Was passiert im radioaktiven Ernstfall?

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Die Teams sammeln Proben von Gras und Co ein.
Die Teams sammeln Proben von Gras und Co ein. - © LMZ/Hutter
Niemand mag es sich vorstellen. Aber was passiert im Falle eines Atomunfalles in Salzburg, wie funktionieren verschiedene Sicherheitsmaßnahmen? Für diesen Ernstfall wurde in Salzburg gerade geübt.

Tschernobyl. Dieses Wort und die Katastrophe im Jahr 1986 stehen für die unsichtbare Gefahr, wenn ein Kernkraftwerk einen Störfall oder gar den Super-GAU meldet. Die radioaktive Wolke macht vor Grenzen nicht Halt, also müssen auch das von Atomreaktoren freie Österreich und natürlich auch Salzburg für den Ernstfall vorbereitet sein. Die Stabsstelle Sicherheit und Katastrophenschutz des Landes hat am Dienstag genau das geübt. Die Mission: An 22 Stellen in allen Bezirken so schnell wie möglich Proben nehmen, sicher ins Labor bringen und die Ergebnisse auswerten, wie das Land Salzburg in einer Aussendung mitteilte. Damit die Bevölkerung weiß, ob sie sicher ist, oder nicht. Aber auch, ob zum Beispiel das Vieh auf die Weide darf, die Kinder im Freien spielen dürfen.

An diesen Punkten wird die Strahlung gemessen./Sagis An diesen Punkten wird die Strahlung gemessen./Sagis ©

Atomunfall-Übung soll Schwachstellen in Notfallplänen aufdecken

“Wir überprüfen vor allem die Notfallpläne auf Schwachstellen. Auch die Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen und der Einsatz von technischen Mitteln unter realistischen Bedingungen werden geübt”, erklärt Umweltmediziner Gerd Oberfeld von der Landessanitätsdirektion. Die Übungsannahme: Ein Störfall im Atomkraftwerk Paks in Ungarn, Regenfälle und eine mögliche radioaktive Kontamination.

Seit Tschernobyl ist das Land Salzburg besser gerüstet

Das Land Salzburg – genau die jeweiligen Fachleute aus Landwirtschaft, Umweltschutz, Gesundheit und Katastrophenschutz – arbeiten dabei mit dem Radiologischen Messlabor (RMLS) an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg und der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) in Linz zusammen. Aber auch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sowie das Innenministerium sind involviert. Beobachter aus Kärnten und der Steiermark kamen zum Informationsaustausch. “Die Zusammenarbeit von Ländern und Bund war nicht immer so gut. Tschernobyl hat alle aufgeweckt, seither werden wir von Jahr zu Jahr besser und effektiver, tauschen uns intensiv aus”, weiß Norbert Altenhofer, Leiter der Stabsstelle Sicherheit und Katastrophenschutz.

 

Vier Teams sind unterwegs, um Proben zu entnehmen

Die Masterminds der Übung, Gerd Oberfeld und Norbert Altenhofer, haben Dienstagfrüh vier Proben-Teams ins ganze Land entsendet. Grasproben, Erde, wenn vorhanden Schnee sammeln, das war ihre Aufgabe. Entnahme und Transport müssen strengen Regeln und Abläufen folgen, um eindeutige Messergebnisse zu erhalten. “Aber diese sind im Ernstfall die Grundlage für wichtige Entscheidungen. Ob man das Vieh weiter auf die Weide lassen darf, die Kinder im Freien spielen dürfen, gewisses Saatgut nicht mehr verwendet werden kann, das alles beeinflusst direkt unser Leben und hat auch finanzielle Folgen”, so Altenhofer, und er fügt hinzu: “So etwas muss in Fleisch und Blut übergehen, um vorbereitet zu sein. Als ich ein junger Feuerwehrmann war, haben wir in der Ausbildung über den Super-GAU gelernt, aber dass dieser ohnehin nie eintreffen würde. Drei Jahre später explodierte der Reaktor in Tschernobyl.”

Zahlreiche Proben beschäftigen Labors

Das Landes-Medienzentrum hat am Dienstag das “Team Flachgau” begleitet. Matthias Mösl, Thomas Schörghofer und Christian Effenberger waren durch eine Einschulung gut vorbereitet, Fragen aus der Praxis heraus sind dennoch aufgetaucht. Diese fließen später in der großen Evaluierung in die Einsatzpläne mit ein. Insgesamt zogen Oberfeld und Altenhofer, aber auch die Einsatzleiter Angelika Brunner und Martin Leist eine positive Bilanz. “Ich muss den Probenentnehmerinnen und -entnehmern aus den Abteilungen Lebensgrundlagen, Natur- und Umweltschutz und Infrastruktur ein großes Kompliment aussprechen”, so Gerd Oberfeld noch im Laufe des langen Übungstages. Denn zur Stunde sind alle Teams noch unterwegs und sammeln Proben. Ab Mittwoch bekommen dann das Radiologische Messlabor (RMLS) an der NAWI sowie die AGES in Linz jede Menge zu tun, wenn die Behälter mit Gras, Erde und geschmolzenen Schnee auf radioaktive Kontamination untersucht werden.

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