Weiterhin Impf-Lücken bei österreichischer Bevölkerung

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Ärzte würden am liebsten alle impfen
Ärzte würden am liebsten alle impfen - © APA (Symbolbild)
In Österreich gibt es noch immer Lücken beim Impfschutz der Bevölkerung. Dies trifft besonders auf Masern, Keuchhusten und saisonale Influenza zu. Dies geht aus dem “Impfplan Österreich 2017” hervor, der am Samstag beim Österreichischen Impftag präsentiert worden ist. Ärzte und Eltern werden bezüglich der Veranlassung der empfohlenen Immunisierungen in die Pflicht genommen.

“Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Geimpfte sind im Regelfall vor der entsprechenden Krankheit geschützt”, heißt es in den Vorbemerkungen des neuen Impfplans, der jedes Jahr aktualisiert wird.

Die Mängel existieren in Österreich trotz des Gratis-Kinderimpfprogramms und vieler Angebote für Erwachsene. “Die derzeitige epidemiologische Situation in Österreich erfordert vor allem Anstrengungen zur Reduktion des Erkrankungsrisikos an Keuchhusten und Masern. Influenza verursacht mit der fast jedes Jahr auch in Österreich auftretenden Epidemie bis zu 1.000 Todesfälle, hier ist es ebenfalls notwendig, die Durchimpfungsraten deutlich zu erhöhen”, schrieben die Autoren. Die Masern-Impfung (kombiniert mit Mumps und Röteln) betrifft speziell Kinder, beim Keuchhusten existieren Defizite beim Impfschutz von Erwachsenen.

“Die Masern haben uns auch 2016 weiter beschäftigt. Nach dem Rekordjahr 2015 mit 309 Masernfällen in Österreich sind die Fallzahlen 2016 zwar verhältnismäßig gering, dafür haben wir seit vergangenen Sommer erstmals präzisere Evaluierungen zur Masern-Durchimpfungsrate und es zeigte sich, dass wir Kinder zu spät und leider oft nur mit einer statt mit zwei Impfungen impfen, außerdem sind über eine halbe Million Personen zwischen 15 und 30 Jahren unzureichend gegen Masern geimpft”, erklärte dazu die Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Pamela Rendi-Wagner.

Für 2016 wurden bisher etwas mehr als zwei Dutzend Masernfälle in Österreich gemeldet. Die Zahl dürfte aber wegen Nachmeldungen noch steigen. “Betroffen waren acht Bundesländer, alle bis auf Kärnten”, betonte Rendi-Wagner. Zwei der Erkrankten waren Kinder unter zwölf Monaten. In dieser Altersgruppe kann es als Spätkomplikation auch zu einer gefürchteten, langsam fortschreitenden Gehirnentzündung kommen, die unbehandelbar ist und in jedem Fall tödlich verläuft.

“Vergangenes Jahr gab es einen großen Masernausbruch in Rumänien, der gezeigt hat, dass wir auch weiterhin in Europa damit rechnen müssen, dass Masern ein großes Thema ist. Insofern dürfen die Anstrengungen nicht enden, die Masern-Impfung zu forcieren. Dies haben wir auch im aktuellen Impfplan 2017 berücksichtigt, die MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) wird ab sofort bereits ab dem vollendeten 9. Lebensmonat empfohlen, also ein Jahr früher als in den letzten Jahren, um den besonders gefährdeten Kindern in dieser Altersgruppe früher einen Schutz zu gewähren.”

Vor allem zwei Personengruppen könnten an den Problemen etwas ändern: die Ärzte und die Eltern. “Es entspricht der ärztlichen Sorgfalt, die von ihnen betreuten Personen über den erforderlichen Impfschutz fachgerecht zu informieren. Dazu gehört, dass die Grundimmunisierung bei Säuglingen und Kleinkindern rechtzeitig begonnen, nicht unnötig verzögert und zeitgerecht abgeschlossen wird. Darüber hinaus ist es notwendig, den Impfschutz durch Auffrischungsimpfungen in jedem Lebensalter sicherzustellen. Ein Abraten von Impfungen ohne Vorliegen einer Kontraindikation durch Ärzte im persönlichen Beratungsgespräch ist ein Verstoß gegen die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin und kann die berufliche Vertrauenswürdigkeit infrage stellen”, wird im Impfplan formuliert.

Laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte jeder Arztkontakt genutzt werden zu prüfen, ob die empfohlenen Impfungen durchgeführt worden sind, und – wo notwendig – fehlende Impfungen nachzuholen. Auch Arztkontakte im Rahmen von Spitalsaufenthalten sollten dafür genutzt werden, heißt es im Österreichischen Impfplan.

Auch die Eltern werden angesprochen: “Entsprechend der UN-Konvention vom 20. November 1989 haben Kinder das Recht auf beste Gesundheitsversorgung. Dazu gehört auch der Schutz vor Erkrankungen, die durch Impfung vermeidbar sind. Den Eltern obliegt es, die Schutzimpfungen bei ihren Kindern vornehmen zu lassen.” Als allgemeiner Grundsatz könne bei den Impfungen gelten: “Jeder, der sich und seine Familienangehörigen (Kontaktpersonen) schützen will, soll sich impfen lassen.”

(APA)

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