Was in Salzburg achtlos weggeworfen wird

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Immer mehr Müll landet neben der Straße im Bankett und den Wiesen. (Symbolbild)
Immer mehr Müll landet neben der Straße im Bankett und den Wiesen. (Symbolbild) - © FMT-Pictures/UI
Plastikflaschen, Getränkedosen und Fast-Food-Verpackungen: Immer mehr Abfälle landen an Straßenrändern, auf Wiesen und Wegen im Bundesland Salzburg. Dieser Müll verunstaltet die Landschaft und schadet der Umwelt. Salzburgs Littering-Studie nimmt diese Abfälle erstmals genau unter die Lupe. Umweltreferentin Astrid Rössler (Grüne) präsentierte die Ergebnisse am Montag.

Der Fachbegriff Littering kommt aus dem Englischen: “Litter” heißt Überreste oder Abfälle, “to litter” bedeutet wegwerfen, verstreuen. Unter dem Phänomen Littering versteht man das achtlose Wegwerfen von Abfällen an ihrem Entstehungsort im öffentlichen Raum. Typische Littering-Abfälle sind kurzlebige Konsumgüter und Take-Away-Produkte wie Verpackungen, Zeitungen, Zigarettenstummel. Die Produkte werden meist unterwegs konsumiert, die Verpackungen an Ort und Stelle fallen gelassen oder aus dem Autofenster geworfen.

Erstmals exakte Analysedaten zu Littering

Die jährliche Flurreinigung “Sauberes Salzburg” wurde diesmal zum Anlass genommen, die Littering-Abfälle gezielt zu analysieren. Im Zeitraum von 1. März bis 30. Juni 2017 wurden in 50 Salzburger Gemeinden insgesamt 8.000 Kilogramm Abfälle in 1.950 Stück 60-Liter-Säcken gesammelt. Viele Flächen waren schon vor der Sammlung vom Straßendienst gereinigt worden. Und auch von dort berichtete Rössler über bedenkliche Rückmeldungen: So müsse inzwischen das Gras, das an den Straßenböschungen gemäht wird, wegen der Verunreinigung als Restmüll behandelt werden, und auch Durchflüsse seien immer wieder mit Verpackungsmaterial verstopft.

400 Säcke aus sieben Gemeinden wurden sortiert und wissenschaftlich ausgewertet. Die Salzburger Studie ist die erste detaillierte Littering-Analyse in Österreich.

Die Hauptergebnisse der Analyse:

Was auf den ersten Blick nach einem bunten Abfallmix aussieht, entpuppt sich bei genauer Analyse als Problem einer Wegwerfgesellschaft: Knapp 40 Prozent der Abfälle sind Littering. Die Abfälle wurden in zwölf Hauptgruppen sortiert und entsprechend ihrer vorangegangenen Nutzung als Littering oder Nicht-Littering zugeordnet: Typische Littering-Abfälle sind 38,9 Prozent, Nicht-Littering/illegale Abfallentsorgung sind 55,2 Prozent, Nichtabfälle machen 5,9 Prozent aus.

Typische Littering-Abfälle umfassen sämtliche Arten von Getränkeverpackungen, Take-Away-Produkte, Papier, Zigarettenstummel, sonstige Kunststoffverpackungen, Metallverpackungen sowie Lebensmittelreste.

Nicht-Littering-Abfälle sind andere Kunststoffabfälle, diverse Metallteile, Problemstoffe und sonstige Abfälle (zum Beispiel Textilien, Teppiche, Flachglas), die nicht mit kurzlebigen Konsumgütern zusammenhängen. Sie werden als illegale Abfallentsorgung eingestuft. Nichtabfälle waren etwa Äste, Tannenzapfen oder Steine, die bei der Sammelaktion von Kindern eingesammelt wurden.

Grafik: Land Salzburg Grafik: Land Salzburg ©

Austrinken und wegschmeißen

Bei der Detailauswertung der reinen Littering-Abfälle entfallen 59 Prozent auf die Gruppe der Getränkeverpackungen. Dahinter folgen sonstige Kunststoffverpackungen und Papier. Bei den insgesamt 4.300 gesammelten Getränkeverpackungen wurde eine Auswertung nach Masse und Stückzahl durchgeführt: Die gesammelten 566 Glasflaschen haben den höchsten Gewichtsanteil. Aber: “Die Verunreinigung entsteht nicht durch das Gewicht, sondern durch die Stückzahl”, sagte Rössler bei der Präsentation.

grafikabfaellelitterin Grafik: Land Salzburg ©

 

Bei der Bewertung von Littering-Abfällen sind jedoch die Stückzahlen der Abfälle aussagekräftiger als das Gewicht, da hier die Anzahl oder Häufigkeit der weggeworfenen Getränkeverpackungen für die Sichtbarkeit und Verunstaltung der Landschaft maßgeblich ist, nicht das Gewicht.

Bei Betrachtung der Getränkeverpackungen nach Stückzahlen wird ersichtlich, dass mit 2.273 Stück Dosen am häufigsten im öffentlichen Raum weggeworfen werden, gefolgt von 1.309 Plastik-Flaschen und 566 Glasflaschen. Auf eine Verpackungseinheit gerechnet besitzen Glasflaschen zwar ein hohes spezifisches Gewicht, doch werden sie im Vergleich zu Dose und Plastik-Flasche viel seltener achtlos weggeworfen.

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Freiwillige sammelten 36.700 Stunden lang Müll ein

Mit einem Littering-Anteil von knapp 40 Prozent zeigt sich ein Abfallsegment aus kurzlebigen Konsumgütern und Convenience-Verpackungen, die zum gedankenlosen Wegwerfen verleiten. Die Abfälle enthalten zum Teil erhebliche Schadstoffe für die Natur oder verhindern die Futterverwertung in der landwirtschaftlichen Nutzung.

Auch die Folgekosten der Vermüllung sind beträchtlich: Jene 5.900 Freiwilligen, die sich heuer an der Flurreinigungsaktion beteiligt haben, leisteten 36.700 Stunden Arbeit. Grob geschätzt und ohne Maschinenstunden sowie Materialien miteinzurechnen entsprach dies einer Arbeitsleistung im Ausmaß von zirka 385.000 Euro an Personalkosten, berechnet mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro und Lohnnebenkosten.

Insgesamt bedeuten die Ergebnisse der Littering-Studie, dass die Angebote und Informationen zur Abfallentsorgung in den Gemeinden weiter fortgesetzt werden. Als wichtiger Schritt gegen die Vermüllung durch Einwegverpackungen wird das Thema Mehrweggeschirr bei Veranstaltungen in der Novelle zum Salzburger Abfallwirtschaftsgesetz gesehen.

Bei den Littering-Abfällen sind die Getränke-Einwegverpackungen offensichtlich das Hauptproblem. In Österreich werden pro Jahr rund 4,8 Milliarden Stück Getränkeverpackungen verkauft, davon sind 3,8 Milliarden Stück Einweggetränkeverpackungen. Der Mehrweganteil belief sich 2008 auf rund 31 Prozent und ist seither auf rund 20 Prozent gefallen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Mehrwegquote zum Großteil von der Gastronomie getragen wird. Im Lebensmitteleinzelhandel gibt es neben der 0,5-Liter-Flasche Bier so gut wie keine Mehrweggebinde für Getränke.

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Appell für verpflichtende Mehrwegquoten und Pfandsysteme

Als Ausweg sieht die Salzburger Umweltreferentin eine verpflichtende Quote für Mehrwegprodukte sowie die Einführung eines Pfandsystems auf PET-Flaschen und Alu-Dosen. “Mit Pfand hast Du das nicht mehr in der Landschaft. Es findet sich immer wer, der es sammelt und das Pfand einlöst.” Bisher ist ein Pfandsystem vor allem am Widerstand der Wirtschaft gescheitert, so Rössler, die darin auch den Grund für die bisherige “mangelnde Datentransparenz” zum Thema vermutet. Die “betagte Oma, die nicht in der Lage ist, die schweren Flaschen zu schleppen”, hält sie für ein Scheinargument.

Während Rössler bei der Einführung des Pfandsystems nur auf die Zuständigkeit des Bundes verweisen kann, wird sie im eigenen Wirkungsbereich tätig: Im neuen Abfallwirtschaftsgesetz, das 2018 in Kraft treten soll, wird “Littering” erstmals definiert. Vorgesehen ist darin auch eine Ermächtigung für die Gemeinden, dass diese das achtlose Wegwerfen von Abfällen per Verordnung unter Strafe stellen und ahnden können. “Grundsätzlich muss der Fokus aber auf der anderen Seite des Problems sein”, so Rössler.

(SALZBURG24/APA)

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