Was mit Salzburgs Abwasser passiert

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Nach der Kanalisation landet das Abwasser und alles was darin schwimmt in einer Kläranlage.
Nach der Kanalisation landet das Abwasser und alles was darin schwimmt in einer Kläranlage. - © APA/Georg Hochmuth
Egal ob beim Kochen, Putzen oder Duschen: Jeden Tag fließt literweise Wasser in die Kanalisation. Mit dem flüssigen Nass spülen wir aber auch allerhand Chemikalien weg. Und wie der Fund eines riesigen Fettklumpen in den Londoner Kanälen im letzten Jahr zeigte, landen auch viele Dinge im Abwasser, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Was im Kanal unerwünscht ist, wie das Salzburger Abwasser gereinigt wird und, warum man sich mit Desinfektionsmittel im Haushalt zurückhalten sollte.




Die Salzburger produzieren jeden Tag etwa 187.000 Kubikmeter Abwasser (Zahlen aus dem Jahr 2016, Anm.), weiß Andreas Unterweger, Leiter des Referats für Gewässerschutz beim Land Salzburg. In einem Jahr sind das 69 Millionen Kubikmeter: In etwa die Wassermenge im Wallersee. In 98 Prozent der Fälle fließt das Abwasser vom Haushalt in eine der 33 Salzburger Kläranlagen. Die restlichen zwei Prozent landen in privaten Anlagen.

Land Salzburg/Screenshot/SALZBURG24 33 Kläranlagen reinigen in Salzburg das Abwasser. Foto: Land Salzburg/Screenshot/SALZBURG24 ©

Abwasser in drei Schritten gereinigt

Bevor es zurück in die Natur geleitet wird, bedarf es einer gründlichen Reinigung. Das passiert in drei Schritten: „Zuerst durchläuft das Abwasser einen mechanischen Rechen, der in der Regel eine Spaltbreite von einem bis drei Millimeter hat“, erklärt Unterweger im Gespräch mit S24. Dort werden die Feststoffe zurückgehalten. Auch Mikroplastikteile werden hier aus dem Wasser gefischt, und zwar „999 von 1.000 Partikeln“. Als nächstes muss das Abwasser durch einen kombinierten Sand-Fettfang. „Darin werden Sand und Kies mittels Schwerkraft abgesetzt und Speisefette an der Oberfläche abgeschöpft“, schildert der Experte. Wobei er anmerkt: Speisefette haben im Abwasser eigentlich gar nichts verloren, sie gehören separat entsorgt.

In Siggerwiesen wird das Abwasser gereinigt. Foto: Neumayr/Archivbild Nach Siggerwiesen in Anthering (Flachgau) fließt auch das Abwasser der Stadt Salzburg. Foto: Neumayr/Archivbild ©

Bakterien filtern Rückstände aus Wasser

Danach steht die biologische Reinigungsstufe an. In der Regel sind das mehrere sogenannte Belebungsbecken. Dort mischt man das Abwasser mit Belebtschlamm, der aus Bakterien und Pilzen besteht. Sie sorgen dafür, dass die restlichen Rückstände aus dem Wasser gefiltert werden. Zusätzlich dazu werden Eisen- oder Aluminiumsalze beigemischt. Sie holen die Phosphorverbindungen aus dem Wasser. Dabei handelt es sich meist um intensive Düngestoffe, die in natürlichen Gewässern das Algenwachstum anregen würden.


Zum Schluss landet das Abwasser im Nachklärbecken. Dort setzt sich der Schlamm ab. Das gereinigte Wasser fließt zurück in den Fluss. Durch diese Prozedur können die meisten umweltschädlichen Inhaltsstoffe entfernt werden. Der Klärschlamm wird anschließend verbrannt oder kompostiert. Als Dünger für Nahrungsmittel darf er in Salzburg allerdings nicht verwendet werden.

Unterweger: Wasser nach Reinigung nicht keimfrei

Das Wasser hat anschließend keinesfalls Trinkqualität, wie oft fälschlicherweise angenommen, klärt Unterweger auf: „Diese Bilder von Politikern, die den Ablauf trinken, sind entweder gefälscht oder derjenige hat viel Schnaps nachgetrunken.“ Denn die Abwässer sind sehr stark mit Fäkal- und Krankheitskeimen belastet. Diese werden in der Kläranlage zwar um einige Zehnerpotenzen reduziert, das mache das Wasser aber nicht keimfrei, betont Unterweger. Außerdem fließt auch Kochsalz völlig unbeeindruckt durch die Kläranlage. In diesen Konzentrationen belastet das nicht die Umwelt, „geschmacksverbessernd wirkt es aber nicht.“

Sparen mit Desinfektionsmitteln im Haushalt

Im Abwasser finden sich freilich Rückstände von Kosmetika, Putzmittel und Medikamenten. Die Überreste von Duschgel und Co. sind unbedenklich. Wer zusätzlich etwas für die Umwelt tun möchte, der sollte bei Kosmetik und Reiniungsmittel auf Inhaltsstoffe wie Tenside, Triclosan und AZO-Farbstoffe verzichten. In umweltfreundlichen Reinigungsmitteln und Naturkosmetik sind diese nur begrenzt erlaubt.

Probleme in der Kläranlage kann jedoch der übermäßige Einsatz von desinfizierenden Putzmitteln verursachen. Sie töten die Bakterien im Belebungsbecken. Das komme allerdings sehr, sehr selten vor, sagt Unterweger.

Immer mehr Hormone im Salzburger Abwasser

Immer mehr werden hingegen hormonell wirksame Substanzen im Abwasser, die von Medikamenten stammen. „Es muss einen manchmal wundern, dass es offensichtlich Menschen gibt, die Diclofenac, das ist der Wirkstoff von Voltaren, ähnlich häufig zu sich nehmen, wie den Frühstückskaffee“, schildert der Experte. Die schädlichen Auswirkungen dieser Substanzen auf die Tier- und Pflanzenwelt werden in der Fachwelt heftig diskutiert. Unterweger rechnet damit, dass es in den nächsten 20 Jahren wohl eine zusätzliche Reinigungsstufe dafür braucht.

Feuchttücher verstopfen Salzburgs Kanäle

Kopfzerbrechen bereitet den Abwasser-Spezialisten im Moment etwas ganz anderes: Feuchttücher. Die reißfesten Reinigungstücher verstopfen nämlich Pumpen in den Kanälen und sorgen an der Oberfläche schwimmend für mehr Arbeit in der Kläranlage. „Es wäre uns deshalb ein großes Anliegen, wenn sie nicht in die Toilette geschmissen werden. Schön wäre es auch, sich mit Desinfektionsmitteln im Haushalt zurückzuhalten“, informiert Unterweger.

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