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg am Rudolfskai bis 71 Meter Tiefe kein Fels erreicht.

Die Langzeitsetzungen können von der Stadtverwaltung an zahlreichen Vermessungspunkten im Stadtgebiet heute noch nachgewiesen werden. Nur die Punkte im Felsen der Stadtberge bleiben fix auf ihrem Posten.

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