Weißbuch für Bundesmuseen: Stärkere Rolle des Kanzleramts

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Drozda will "strategisches Beteiligungsmanagement"
Drozda will "strategisches Beteiligungsmanagement" - © APA
Das von Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) initiierte Weißbuch für die Bundesmuseen und die Nationalbibliothek liegt vor – und die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden, sind pragmatisch: Eine ventilierte Super-Holding oder Zusammenlegungen wird es nicht geben. Was hingegen kommt, ist unter anderem ein im Kanzleramt angesiedeltes Strategieteam zur Stärkung der Eigentümerrolle des Bundes.

Ziel ist, ein “strategisches Beteiligungsmanagement” zu installieren, wie Drozda am Freitag vor Journalisten unterstrich. Neben dem Strategieteam soll es auch einen wissenschaftlichen Beirat geben, dessen Empfehlungen transparent im Internet veröffentlicht werden. Dieser Beirat soll sich perspektivisch mit der langfristigen strategischen Positionierung der Institutionen befassen. Allerdings bleiben die Geschäftsführungen in künstlerischen Belangen weisungsfrei. Auch die Rolle der jeweiligen Kuratorien in den einzelnen Häusern soll gestärkt und diese ähnlich wie der Aufsichtsrat einer GmbH gestaltet werden.

Und schließlich wird die derzeitige Direktorenkonferenz zu einer ständigen Einrichtung unter dem Namen Bundesmuseenkonferenz unter Führung des Kanzleramts umgebaut. Die kaufmännischen und künstlerischen Direktoren sollen in diesem Rahmen die Kooperation der Museen koordinieren. “Es geht nicht darum, ex cathedra im Bundeskanzleramt etwas zu verfügen”, so Drozda: “Die Frage, welche Ausstellungen es gibt, wird das Bundeskanzleramt nicht entscheiden.” Man müsse aber als Eigentümer die Verantwortung wahrnehmen können, wenn es etwa gelte, einen gemeinsamen Wirtschaftsprüfer einzusetzen, ohne von der Zustimmung jedes einzelnen Kuratoriumsmitglieds abzuhängen. Neben den Museen soll nach Wunsch Drozdas auch das Staatsarchiv miteinbezogen werden.

Anlass für die Neustrukturierung waren im Vorjahr die Vorwürfe gegen die damalige Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco, der Verstöße gegen die hausinternen Compliance-Richtlinien zur Last gelegt wurden. Das von Drozda mit der Erarbeitung des Weißbuchs beauftragte Expertengremium unter Leitung der damaligen Kunstsektionsleiterin Andrea Ecker hatte acht verschiedene Modelle geprüft und dem Minister davon drei zur Auswahl vorgelegt, darunter die Idee einer “Kulturholding” für die Bundestheater und -museen sowie eine gemeinsame Managementholding der Museen analog zur Bundestheater-Holding.

Man sei sich aber bewusst gewesen, dass die Lage der Bundesmuseen grundsätzlich gut sei, unterstrich Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums, als Mitglied der Expertengruppe. “Es ging nicht darum, Dinge über Bord zu werfen oder neu zu erfinden, sondern nachzujustieren”, schlug Kollege Wolfgang Muchitsch vom Universalmuseum Joanneum in die gleiche Kerbe. Mit der grundsätzlichen Entwicklung der Institutionen sei man zufrieden, betonte auch Drozda, stieg doch die Zahl der Besucher seit 2000 um 80 Prozent und liege der Eigendeckungsgrad mit 42 Prozent um zehn Prozentpunkte höher.

Drozda entschied sich deshalb nun für die dritte von den Experten angedachte Variante, die pragmatische Lösung als evolutionären Schritt: “Ich glaube, das ist eine gute Weiterentwicklung.” Diese soll mit einer Novelle des Bundesmuseen-Gesetzes schnell umsetzbar sein und nach jetzigem Stand noch vor dem Sommer in Begutachtung gehen respektive Anfang kommenden Jahres in Kraft treten.

(APA)

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